Leonberg Wolfgang Schaal berät Landratsamt bei Erdhebungen

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Der neue Kreisrat der Freien Wähler, Wolfgang Schaal, hilft den 190 betroffenen Böblingern mit seinen Erfahrungen. Die hat er bereits im Nordkreis sammeln können.

Wolfgang Schaal. Foto: privat
Wolfgang Schaal. Foto: privat

Leonberg - Was in Böblingen derzeit etliche Hausbesitzer umtreibt, ist in Leonberg und Renningen schon vor zwei Jahren Realität gewesen: Risse in den Häusern wegen Geothermie-Bohrungen, die von der Renninger Firma Gungl organisiert wurden. Daher ist der Leonberger Freie-Wähler-Kreisrat Wolfgang Schaal, der den Betroffenen 2012 viel helfen konnte, nun auch anerkannter Experte im Landratsamt, um die weitaus schlimmeren Schäden in der Kreisstadt zu begutachten und nach Lösungen zu suchen.

Das wurde kürzlich im Kreistag deutlich, der Landrat Roland Bernhard lobte explizit Schaals Expertise. Er hatte zudem eine gute Nachricht, auf die die Böblinger Hausbesitzer wohl schon lange gewartet haben: Noch im Oktober sollen zumindest die schadhaften Bohrlöcher in der Siemensstraße saniert werden. „Ich habe kürzlich dazu die Aufträge unterzeichnet“, erklärte Landrat Bernhard. Die schon bei den massiven Verwerfungen in Stauffen bei Freiburg bewährte Firma Keller soll jetzt die bis zu 125 Meter tiefen Bohrlöcher sanieren – daher wird es noch dauern, bis auch die schadhaften Bohrlöcher im Süden der Stadt dran kommen.

Die Zahlen, die nun Jochen Weinbrecht vom kreiseigenen Wasserwirtschaftsamt vorgelegt hat, sind erschreckend: Bis zu 45 Zentimeter hat sich die Erde angehoben, jeden Monat kommen vier bis fünf Millimeter dazu. Wolfgang Schaal indes ergriff gleich das Wort und wollte wissen, warum das Ganze so lange dauert. „Warum beauftragen wir nicht zusätzlich die Renninger Firma Gungl, schon im Süden anzufangen?“, fragte Schaal.

Er verwies auf die erfolgreiche Sanierung der Schadensfälle in Leonberg und Renningen. Zudem wollte er wissen, wer die Kosten tragen soll. Der Landrat stellte klar, dass der Kreis das Geld nur vorstrecke, das Land sei hier in der Pflicht.

„Ich richte auch einen sanften Appell an die Allianz-Versicherung, das Geld an die Betroffenen schnell auszuzahlen“, sagte er. Jochen Weinbrecht betonte, dass die Renninger Firma Gungl, die von Experten für die Erdhebungen verantwortlich gemacht wird, noch nicht die nötige Expertise für die Sanierung habe. Gungl hatte die Löcher im Jahr 2006 gebohrt.

Die CDU-Kreisräte Walter Arnold und Andreas Kindler stellten zudem die Forderung in den Raum, auf Geothermie ganz zu verzichten. „Es gibt Alternativen dazu“, meinte Kindler, „die sollten auch genutzt werden.“ De facto ist dies ohnehin schon so – es gibt kaum noch neue Anträge auf Erdwärmebohrungen im Landkreis. Die vom Landratsamt herausgegebene „Ampelkarte“ zeigt sowieso in den meisten Gegenden Rot: Überall, wo Gipskeuper liegt, ist Geothermie nicht erlaubt. „Und bei den grünen Zonen beraten wir so, dass praktisch keiner mehr bohren will“, sagte Jochen Weinbrecht. Der Landrat formulierte es so: „Es gibt wohl keinen Landkreis, in dem strengere Vorschriften herrschen, als bei uns.“