Leonberg Wer hat die Walnüsse geklaut?

Von Arnold Einholz 

Der Täter zerschneidet einen Zaun, um auf das Grundstück zu gelangen. Sein Diebesgut: 100 Kilo Nüsse.

100 Kilo Walnüsse – das muss man erst einmal aufsammeln . . . Foto:  
100 Kilo Walnüsse – das muss man erst einmal aufsammeln . . . Foto:  

Leonberg - Liegt eine reife Walnuss unter dem Baum, erwacht scheinbar der Ur-instinkt des Jägers und Sammlers. Doch manche Zeitgenossen vergessen dabei vollständig den Unterschied zwischen „Mein“ und „Dein“ und werden zu Dieben.

Auf Walnüsse hatte es auch ein bislang unbekannter Dieb abgesehen, der zwischen Mittwoch und Samstag zwölf Walnussbäume im Gewann „Straßenäcker“, das sich südlich des Indianerspielplatzes Gebersheim befindet, abgeerntet hat.

Die eine Hälfte der Bäume steht auf einem frei zugänglichen Gelände, die andere in einem umzäunten Gartengrundstück. Um auch an diese Nüsse heranzukommen, zerschnitt der Täter den Maschendrahtzaun und stieg dann ein. Der Unbekannte dürfte etwa 100 Kilogramm Walnüsse gestohlen haben. Der Wert der Nüsse beläuft sich auf mehr als 1000 Euro. Darüber hinaus entstand ein Schaden von etwa 200 Euro. Mutmaßlich transportierte der Dieb die Nüsse mit einem Auto ab.

Zählt das als Mundraub?

„So etwas wie den oft angeführten Mundraub gibt es schon lange nicht mehr, bereits die erste Nuss, der erste Apfel oder Birne, auch die Traube im Weingarten, die man abpflückt, gilt als Dienstahl“, erläutert Peter Widenhorn von der Polizeidirektion Ludwigsburg. Weil er den Maschendrahtzaun aufgeschnitten hat, um an die Nüsse heranzukommen, hat der Dieb noch eines drauf gelegt. „Das wird als besonders schwerer Fall von Dienstahl gewertet“, erläutert Polizeisprecher Widenhorn.

Dass in Gebersheim Nüsse das Objekt der Begierde sind, ist nicht neu. Besonders auf die Bäume an Rande der Straße zwischen Leonberg und dem Teilort, aber auch in Höfingen an der Straße nach Ditzingen, haben es die Sammler abgesehen. Häufig rücken ganze Familienverbände an, um der begehrten Nüsse habhaft zu werden.

Pflücker gehen zum Teil rabiat vor

Anfang der 90er Jahre wurden zwischen Leonberg und Gebersheim mehr als 190 junge Nussbäume gepflanzt worden. Die stehen auf Grund und Boden, der dem Landkreis, der Stadt, sowie Privatpersonen gehört. In Gebersheim und in Höfingen hatten seinerzeit die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine die Pflege übernommen, obwohl sie sich kaum an den Früchten ihrer Arbeit erfreuen konnten. Nun sind die Bäume inzwischen so groß gewachsen, dass die Vereine nicht mehr die nötige Ausstattung dafür haben, weshalb die Baumpflege an die Stadt Leonberg abgetreten wurde.

Diese versucht seit Jahren dem Treiben Einhalt zu gebieten. Denn einige Pflücker beschädigen mit Stangen und Wurfgeschossen die Kronen, andere haben sogar mit dicken Vorschlaghämmer gegen die Stämme geschlagen. Deshalb weisen seither im Herbst Plakate an den Bäumen darauf hin, dass jeder höchstens ein Kilogramm Nüsse – etwa 100 Stück – und nur vom Boden sammeln darf. Mit Leitern in die Baumkronen zu steigen und die Bäume mit Stangen und Wurfgeschossen zu malträtieren, ist verboten.