Leonberg Zu Erntedank sind die Regale in der Tafel voll

Von Constanze Loser 

Bei der Diakonie-Einrichtung herrscht zurzeit Hochbetrieb, die Gaben der Kirchengemeinden finden viele dankbare Abnehmer. In der Stadtkirche findet am kommenden Wochenende ein Gottesdienst zum Welternährungstag statt.

Das Erntedankbild der katholischen Kirche in Weil der Stadt thematisiert Ernährung  nicht nur im Motiv: Weizen, Lorbeer, Zimt, Mohn, Kokos und andere Naturalien bilden die landwirtschaftliche Szene, die Mesnerin Kristina Bogar hier gestaltet hat. Foto: Mader
Das Erntedankbild der katholischen Kirche in Weil der Stadt thematisiert Ernährung nicht nur im Motiv: Weizen, Lorbeer, Zimt, Mohn, Kokos und andere Naturalien bilden die landwirtschaftliche Szene, die Mesnerin Kristina Bogar hier gestaltet hat. Foto: Mader

Leonberg - Etwas versteckt liegt der Eingang des Leonberger Tafelladens in der Wilhelmstraße. „Das ist auch ganz gut so, manche Kunden schämen sich, hier einzukaufen, und sind froh über die unauffällige Lage“, sagt Marktleiterin Indira Artes. Wie viele Kunden täglich hier einkaufen, weiß sie nicht genau, „aber wie man sieht sind es viele, der Bedarf ist sehr hoch“. Tatsächlich hat sich schon eine lange Schlange an der Kasse gebildet, neben Obst und Gemüse sind vor allem Trockenwaren wie etwa Nudeln heiß begehrt.

Ohne Spenden geht nichts

Ohne die regelmäßigen Spenden von Kirchen, Supermärkten und Privatpersonen wäre ein Betrieb hier kaum möglich. „Wir sind sehr dankbar für die Hilfsbereitschaft hier in Leonberg“, sagt Indira Artes. „Gestern hat zum Beispiel jemand ein paar Dosen Hundefutter vorbei gebracht, auch so etwas wird gebraucht.“ Der Großteil der Lebensmittel wird bei den täglichen Touren abgeholt. „In den vergangenen Tagen waren wir bei sehr vielen Kirchen im Altkreis und haben die Erntedankgaben eingesammelt.“ Dazu fahren die ehrenamtlichen Mitarbeiter Extratouren, zurzeit mit dem Wagen des Diakonie-Kontaktladens, weil der tafeleigene Bus kaputt ist.

Die abgeholten Lebensmittel kommen zunächst in die Küche, Unbrauchbares wird aussortiert. „Die Ware muss einwandfrei sein, schließlich wollen wir keine verschimmelten Lebensmittel anbieten. Außerdem wird auch der Tafelladen auf die Einhaltung der Hygienestandards überprüft“, betont Marktleiterin Artes.

Viele sind bereits seit der Gründung mit dabei

Etwa 30 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf. „Manche sind schon seit der Gründung der Leonberger Tafel im Jahr 1999 dabei, das ist großartig. Die Arbeit ist nicht immer ganz einfach, viele Kunden haben schwere Schicksale“, sagt Artes. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge, die in der Tafel einkaufen, gestiegen, aber auch andere Bevölkerungsgruppen sind auf die soziale Einrichtung angewiesen. „Neben Arbeitslosen kommen auch viele Senioren mit kleiner Rente, außerdem gibt es Studenten oder Alleinerziehende, die sich mit Teilzeitjobs über Wasser halten und sich die Ware zum herkömmlichen Preis einfach nicht leisten können“, erzählt die Ladenleiterin.

Die Gottesdienste zum Erntedankfest sind ein Höhepunkt im Kirchenjahr und ein Höhepunkt für den Tafelladen in Leonberg. Einige Gemeinden bieten darüber hinaus ganzjährige Projekte zur Unterstützung der Einrichtung. Die katholische Kirche veranstaltet jeden Monat den sogenannten Nudelsonntag, bei dem neben haltbaren Lebensmitteln auch Hygieneartikel und Schulsachen gesammelt werden. „Wir bekommen sogar Kleidung von Karstadt Leonberg und Intersport Renningen“, berichtet Indira Artes. „Aus hygienischen Gründen nehmen wir aber keine Kleidung von Privatpersonen an.“

Die Frage der Ernährung beschäftigt die Menschen vor Ort und in der ganzen Welt. Am Sonntag, 16. Oktober, findet um 18.30 Uhr ein Nachtgedankengottesdienst in der Stadtkirche Leonberg statt. Anlass ist der Welternährungstag, der jedes Jahr daran erinnert, dass weltweit viele Millionen Menschen an Hunger leiden. Das Thema des Nachtgedankengottesdienstes, der von Dekan Wolfgang Vögele und Pfarrer Jochen Haas geleitet wird, lautet: „Unser tägliches Brot – wovon werden wir alle satt?“ Es geht in dem Abendgottesdienst um die Frage, wie angesichts einer prognostizierten Bevölkerung von zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 alle satt werden können. Für Musik sorgen Eva Bernert an der Violine und der Bezirkskantor Attila Kalmann am Piano. Im Anschluss an den Gottesdienst sind unter dem Stichwort „Mitbringen und teilen“ alle eingeladen, mitgebrachte Köstlichkeiten zu verzehren.




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