Leonberger Football-Nationalspieler Milzriss nach üblem Handball-Foul, Not-OP: „Bin knapp am Tod vorbeigeschrammt“

, aktualisiert am 23.12.2025 - 13:00 Uhr
Konstantin Katz im Trikot von ELF-Champion Stuttgart Surge – der Leonberger spielt neben Football zum Ausgleich auch Handball beim SV Leonberg/Eltingen. Foto: IMAGO/Jan Huebner

Football-Nationalspieler Konstantin Katz wird im Handball-Trikot des SV Leonberg/Eltingen II bei einem brutalen Foul in Stuttgart die Milz zertrümmert – er überlebt nur knapp.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Konstantin Katz hat enorm viel Blut verloren. Insgesamt 1,5 Liter. „Ab 1,8 Litern haben die Ärzte gesagt, wäre es womöglich aus mit mir gewesen“, erzählt der 30-Jährige und atmet tief durch. „Ich bin knapp am Tod vorbeigeschrammt. Heute geht es mir den Umständen entsprechend wirklich sehr gut“, sagt der Leonberger.

 

Konstantin Katz ist zu Hause, kann sich bewegen als sei kaum was vorgefallen. Der Mann hatte nur Tage zuvor wahnsinniges Glück – oder vielleicht treffender ausgedrückt: Er hatte die lebensrettende Intuition, in einer massiven Notlage die einzig richtige Entscheidung zu treffen. „Ich war zu diesem Zeitpunkt körperlich topfit“, sagt er, „das war bestimmt auch ein Vorteil.“

Konstantin Katz wurde mit Stuttgart Surge ELF-Champion im Football

Aber beginnen wir am Anfang einer Geschichte, die als Tragödie hätte enden können – die aber mit einem Happy End ausgegangen ist. Am Nikolaustag spielt der SV Leonberg/Eltingen II in der Handball-Bezirksliga beim MTV Stuttgart II, und Konstantin Katz, der den Hallensport als Ergänzung zu seiner Hauptsportart Football (zuletzt beim ELF-Champion Stuttgart Surge) betreibt, hat den Ball 30 Sekunden vor Schluss in der Nähe der Mittellinie, als ein Gegenspieler auf ihn zustürmt. Katz wird hart gefoult, die Männer fallen zu Boden, wobei Katz der untere Part ist und wahrscheinlich noch auf den Ball stürzt. „Ganz genau kann ich das nicht sagen“, berichtet er.

Was der 30-Jährige aber sagen kann: „Die Aktion des MTV-Spielers, der zuvor schon mehrfach durch Ruppigkeit aufgefallen ist, war unnötig – wir haben mit vier Toren 30 Sekunden vor dem Ende geführt – da tut man sich im Handball nichts mehr.“ Diese eherne Fairness-Regel gilt offenbar nicht für alle. Das Resultat trifft den Leonberger knallhart, er geht noch duschen, kehrt zurück zur Freundin auf die Tribüne und klagt, dass „die Schmerzen im Bauch einfach nicht aufhören – egal, wie ich mich drehe oder wende“.

Konstantin Katz nach dem Sieg von Stuttgart Surge im ELF-Finale am 7. September nach dem Sieg über die Vienna Vikings Foto: IMAGO/Zoonar

Katz und seine Freundin suchen noch in der Sporthalle auf dem Handy nach Antworten, was ihm solche Schmerzen bereiten könnte, aber Dr. Google liefert keine Antworten, die die beiden irgendwie hätten beruhigen können. „Die Frage lautete“, erzählt Konstantin Katz, „fahren wir nach Hause, ich schlucke zwei Ibuprofen-Tabletten und gehe ins Bett – oder wir fahren in die Klinik.“ Die Entscheidung ist eine über Leben und Tod, wie sich erst später herausstellt, und das Paar ist der Meinung: Sicherheit geht vor, lass uns ins Krankenhaus fahren.

Nach der ersten Untersuchung im Klinikum Stuttgart erkennen die Mediziner sofort, dass höchste Eile geboten ist. Katz’ Milz ist gerissen, er verblutet innerlich – nur eine Not-OP kann sein Leben retten. „Das lief für mich ab wie im Film“, berichtet der Sportler – eine perplexe Situation, er ist Außenstehender und Hauptdarsteller zugleich. Nach der OP erfährt er, dass die Milz zerrissen war und sie entfernt wurde. Als Beleg verläuft eine unübersehbare Narbe vom Brustbein bis runter zum Bauch. „Ich hatte eine Woche so etwas wie einen Muskelkater im Bauch. Die Narbe schmerzt noch immer ein wenig“, sagt Katz, „aber das kann ich ertragen.“

Konstantin Katz in seinem Element: Der Safety reiß den Gegner mit Ball zu Boden. Foto: IMAGO/Eibner

Konstantin Katz kann Weihnachten feiern mit Freundin und Familie, die kleinen Einschränkungen aufgrund des Eingriffs sind minimal – und, was dem Sportenthusiasten auch wichtig ist: Er wird ohne Handicaps wieder Football und Handball spielen können. Die Milz reinigt das Blut und kontrolliert die Immunabwehr, ohne dieses Organ muss der Leonberger sensibel sein, wenn sich eine Erkältung (oder gar eine Grippe) ankündigt; die Gefahr einen Sepsis ist erhöht. „Ich muss eben aufpassen, aber das ist für mich überschaubar“, sagt er.

Konstantin Katz will wieder Football spielen – bei den Pforzheim Wilddogs

Konstantin Katz ist dankbar, dass er sein Leben wieder nach dem Muster fortsetzen kann, wie er es bis zum 6. Dezember geführt hat. Er wird bald seinem Job im Familienbetrieb (biologische Schädlingsbekämpfung) wieder nachgehen und er wird wieder Football und Handball spielen können. Nach der Insolvenz von ELF-Champion Stuttgart Surge hat der deutsche Nationalspieler bei den Pforzheim Wilddogs angeheuert, die in der German Football League antreten – Konstantin Katz hat fest vor, in der nächsten Saison auf seiner Position als Safety auf dem Feld zu agieren.

„Das ist der Plan“, betont der Mann, der mit 1,83 Metern 85 Kilogramm auf die Waage bringt, „ich werde es auf jeden Fall versuchen.“ Ein wenig Handball zum Ausgleich darf vielleicht auch sein. Konstantin Katz ist glücklich und dankbar, dass sein Leben weitergeht, als habe er nur einen kurzen Alptraum durchlebt. Aber eines kann der Leonberger noch immer nicht begreifen: „Der Gegenspieler hat sich nicht einmal bei mir gemeldet und entschuldigt.“

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