Leonberger Gedanken rund um Ostern Chaos im Engelbergtunnel: Was macht das mit uns?

Der Engpass im Engelbergtunnel führt zu Behinderungen im ganzen Raum Leonberg. Foto: Simon Granville

Stress und Einflüsse von außen lassen kaum Raum zur inneren Einkehr. Der Ärger um den Stau am Engelberg ist nur ein Beispiel, meint derLeonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Wer in diesen Wochen rund um Leonberg mit dem Auto unterwegs sein muss, hat wohl nur einen Osterwunsch: Dass endlich das Stauchaos rund um den Engelbergtunnel aufhöre. Es ist mehr als vier Wochen her, dass ein Brand in der Röhre eine ganze Region buchstäblich aus dem Takt gebracht hat. 14 Tage ging so gut wie gar nichts. Danach, als das Nadelöhr zwischen Ost und West zwar eingeschränkt, aber doch wieder in beide Richtungen befahrbar war, sollte alles besser werden. Ein eher frommer Wunsch.

 

Zwar sind die Blechlawinen an hochbelasteten Stellen, vor allem in fast allen Stadtteilen von Leonberg und Ditzingen, weniger geworden. Doch die acht Kilometer Stau vor der östlichen Tunneleinfahrt gehören weiter zum Alltag. Zusehends genervte Pendler berichten von anderthalbstündigen Exkursionen, um 15 oder 20 Kilometer zurückzulegen. Die stille Hoffnung, in den Ferien würde es auf den Straßen etwas ruhiger, hat sich als unrealistisch herausgestellt.

Nein, an dieser Stelle soll keine Verkehrsanalyse betrieben werden. Auch ein Plädoyer für eine stärkere Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist nicht wirklich zielführend. Denn der läuft im Großraum Stuttgart ja ebenfalls alles andere als flüssig. Meldungen über Zugausfälle, marode Schienen oder S-Bahnstörungen sind kaum weniger zu vernehmen als die tägliche Stauauflistung.

Interessant aber ist die Betrachtung, was der tägliche Verkehrswahnsinn mit uns macht. Die mobile Gesellschaft war vor gar nicht so wenigen Jahren eine Art Zukunftsversprechen. Heute gerät das Bild des Menschen in Dauerbewegung fast zum Zerrbild. Fast alle sind in Hetze, Begriffe wie Terminmanagement und Zeitoptimierung gehören längst zum Alltag. Wer nicht ständig unter Strom steht, scheint fast schon suspekt.

Dabei sind es gar nicht immer Beruf oder Stau, die Stress bereiten. Nicht selten ist es eigenproduzierter Druck, der die Chance auf Zeitfenster der Ruhe und Besinnung zunichte macht. Das Motto „schneller, höher, weiter“ hat längst das Privatleben okkupiert. Raum für Impulse von außen bleibt da kaum.

Das hat oft unmittelbare Auswirkungen auf die eigene Weltanschauung. Immer mehr Menschen flüchten sich im Netz in jene Blasen, in denen ihr Empfinden und ihr Meinungsbild geteilt und virtuell beklatscht wird. Andere Einschätzung stören da nur.

Stressfaktor Stau in Ortschaften, hier in Ditzingen-Heimerdingen. Foto: Simon Granville

Wer sich darüber echauffiert, dass es „der Staat“ nicht hinbekommt, eine der meistfrequentierten Autobahntunnel Europas binnen zwei, drei Tagen wieder funktionsfähig zum machen, darf sich großer Zustimmung sicher sein. Dabei müsste jedem vernünftigen Menschen klar sein, dass das nicht geht. Doch empören kann man sich trotzdem.

Gott sei Dank – diese Formulierung nutzen nach wie vor erstaunlich viele – ist jetzt Ostern. Ferien, Freizeit, Urlaub. Und wieder Chaos auf den Autobahnen, in den Zügen oder auf den Flughäfen. Wie wäre es stattdessen mit einem Schritt in die Natur? Schon Goethe verlieh seinem Faust beim Osterspaziergang die Erkenntnis: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche...“. Doch noch nicht einmal darauf ist Verlass, werden jene denken, die diese Zeilen noch kennen; eben weil der Winter sich in diesem Frühjahr nicht so schwach erweist, wie einst bei Goethe.

Der Sinn von Feiertagen

Engelbergtunnel, Stau, Dauerstress, Internet, kollektive Empörung: Zugegeben, es sind viele Gedanken, die dem Autor dieser Betrachtung rund um Ostern in den Kopf kommen. Und ja: Ostern. Warum haben wir da eigentlich frei? Irgendwas mit Kreuz und Auferstehung? Oder war es doch die Krippe?

Vielleicht ist es eine Chance, dem Unbill des Alltags zu entfliehen, nähme man sich die Zeit, über den Sinn von Feiertagen zu reflektieren. Man käme womöglich auf Gedanken, die sehr entspannend sein können.

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