Der Engelbergtunnel ist der längste und verkehrsreichste Autobahntunnel Baden-Württembergs. Ihn passieren täglich weit mehr als 100 000 Fahrzeuge, die auf der A 81 unterwegs sind.
Genau 2530 Meter ist er lang. Rund 120 000 Fahrzeuge passieren die beiden Röhren täglich. Und wenn er mal wieder gesperrt ist, ist nicht nur der Engelbergtunnel als solcher rekordverdächtig, sondern auch die Staus in und um Leonberg. Das dürfte ein Großteil der Verkehrsteilnehmer in der näheren Umgebung bereits schmerzvoll im eigenen Auto erlebt haben. Der Engelbergtunnel ist de facto der längste und verkehrsreichste Autobahntunnel in Baden-Württemberg.
Die Röhren des alten Engelbergtunnels von Nazis gesprengt
Zwischen den Jahren 1995 und 1999 wurde er gebaut, die Autobahn 81 führt durch ihn hindurch. Nach Norden geht es in Richtung Heilbronn, nach Süden wahlweise in Richtung Karlsruhe oder zum Stuttgarter Kreuz weiter in Richtung München und Singen. Und eigentlich heißt der Tunnel ja „Engelbergbasistunnel“. Denn einen „Engelbergtunnel“ gab es früher schon. Der wurde 1938 nach drei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen und liegt etwa 60 Meter über seinem Nachfolger. Auch er hatte bereits zwei Röhren. In der westlichen, genauer gesagt im Südportal, befindet sich heute die KZ-Gedenkstätte Leonberg. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten Zwangsarbeiter in der Röhre Teile für Messerschmidt-Flugzeuge fertigen müssen.
Der alte Tunnel war ein sogenannter Scheiteltunnel: Die Zufahrten waren nur über steile Rampen erreichbar. „Der höchste Punkt der Autobahnstrecke, also der Scheitel, lag im Tunnel selbst“, wie die Betreiberin des neuen Bauwerks, die bundeseigene Autobahn GmbH, in einer Übersicht erklärt. Und weiter: „Der neue Basistunnel durchquert den Engelberg mit nur geringer Steigung und ist daher auch wesentlich länger als der alte Engelberg-Scheiteltunnel.“ Jener alte Tunnel war 318 Meter lang. Die Röhren wurden von den Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende gesprengt. Anfang der 1960er-Jahre war der Tunnel wieder befahrbar. Immer wieder ist der Engelbergtunnel gesperrt – die Gründe sind vielfältig.
Einst Kritik an der Finanzierung des Engelbergtunnels
Der Bau des heutigen Engelbergtunnels mit seinen insgesamt sechs Fahrspuren kostete einst 850 Millionen Mark, umgerechnet rund 425 Millionen Euro. Bis 2014 zahlte der Bund die Kosten an ein Baukonsortium ab, die sich mit Zinsen und allem drum und dran auf 1,24 Milliarden Mark (etwa 600 Millionen Euro) beliefen. Dieser massive Betrag löste ebenso massive Kritik aus. Der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) hatte hingegen unter anderem mit einer Verkürzung der Bauzeit argumentiert.
Wer einmal das Vergnügen hatte, den Engelbergtunnel zu Fuß zu begehen, der stellt fest: Er ist gigantisch. Das wurde deutlich, als die Autobahn GmbH Einblicke in die Sanierungsarbeiten erlaubte. Das Mineral Anhydrit drückte schon von Beginn an von außen auf die Tunnelwände und deformierte sie. In beiden Röhren waren die Schäden auf einer Länge von jeweils rund 180 Metern so massiv, dass nichts anderes übrig blieb, als die Tunnelschalen zu verstärken und Zwischendecken einzuziehen. „Tunnel im Anhydrit haben grundsätzlich ein höheres Risiko, immer wieder saniert werden zu müssen“, schreibt die Autobahn GmbH.
Rekordverdächtiger Aufwand für die Engelbergtunnel-Sanierung
Ab 2016 lief die Vorbereitung für die Sanierung, 2019 ging es los. Rekordverdächtig ist auch der Aufwand, der dafür zum Teil betrieben wird. Um die Deckenteile an Ort und Stelle zu hieven, wurde zum Beispiel eigens ein riesiges Baufahrzeug, genannt „Versetzwagen“, entwickelt und gebaut. Dieser wiederum ist rekordverdächtig langsam, brauchte für die Strecke vom Betriebsgelände oberhalb des Nordportals und rund 700 Meter in den Tunnel mehr als zwei Stunden. Das funktionierte natürlich nur mit einer teilweisen Streckensperrung. Dass bereits seit Jahren immer wieder Spuren nicht benutzbar sind, beeinträchtigt während der gesamten Sanierung immer wieder den Verkehr.
Mit der baulichen Ertüchtigung wird gleichzeitig im gesamten Engelbergbasistunnel die Sicherheits- und Betriebstechnik erneuert – etwas, das in Tunneln etwa alle 15 bis 20 Jahre ansteht, da sich die Technik weiterentwickelt. 130 Millionen Euro sind für die Sanierung insgesamt veranschlagt. Die Bauzeit für die Ertüchtigung wurde zunächst für fünf Jahre geplant. „Wegen Qualitätsmängeln bei den Stahlbauteilen für die Innenschale und deren Behebung wird die Bauzeit bis Ende 2025 dauern“, vermeldet die Autobahn GmbH. Diese Verzögerung ist – auch wenn „Ende 2025“ nicht ganz zu halten sein wird – im Vergleich zu anderen Baugroßprojekten ausnahmsweise nicht rekordverdächtig.
Weströhre ist fertig saniert
Tests bestanden
Bevor die Weströhre, in der der Verkehr in Richtung Karlsruhe und zum Kreuz Stuttgart fließt, wieder vollständig in Betrieb gehen konnte, gab es einige Tests: Unter anderem wurde geprüft, ob das Brandmeldesystem funktioniert, Außerdem wurde ein letztes Software-Update für die Tunneltechnik aufgespielt.
Vorbereitung
„Diese Tests waren im Vorfeld schon erfolgreich im System simuliert worden“, teilte die Betreiberin, die Autobahn GmbH des Bundes, Mitte Juni 2024 hierzu auf Anfrage mit.