Blitzer in der Eltinger Straße: Auch gegenüber dem Leonberger Rathaus empfiehlt es sich, auf den Tacho zu schauen. Foto: Stadt Leonberg
In Leonberg stand ein VW mit einer Geschwindigkeitsmessanlage. Unbekannte hatten die Heckscheibe mit Kartons abgedeckt und wurden dafür gefeiert. Was sind die Hintergründe – und was unternimmt die Stadt?
Das Foto wurde vor wenigen Tagen in den Sozialen Medien von vielen gefeiert: Ein schwarzer VW-Hochkombi, hinter dessen Heckscheibenwischer einige Kartons stecken. „Wer dies geschafft hat, verdient den Titel ‚Persönlichkeit des Jahres’“, kommentiert einer. „Das ist doch endlich mal ’ne sinnvolle Nachricht hier“, findet ein anderer. Kritik gibt es aber auch: „Rasern, die Menschen töten, freie Fahrt gewähren, sehr heldenhaft. Du bist mein Held.“ Ein vierter spricht schließlich an, worum es der Mehrheit der Kommentierenden geht: „Dieser scheiß Wagen hat mich zweimal geblitzt in Gebersheim.“
VW ist ein Auto für Geschwindigkeitsmessungen der Stadt
Exakt: Bei dem VW handelt es sich um ein Auto, das die Stadt Leonberg für mobile Geschwindigkeitskontrollen nutzt. Das bestätigt die Stadt in Person von Corinna Kempf vom Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit auf Nachfrage. Online gestellt (und eine Veröffentlichung erlaubt) hat das Foto eine Facebook-Nutzerin. Zu sehen ist, dass der VW auf Höhe des Restaurants Mauritius in der Feuerbacher Straße in Leonberg steht – nur wenige Meter, vielleicht drei, hinter einem Tempo-30-Schild.
Zunächst stellt sich die Frage: Kommt so etwas denn öfter vor? „Das Verdecken der Kamerabereiche bei stationären als auch mobilen Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen wird hin und wieder festgestellt“, antwortet Corinna Kempf. Im konkreten Falle sei jedoch positiv anzumerken, dass die Verdeckung bereits kurze Zeit später von unbekannten Personen beseitigt worden sei. Strafbar sei eine solche Handlung laut Corinna Kempf nicht. „Das bloße Verdecken stellt in aller Regel kein strafbares oder ordnungswidriges Verhalten dar, sofern das Messfahrzeug oder Ähnliches keinen Schaden nimmt.“ Kommt es allerdings zu Sachschäden, werden diese zur Anzeige gebracht.
„Kleinere Vandalismusschäden“ kommen schon mal vor
„Die Geschwindigkeitsüberwachung diene in erster Linie der Verkehrssicherheit – wenngleich die Sprecherin auch anmerkt, dass durch etwaige Aktionen sicher auch Einnahmen ausblieben. Aber: „Auch wenn eine verfolgbare Tat vorläge, wird sich die Ermittlung der Täter in aller Regel als schwierig gestalten.“ Das gilt im Übrigen auch für den sogenannten „Enforcement-Trailer“, also den Blitzer-Anhänger, den die Stadt an bestimmten Stellen an den Straßen abstellt. „Kleinere Vandalismusschäden wie etwa bekleben, beschmutzen oder beschmieren waren vereinzelt festzustellen“, so Kempf.
Im Jahr 2024 nahm die Stadt Leonberg mehr als 260 000 Euro mit Geschwindigkeitsüberwachungen ein. Auf die stationären Blitzer entfielen knapp 95 000 Euro, die mobilen Geräte brachten 167 000 Euro ein. Zum Vergleich: 2023 waren es bei den mobilen Messungen 173 000 Euro gewesen – und bei den stationären Anlagen ebenso viel.
Feste Messgeräte werden auch ausgetauscht
Um dieses Foto geht es: der VW, dessen Heckscheibe abgedeckt ist. Foto: privat
„Gleichzeitig sind die Standorte insbesondere bei stationären Anlagen nach einiger Zeit bekannt“, so Fendrich weiter. „Die Verkehrsteilnehmenden gewöhnen sich daran und die Stadt erreicht so letztlich auch ihr Ziel, die Geschwindigkeit in den Bereichen zu senken und die Verkehrssicherheit zu steigern.“
Die Leonberger Stadtverwaltung verfügt über drei mobile Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen: den „Enforcement-Trailer“ sowie zwei verschiedene Messanlagen für die Nutzung in einem Messfahrzeug. „Diese kommen entsprechend des jeweiligen Anwendungszwecks abwechselnd im Messfahrzeug zum Einsatz“, präzisiert Corinna Kempf.
Zahl der Tempoverstöße in der Feuerbacher Straße „als hoch anzusehen“
Die mobile Messtechnik werde vorrangig an Orten eingesetzt, an welchen es Beschwerden aus der Bevölkerung gebe, „die dies entsprechend einfordert“. Schenk weiter: „Hierbei handelt es sich nicht nur um Abschnitte auf denen umgangssprachlich ‚gerast’ wird, sondern auch um solche Bereiche, in denen Anwohnerinnen und Anwohner einen Anspruch auf Schutz vor Verkehrslärm haben und daher Tempolimits eingerichtet worden sind.“ Das treffe beispielsweise auch auf die Messstelle in der Feuerbacher Straße zu. „Die Anzahl der dort festgestellten Verstöße ist zu unserem Bedauern als hoch anzusehen.“
So werden vermutlich auch in Zukunft nicht wenige Autofahrerinnen und Autofahrer nach der Passage der Feuerbacher Straße Post von der Stadtverwaltung bekommen – und dies dann verärgert in den Sozialen Medien kundtun.