In seinem Beruf erlebt er viel, doch die allermeisten Gäste von Taxifahrer Dimi sind nett. Stammgäste, Geschäftskunden, Party-Heimkömmlinge – der Kundenstamm ist so bunt wie das Leben selbst.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Leonberg - Es ist kurz nach 23 Uhr. Dimitrios Kalpakidis bringt gerade ein Ehepaar nach Hause. Die beiden waren in der Altstadt essen und möchten jetzt heim nach Warmbronn.

 

Das Handy schellt. Der Taxifahrer kennt die Nummer und meldet sich über die Freisprechanlage: „Hallo, mein Lieber! Was kann ich für dich tun?“ „Hi, Dimi! Kannst du uns in Weissach holen?“ „Eine Fahrt habe ich noch. Sagen wir, in einer halben Stunde?“ „Passt super. Dann können wir noch in Ruhe leer trinken.“ Nach der Adresse muss Dimi nicht fragen. Er kennt die meisten Stammlokale seiner Fahrgäste.

Dimi. So nennen ihn seine Kunden. Er hat die Abkürzung seines Vornamens zur Marke gemacht. „Taxi Dimi“ heißt sein Unternehmen ganz offiziell. „Mein richtiger Namen ist für viele kompliziert“, sagt der Grieche, der seit 31 Jahren in Deutschland lebt. „Dimi kann sich jeder merken.“

Ein paar Stunden Schlaf müssen sein

Ein-Mann-Betrieb

Wobei der Begriff Unternehmen nicht ganz zutreffend ist. Dimitrios ist ein Ein-Mann-Betrieb. Von morgens früh bis abends spät ist er mit seinem Dacia unterwegs. Sonn- und Feiertage gibt es für ihn nie. Freizeit auch nicht. „Natürlich. Ich muss schlafen. Und ich möchte natürlich mit der Familie zusammen essen. Aber wenn einer anruft, dann fahre ich halt los.“

Doch mitten in der Nacht hat Dimitrios Kalpakidis zumeist seine Ruhe. Er hat vornehmlich Stammkunden , die wissen, dass ihr Dimi ein paar Stunden Schlaf braucht. Bis 2 Uhr ist er zumeist aber schon unterwegs. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit. „Da gehen doch viele Leute noch weg“, sagt der Mann aus Nordgriechenland, der seit einem Jahr als Einzelkämpfer in und um Leonberg unterwegs ist.

Fahrgemeinschaften sind schlecht für’s Geschäft

Weihnachtsfeiern allerdings, so hat er beobachtet, sind nicht mehr das ganz große Geschäft. „Viele Leute bilden Fahrgemeinschaften. Einer trinkt dann eben nichts. Meine Kollegen und ich haben dann das Nachsehen.“

Dimi ist inzwischen in Weissach angekommen. Seine Kunden haben sich noch ein Viertele bestellt und wollen erst in ein paar Minuten weg. Macht nichts. Dimi plaudert mit dem Inhaber, ein Landsmann, und bekommt einen griechischen Mokka serviert. Dann das Signal zum Aufbruch. Seine Gäste sind redselig, aber gut drauf. Wollen wissen, wie die Griechen Weihnachten feiern.

„Die meisten Kunden sind sehr nett“, sagt Dimi. „Aber reden wollen sie alle.“ Dabei geht es nicht nur um fröhliche Themen. Viele erzählen von ihren Problemen. „Manchmal fühle ich mich wie ein Seelsorger“, sagt er. „Eine Frau hat mich sogar jeden Freitag immer spät abends angerufen.“ Irgendwann ist er nicht mehr ans Handy gegangen. So richtig Ärger hatte Dimitrios Kalpakidis noch nie. Skurrile Situationen dafür zuhauf. Eine Frau hatte sich nachts nach Heilbronn fahren lassen, um dann zu gestehen, dass sie kein Geld hat. „Dann hat sie sich völlig ausgezogen. Da habe ich die Polizei gerufen.“ Die hat die Frau überredet, sich wieder anzuziehen. Auf seinen Fahrtkosten ist er aber sitzengeblieben.

Ausgebüchster Patient

Mit Versuchen, die Zeche zu prellen, hat es Dimi immer mal wieder zu tun. „Einer hat zu mir gesagt: Fahr mich nach Sindelfingen, ich habe aber kein Geld. Als ich ihm sagte, dass das nicht geht, wollte er wenigstens nach Merklingen.“ Natürlich konnte er auch diesem Wunsch nicht entsprechen.

Nicht lange verhandelt hatten zwei junge Männer, die sich vom Bahnhof nach Höfingen bringen ließen. Am Ziel öffneten sie gleichzeitig die Türen und liefen auf Nimmerwiedersehen davon.

Das Nachsehen hatte Dimi auch bei drei Burschen, die nach einer Zechtour in der Leonberger Altstadt nach Perouse wollten. Am dortigen Kreisel sagte einer von ihnen, er müsse sich übergeben. Der Fahrer hielt an, die drei Kerle sprangen aus dem Wagen und flüchteten in den Wald.

Keine Rolle spielte das Geld bei einem Mann, der um 2 Uhr nachts vom Krankenhaus zum Bahnhof wollte. „Er drückte mir 100 Euro in die Hand und sagte, ich solle sofort losfahren.“ Solcherlei Großzügigkeit kam Dimitrios verdächtig vor. Sicherheitshalber rief er im Krankenhaus an. Und siehe da: bei dem Fahrgast handelte es sich um einen ausgebüchsten Patienten, dessen Behandlung nun fortgesetzt werden konnte.

Zur Bescherungszeit ist Ruhe

Es ist Mitternacht. Die Weissacher Abendgesellschaft ist daheim. Dimi kennt genau die Reihenfolge, in der er seine Gäste zuhause abliefern soll. Und er weiß, wer von ihnen wann mit Bezahlen dran ist.

Jetzt kann er selbst die Heimat ansteuern. Kein schlechter Tag heute. Gute gelaunte Kunden, die einen schönen Abend verbracht haben, sind meistens großzügig.

Auch an Weihnachten kann der Taxifahrer mit ausreichend Trinkgeld rechnen. „Gerade ältere Leute lassen sich zur Bescherung zur Familie fahren und wollen dann auch wieder heim“, weiß Dimi. Und genau dazwischen ist nichts los. Da kann auch Dimi mit seiner Familie Weihnachten feiern. Bis das Telefon wieder schellt.