Leonberg: Zukunft der Musikvereine Stadtkapelle geht in die Fusionsgespräche

Beim Frühjahrskonzer der Stadtkapelle haben befreundete  Vereine mitgewirkt. Foto: privat
Beim Frühjahrskonzer der Stadtkapelle haben befreundete Vereine mitgewirkt. Foto: privat

Die Mitglieder geben dem Vorstand mehrheitlich das Mandat, mit der Lyra Eltingen überden Zusammenschluss zu einem neuen Musikverein zu verhandeln.

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Leonberg - Von den anwesenden 63 stimmberechtigten Mitgliedern des Vereins Stadtkapelle haben 38 für die Aufnahme von Fusionsgesprächen mit der Lyra Eltingen gestimmt. Die anderen 25 haben das auf der Mitgliederversammlung in der Steinturnhalle abgelehnt. Einige haben im Anschluss den Saal verlassen und angekündigt, aus dem Verein auszutreten.

Die angespannte, ungewohnte Stille vor Beginn der Versammlung in der Steinturnhalle, dem Stammsitz der Stadtkapelle, ließ erahnen, dass es dieses Mal keine Routine-Jahreshauptversammlung werden sollte. Zu der waren die insgesamt 131 stimmberechtigten Mitglieder der Stadtkapelle eingeladen, um die Weichen für die Zukunft des Vereins zu stellen.

Versammlung verläuft äußerst emotional

Dass es eine äußerst emotionale Mitgliederversammlung werden sollte, hatte sich bereits bei der Informationsveranstaltung am 19. Februar abgezeichnet. Auf der hatte der Vorstand der Stadtkapelle den Mitgliedern eröffnet, dass die Zukunft der Blasmusik in Leonberg in der Fusion der Stadtkapelle mit der Lyra Eltingen liegen könnte. Um das auszuloten haben sich die Vorstände der beiden Vereine in den vergangenen zwei Jahren öfters getroffen.

Im Raum steht die Zusammenführung auf einer partnerschaftlichen Basis, in der sich jeder Verein wiederfinden soll. Um das zu unterstreichen, müssten ein neuer Vereinsname, ein neues Wappen und eine neue Uniform gefunden werden. Aus steuerlichen Gründen soll der Verein, der keinen Grundbesitz hat, aufgelöst werden. Was in diesem Fall die Stadtkapelle wäre, weil der Lyra der Eltinger Hof gehört.

Die Situation in Leonberg sei durch die Struktur der Schulen, das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen, die vielfältigen Vereinsangebote sowie weitere interne und externe Einflüsse für beide Vereine schwierig. Eine positive Trendwende sei nicht erkennbar. „Diese veränderten Rahmenbedingungen zu ignorieren, stellt für uns keine Option dar, dadurch würde das Orchester ausaltern und immer mehr an Spielfähigkeit verlieren“, heißt es in der Einladung zur Hauptversammlung. Die Spielfähigkeit wäre künftig nur durch den Einsatz von bezahlten Aushilfsspielern sicher zu stellen, was aus finanzieller Sicht auf Dauer nicht gestemmt werden kann.

Viele Vereinsmitglieder hatten auf der Informationsveranstaltung im Februar mit Unmut über das Vorgehen des Vorstandes reagiert und ihm vorgeworfen, ohne Mandat auf die Auflösung des Vereins hingearbeitet zu haben. Besonders der Dirigent Erwin Gutmann sprach sich vehement gegen eine Fusion aus. Als musikalischer Leiter und Vereinsmitglied sehe er sich in der Verantwortung, für den Erhalt des Vereins zu kämpfen, argumentierte er.

Heftiger Schlagabtausch

Dieser Dissens hat nun in der Mitgliederversammlung, auf der natürlich auch die üblichen Vereinsformalien abgehandelt wurden, zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Gutmann und dem stellvertretenden Vorsitzenden Wolfram Kienle geführt. Beide bezichtigten sich gegenseitig eines vereinsschädigenden Verhaltens.

Gutmann formulierte einen „Misstrauensantrag“ mit dem Inhalt, Kienle aus dem Verein auszuschließen. „Nicht die Vereinsmitglieder, sondern der Vorstand entscheidet, ob jemand ausgeschlossen wird“, verwies der Vorsitzende Harald Zeeb auf geltende Richtlinien. Doch dazu, dass Kienle, der bekannt gab, als Musiker so lange zu pausieren, wie Gutmann das Orchester dirigiert, den Verein verlässt, wird es wohl nicht kommen. Nachdem die Vereinsmitglieder – Ehrenvorsitzender Kurt Franke hatte sie eindringlich dazu aufgerufen – für den Beginn der Fusionsverhandlungen gestimmt hatten, wurde Wolfram Kienle mit 36 zu 22 Stimmen in seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender wiedergewählt.




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