Der abgerutschte Hang im Höfinger Tal wird mittels einer Bohrung untersucht. Ergebnisse gibt es Ende Oktober.

Leonberg - Meterhoch steigt der feine Staub. Mutig steuern die Autofahrer ihre Wagen durch die gelbe Wolke hinab ins Tal. Manch einer mag sich fragen, ob die nach einem Erdrutsch halbseitig gesperrte Landesstraße hinab ins Höfinger Tal doch schon früher saniert wird. „So schnell geht das leider nicht“, sagt Erdhard Wieland, der Verkehrsplaner bei der Stadt Leonberg.

Was da so viel Staub aufwirbelt, ist eine Bohrsondierung. An verschiedenen Stellen entlang der Straße wird damit der Untergrund untersucht. „Diese Bohrung soll zwei Fragen klären“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Schuler. Nämlich, was am abgerutschten Hang gemacht werden muss. Und wann es gemacht werden kann. So zumindest lautet die verkürzte Erklärung.

Straßen nicht für Verkehr von heute gebaut

Die Langversion ist dagegen komplizierter. Da wäre die Frage nach dem Was. „Diese Straßen sind gar nicht für den Verkehr von heute gebaut worden“, erklärt Otto Borngräber, der als selbstständiger Geologe im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart die Arbeiten an der Landesstraße betreut. Das Problem gebe es an vielen Steigungen im Baden-Württemberg. Vor 20 bis 30 Jahren habe man ein bisschen weiter in den Berg gegraben und an der Hangseite aufgeschüttet, um solche Strecken zu verbreitern. „Das ist die Hauptursache, warum die Hänge an den Talseiten instabil werden“, erläutert Borngräber. Weitere Probleme verbergen sich im Untergrund.

Der Geologe zeigt auf einen Bohrkern, den die Mitarbeiter der Firma Dill Expert aus der Nähe von Freiburg an diesem Tag aus dem Boden geholt haben. Da ist zunächst der Asphalt, dann eine 2,80 Meter dicke Schicht aus Lehm, der nur leicht mit Kies und Schotter durchsetzt ist. „Nach heutigen Anforderungen kommt direkt unter den Asphalt eine 40 bis 60 Zentimeter dicke Schicht aus Schotter und Splitt. Diese übernimmt die ganz Last und ist frostsicher“, erläutert der Geologe.

Bohrungen bis Ende nächster Woche

Der Lehm hingegen werde bei Nässe wie Schmierseife. „Kein Wunder, wenn das irgendwann abrutscht.“ Erst in drei Metern Tiefe stößt der Bohrer auf den typischen Muschelkalk der Region – der felsige Kern des Berges.

Sieben der Bohrungen werden in dieser Woche an der Talseite vorgenommen. Je nachdem, wie diese ausfallen, sind bis zu fünf Bohrungen auf der Bergseite in der kommenden Woche geplant. Spätestens am Freitag nächster Woche ist das Gerät wieder verschwunden, sind die Löcher verfüllt. Bis die Bohrkerne ausgewertet sind, dauert es noch bis Ende des Monats. „Dann werden wir uns mit dem Regierungspräsidium zusammensetzen und besprechen, wie es weitergeht“, berichtet der OB.

Die Kosten trägt das Land

Also etwa, wie stark sanierungsbedürftig der Hang ist, aber auch, wie die Strecke vernünftig ausgebaut werden kann. Und bis wann das realisiert werden kann. Denn die Strecke ist eine überörtliche Landesstraße. „Das heißt, die Kosten für die Straße trägt das Land. Darüber hinaus gibt es Dinge, über die man sich unterhalten kann“, meint Schuler. Dazu gehörten etwa Geh- und Radwege oder eine Treppe.

Die Frage nach dem Wann ist ebenso ungewiss. Denn je nachdem, was getan werden muss oder gewünscht ist, müssen die entsprechenden Arbeiten noch geplant, ausgeschrieben und vergeben werden. Bereits vor einigen Wochen hatte der OB die Variante ins Spiel gebracht, die Sanierung dieser Seite des Höfinger Tals auf 2017 vorzuziehen. Die bereits bewilligte Landesförderung für die lang ersehnte Erneuerung des Schlossberges, ebenfalls Teil der Landesstraße, auf der anderen Seite (inklusive Pforzheimer Straße) könnte dann auf 2018 verschoben werden. „Es muss noch geprüft werden, ob das rechtlich zulässig und zeitlich machbar ist“, sagt Bernhard Schuler nun beim Vor-Ort-Termin am Bohrgerät.

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