Leonberger Immobilienmesse Bei Immobilien geht es nicht nur ums Geschäft

Von Thomas K. Slotwinski 

Bei der von unserer Zeitung veranstalteten Fachmesse LIMMO zeigen Makler, Projektentwickler und Banken, welche wichtige gesellschaftliche Funktion der Wohnungsmarkt hat.

Die LIMMO  ist nicht  nur für Interessenten an einer Immobilien wichtig, sondern auch für Menschen, die ihr Eigentum verkaufen möchten. Foto: factum/Andreas Weise
Die LIMMO ist nicht nur für Interessenten an einer Immobilien wichtig, sondern auch für Menschen, die ihr Eigentum verkaufen möchten. Foto: factum/Andreas Weise

Leonberg - Plötzlich stehst du in der Badewanne. Du weißt, dass es eine Illusion ist, und trotzdem traust du dich nicht, den Fuß nach vorne zu setzen. Es könnte ja der Wannenrand im Weg sein. Also drehst du dich lieber um und suchst einen anderen Ausweg aus dieser Wanne.

Wer bei der Immobilienmesse LIMMO am Stand von iep den Mut hat, eine futuristische überdimensionale Brille aufzusetzen, der wird nicht nur mit dieser gewöhnungsbedürftigen Situation konfrontiert. Der virtuelle Rundgang durch eine Wohnung oder gar ein ganzes Haus hält etliche gefühlte Stolperfallen parat.

Alle Winkel der Traumwohnung

Zwar weiß der Besichtiger, der seine Traumwohnung dank moderner Technik mitten in der Stadthalle in buchstäblich allen Winkeln inspizieren kann, dass er nicht auf eine Badewanne oder die Wand des Schlafzimmers achten muss, weil sie eben virtuell sind. Aber die inneren Hemmungen bleiben. Und die Beobachter in der wirklichen Welt schmunzeln über die plötzlichen Verrenkungen des Testsehers.

„Für uns ist das eine optimale Gelegenheit, unseren Kunden die Wirklichkeit auf der Messe zu zeigen“, sagt Stefan Schwarz, der Geschäftsführer des Leonberger Projektentwicklers, der vor allem bezahlbares Familieneigentum realisiert.

Schon seit drei Jahren geplant

Doch auch ohne Hightech-Animation ist das Interesse an der Leonberger Immobilienmesse mit dem griffigen Kürzel LIMMO gewaltig. Rund 30 Aussteller sind am Wochenende der Einladung unserer Zeitung und des Wochenblatts gefolgt, um sich über den Leonberger Immobilienmarkt zu informieren. Und zwar aus erster Hand, im unmittelbaren Kontakt.

„Den Plan für eine Immobilienmesse habe ich schon seit mehr als drei Jahren“, sagt Uwe Reichert. Mit Unterstützung der Stadt und großer Teilnahme der regionalen Makler, Baugesellschaften und Banken konnte der Geschäftsführer des Zeitungsverlags Leonberg seine Vision jetzt endlich verwirklichen.

Offene Türen beim OB

Ein Anliegen, das beim Oberbürgermeister offene Türen einrennt. „Nicht zuletzt durch die Attraktivität unserer Stadt in der pulsierenden Großregion ist der Wohnungsmarkt angespannt“, sagt Martin Georg Cohn, der die Schirmherrschaft für die LIMMO übernommen hat. Umso bedeutungsvoller sei die Initiative der heimischen Tageszeitung, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen und darüber hinaus viele Informationen zu geben.

Denn neben den Ständen der Unternehmen gibt es ein umfangreiches Vortragsprogramm rund um das Thema Immobilie, das von den Tipps für einen erfolgreichen Verkauf bis hin zu rechtlichen Aspekten, etwa im Erbfall, reicht.

Alte Menschen suchen kleine Wohnungen

Und trotz des für eine Messe eigentlich zu guten spätsommerlichen Wetters ist der Andrang groß. Der Immobilienmakler Bernd Bannasch kümmert sich besonders um ältere Menschen auf ihrer Suche nach kleineren Wohnungen. Die sind aber oft ähnlich teuer, wie ihr gesamtes Haus, in dem bis vor Kurzem noch die Kinder gewohnt haben. Gerade hier, so sagt der Fachmann, haben Makler eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe.

Auch Ulrik Neumann, Chef der Leonberger Dependance von Von-Poll-Immobilien, sieht in der Funktion von Maklern weit mehr als das klassische Verkaufsgeschäft.

Auf die Risiken machen etwa die Maklerin Grit Schiemenz und der Leiter des Immobilienvertriebs der Kreissparkasse, Uwe Nageler, aufmerksam. Gerade beim Erwerb gebrauchter Immobilien würde so mancher nicht die oft damit verbundenen hohen Sanierungskosten einkalkulieren. „Wer ein gekauftes Objekt renoviert, aber noch in der alten Wohnung lebt, hat mehrfache Kosten, weil Miete, Rate und Sanierungskosten gleichzeitig fällig werden“, warnt das KSK-Vorstandsmitglied Michael Fritz. „Da kann es bisweilen eng werden.“

Klasse statt Masse

Die individuelle Beratung und das Vertrauensverhältnis sind entsprechend ein zentrales Thema der LIMMO. Die Leonberger Maklerin Susan Gschwender setzt daher auf Klasse statt Masse und hat einige wenige, dafür aber sehr bemerkenswerte Objekte im Angebot. Und die Besucher sind so interessiert, dass sie am Sonntagnachmittag zusätzliche Kontaktbögen kopieren muss.

Der direkte Kundenkontakt steht auch bei den anderen regionalen Anbietern im Mittelpunkt, sei es Alpha, Bahr, Haußer, iw-Plan, Mörk, Project homes, Rohrbach, Schweizer, oder Wüstenrot.

Interessenvertretung für Eigentümer

Der Kölner Projektentwickler Pandion startet auf der LIMMO mit dem Verkauf für 140 Wohnungen auf dem TSG-Gelände, von dem ein Viertel sozial gefördert werden. Die Volksbank macht einen optischen Ausflug in die Vergangenheit und zeigt Immobiliengeschichten aus 30 Jahren.

Dass auch Eigentümer eine starke Interessenvertretung brauchen, darauf wiesen Heidi Brümmer und Hannelore Heugle vom Verein „Haus & Grund“ hin. Und dass Umzugskartons teilweise wie kleine Schränke aussehen, ist am roten Möbelwagen von Caroline Wermuth zu sehen. Zufrieden sind am Ende alle.