Leonberger Initiativen Beistand und Hilfe nach der Diagnose

Von Doris Alice Caumanns 

Seit 40 Jahren gibt es die Frauenselbsthilfe nach Krebs. Deren Arbeit hat sich stark verändert.

Gruppenleiterin Anke Nebenführ Foto: factum/Bach
Gruppenleiterin Anke Nebenführ Foto: factum/Bach

Leonberg - K

aum eine Diagnose wirkt auf Frauen so verstörend wie: „Sie haben Krebs.“ Ungewissheit und Sorge beherrschen dann den Alltag: Wie soll es weitergehen, was kommt auf mich und meine Familie zu?

Wenn das gewohnte Leben aus der Bahn gerät, ist es gut, wenn es Menschen gibt, die einfach da sind und die betroffenen Frauen auffangen, informieren und begleiten. Diese wichtige Aufgabe übernimmt nun schon seit 40 Jahren die „Frauenselbsthilfe nach Krebs Leonberg“, die von Anke Nebenführ und Karin Rathfelder geleitet wird.

Völlig neues Terrain

Angefangen hat alles mit sieben Frauen, die am 12. März 1979 die Gruppe gegründet haben.Damals war die Krankheit noch ein absolutes Tabuthema, über das nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werden konnte. So etwas wie Nachsorge war in der Medizin noch völlig unbekannt.

Erst mit dem Engagement von Mildred Scheel, der Gattin des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel, und ihrer Gründung der Deutschen Krebshilfe, hat sich das geändert. Damals bildeten sich Selbsthilfegruppen auf regionaler und lokaler Ebene, auch in Leonberg. Seither bietet die „Frauenselbsthilfe nach Krebs “ regelmäßige Treffen, Einzelgespräche, eine Sportgruppe, Vorträge und Informationen, sowie Ausflüge und Wanderungen an. Die psycho-soziale Unterstützung steht dabei im Vordergrund, denn nicht jede Familie kann den Frauen den nötigen Rückhalt bieten – Partnerschafts- und Eheprobleme sind nicht selten eine Folge der Krankheit.

Rose Fritsche, die selbst zehn Jahre die Gruppe geleitet hat, erzählt, dass manche Frau ihren veränderten Körper nicht mehr zeigen will. Inzwischen hat sich die Gesellschaft für das Thema geöffnet: Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, und auch „Dr. Google“ ist für junge Frauen oft die erste Anlaufstelle, berichtet Anke Nebenführ.

Persönlicher Kontakt wichtig

Ob die Gruppe das Leben der Betroffenen verlängert hat, können die Leiterinnen nicht beurteilen – aber die Lebensqualität sei auf jeden Fall verbessert worden.

Und was wünscht sich die Gruppe zu ihrem Jubiläum? „Mehr Referenten, die keine hohen Honorare erwarten“, erklärt Anke Nebenführ – und mehr Nachwuchs für die Leitungsfunktionen, sonst drohe der Gruppe eine Rückstufung auf einen „Gesprächskreis“.

Wie wichtig der persönliche Kontakt ist, weiß Rose Fritsche aus eigener Erfahrung, denn wenn die Familie über den ganzen Globus verstreut ist, gibt es niemanden, der mal eben einen Besuch machen kann. Und sie resümiert: „Ins Krankenhaus oder ins Hospiz gehen, einfach die Hand halten, das kann das Internet nicht!“