Leonberger „Elvis“ brilliert in großen Hallen Ekstase bis zum Umfallen

Dem King ganz nah: Nils Strassburg in Ekstase. Foto: Sören Wittmann, Rocking Lens

Die Franzosen feiern den Elvis-Interpreten Nils Strassburg frenetisch. Doch eine Tournee ist keine Vergnügungsreise. Einblicke in ein Künstlerleben.

In diesem Jahr wäre Elvis Presley 90 geworden. Um sein Idol zu feiern, ist der Leonberger Tribute-Künstler Nils Strassburg unlängst für eine 13-tägige Tournee nach Frankreich zurückgekehrt. Nach seinem Debüt im vergangenen Jahr in Paris spielte er jetzt in oft ausverkauften Hallen. Wir haben mit ihm über die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Publikum gesprochen, über pompöse Säle und eine kurzzeitige Ohnmacht.

 

„Das war schon ein krasses Level“, sagt er im Rückblick. „Ich habe mich das erste Mal bei einem Konzert selbst so in Ekstase gesungen, dass ich sogar auf der Bühne umgekippt bin. Das war nur kurz und in Bodennähe, deshalb ging es direkt weiter. Aber so was hatte ich bisher noch nicht erlebt!“

Die Fans zerlegen den Saal

Die Tour führte Nils Strassburg zusammen mit seiner Band unter dem Namen „The Musical Story of Elvis“ durch zehn französische Städte, darunter Straßburg, Lyon, Bordeaux, Paris und Annecy. Organisiert wurde sie als Antwort auf das erfolgreiche Konzert im vergangenen Jahr erneut von dem französischen Veranstalter Gerard Drouot Productions, der sonst Hochkaräter wie Carlos Santana und Bruce Springsteen im Repertoire hat.

„Lille ist für uns ein unvergessliches Highlight“, erinnert sich der Leonberger Elvis-Interpret an ein ganz besonderes Konzert. „Lille hat ein wunderschönes altes Theater. So ein bisschen wie das Wilhelma-Theater, nur viermal so groß. Und die Leute haben den Laden zerlegt! Die Security konnte nicht für meine Sicherheit garantieren, ich konnte danach keine Autogramme geben.“

Foto: Sören Wittmann, Rocking Lens

Trotz aller Begeisterung, eine Tournee ist Stress pur: das Reisen im Bus, Schlafmangel, die Umstellung des Körpers auf die tägliche Belastung. „Vor den letzten drei Shows war ich einmal im Zustand der totalen Erschöpfung. Ich dachte, ich kann nicht mehr, und dann sind die Leute so eskaliert! Da drückt man die letzte Restenergie aus dem Körper raus.“

Nils Strassburg hat große Erfahrungen als Künstler und als Veranstalter. Er war knapp drei Jahre Programmchef in der Leonberger Stadthalle und geistiger Vater des in der Corona-Zeit entstandenen Festivals Leonpalooza. Strassburg holte Superstars wie Bob Geldof oder Chris De Burg nach Leonberg. Dennoch trennten sich die Stadt und er vor zwei Jahren. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.

Er weiß, dass Musikbusiness ein Geschäft ist, auch und gerade eine Tournee. „Die Crew hatte auch ein straffes Programm. Die haben teilweise eine halbe Stunde auf den Equipment-Sachen geschlafen“, spricht er über die Belastungen der Musiker und der Helfer im Hintergrund. „Das ist so ein Kraftaufwand, deshalb muss so eine Tour Geld einbringen.“

Sexuelle Schwingung auf der Bühne

Obwohl es auch in Deutschland viele jüngere Elvis-Fans gibt, ist das Publikum eher in den Fünfzigern und älter. Und wenn Nils Strassburg genau wie Elvis seine Schals an das Publikum verteilt, reihen sich zumeist Frauen vor der Bühne auf. Auch hier zeigte sich bei den französischen Nachbarn teilweise ein anderes Bild: „Es waren viele junge Leute da. In Annecy waren 16-jährige Mädels, die konnten alle Lieder mitsingen“, berichtet Strassburg. „Ich habe noch nie so viele Schals an Männer verteilt. Einige haben auch gerufen ‚Je t’aime Nils‘, also nicht ‚Je t‘aime Elvis!‘ Das war stark.“

Dass es bei den Elvis-Shows nicht nur um die Musik geht, liegt auf der Hand. „Natürlich entsteht da auch eine sexuelle Schwingung, die entsteht per se auf einem Konzert“, sagt der Sänger. „Aber das muss ja nicht platt sein, das hat einfach was mit den Emotionen zu tun. Ich glaube, die Kraft einer Elvis-Show ist einmalig!“

Foto: Sören Wittmann, Rocking Lens

Ekstase, körperliche und mentale Anstrengung, Reisestrapazen: Gibt es während einer Tournee überhaupt Entspannung? „ Als Künstler hast du immer Angst und Selbstzweifel: ‚Kann ich das?‘ Das kann schon Panik auslösen. Ich habe mich mit Yoga und Atemübungen vorbereitet“, berichtet Strassburg. „Auf Tour habe ich die aber nie gemacht, weil ich es zum Glück nicht gebraucht habe.“

Wieder zurück im heimischen Leonberg gehen die Planungen für Nils Strassburg weiter: Schon im Mai geht es auf Deutschland-Tournee. Eine weitere Tour in Frankreich ist quasi gesichert, zudem laufen Verhandlungen für Shows in Belgien, Finnland, Norwegen und Schweden. Ein Konzert in Istanbul ist fest gebucht.

Die Veröffentlichung seines biografischen Buchs „Living Elvis – Ein Leben für den King“ ist in Arbeit. Außerdem gibt es ein Live-Album vom Auftritt in Paris 2024 sowie ein Album mit eigenen Songs: „Die haben natürlich auch alle Elvis-Touch. Die Ideen sind aber alle von mir.“ Doch so richtig wohl fühlt sich der „Leonberger Elvis“ nur in Konzertsälen. Und das in letzter Konsequenz: „Ich muss auf der Bühne sterben, das schulde ich meinem Publikum!“

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