Leonberg Tod des Vaters wirft Familie aus der Bahn

Von Arnold Einholz 

Die achtjährige Tochter kommt mit dem Verlust nicht zurecht und wird verhaltensauffällig.

Das Lichtblicke-Logo. Foto: LKZ
Das Lichtblicke-Logo. Foto: LKZ

Leonberg - Erwachsene können ihre Trauer über den Verlust eines lieben Menschen irgendwie besser ausdrücken. Kinder hingegen leiden oft im Stillen und nur ihr auffälliges Verhalten zeigt, dass etwas in ihrer Welt zusammengebrochen ist.

Die achtjährige Tina (Name von der Redaktion geändert) besucht seit einem Jahr eine Gruppe für Kinder mit individuellem Förderbedarf. Nachdem der Vater des Mädchens bei einem Autounfall starb, wendete sich die nun alleinerziehende Mutter an das Jugendamt und bat um Hilfe. Tina hat noch zwei ältere Brüder. Die vielen familiären und häuslichen Verpflichtungen, die die Mutter nun nach dem Tod ihres Mannes alleine zu bewältigen hat, führten dazu, dass sie ihren Beruf nicht mehr in vollem Umfang ausüben kann. Dies und der Tod des Vaters führen zu erheblichen finanziellen Belastungen.

Konflikte enden oft mit Gewalt

Aufgrund der vielen Probleme wurde Tina schließlich verhaltensauffällig. Denn sie fühlte sich in ihrer Familie vernachlässigt. Sie möchte mehr Aufmerksamkeit von der Mutter. Dies zeigt sich besonders in ihren neuen Verhaltensweisen, zu lügen und zu stehlen. Zusätzlich hat sie Schwierigkeiten damit, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dies hat zur Folge, dass sie häufig mit anderen Kindern in Konflikte gerät und diese oftmals mit Gewaltausbrüchen ihrerseits enden.

„Zu Beginn wirkte Tina sehr verschlossen und zurückhaltend, besonders den Betreuern gegenüber“, sagt Sonja Achenbach vom Waldhaus Kinder- und Jugendhilfezentrum (KIDZ) Leonberg. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gab es in der Gruppe oft mit anderen Kindern Streit. Es fiel der Achtjährigen schwer, Konflikte mit anderen Kindern mit Worten zu lösen. Sie griff meist auf körperliche Gewalt als Ventil für ihre angestauten Gefühle zurück.

Die Trauergruppe hilft Tina

Es dauerte einige Zeit, bis Tina sich den Kindern in der Gruppe öffnen konnte und positive Beziehungen zu ihnen aufgebaut hat. Allmählich fasste sie auch Vertrauen zu den Betreuern und begann, über ihre Gefühle zu und den schmerzhaften Verlust des Vaters zu sprechen. Tina besucht jetzt zusätzlich eine Trauergruppe für Kinder, die den Vater oder die Mutter verloren haben. Hier weiß man, dass auch trauernde Kinder eine verlässliche Betreuung nach dem Tod eines geliebten Menschen brauchen. Die ehrenamtlichen Begleiter nehmen sich Zeit für die individuellen Bedürfnisse des Kindes in dieser schweren Lebenssituation. „Diese Treffen tun der Achtjährigen gut“, sagt Achenbach. Hier sei sie mit Kindern zusammen, die ein gleiches oder ein ähnliches Schicksal erlebt haben.