Kira Weis lag erschöpft im belgischen Matsch. 5000 Meter hatte sie bei der Cross-EM vor den Toren Brüssels gekämpft, noch weit in der Schlussrunde des U-20-Rennens hatte die Läuferin der KSG Gerlingen die Chance auf eine Medaille. Kira Weis steckte aber in der ersten Kurve im Pulk fest und musste diesen Rückstand erst aufholen, dann kämpfte sie hinter der britischen Siegerin Innes Fitzgerald mit der Dänin Sofia Thogersen und der Französin Jade Le Corre um Silber und Bronze – ihre Gegnerinnen hatten die besseren Beine.
Die Leonbergerin rannte nach 18:54 Minuten in schwerem Geläuf ins Ziel, fünf Sekunden fehlten auf Bronze. „Am Ende war der Akku leer, da konnte ich nicht mehr mitgehen“, erzählte die 19-Jährige. Kira Weis hatte Ende November noch mit einer Erkältung gekämpft und deshalb die deutschen Cross-Meisterschaften in Perl verpasst. „Schwer zu sagen, ob es zu Bronze gereicht hätte, wenn ich besser durch die erste Kurve gekommen wäre“, sagte sie.
Die Enttäuschung über die knapp verpasste Medaille währte keine Ewigkeit und war recht schnell verfolgen. Im gedanklichen Sog der U-20-Vizeeuropameisterin über 5000 Meter lieferten ihre Teamkolleginnen ebenfalls starke Leistungen ab. Franziska Drexler von der LG Telis Finanz Regensburg belegte Platz neun (19:34), Emily Junginger vom VfL Sindelfingen (19:58) kam als 21. ins Ziel – das bedeutete in der Endabrechnung Platz zwei für die U-20-Läuferinnen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hinter Großbritannien und vor Schweden.
Mehr Freud als Leid
„Ich freue mich mehr über Team-Silber, als dass ich mich darüber ärgere, dass ich Einzel-Bronze knapp verpasst habe“, sagte sie, schließlich sei Platz vier in einem europäischen Wettbewerb doch auch ein starkes Ergebnis. „Ich finde, Cross ist eine krassere Challenge als Laufen auf der Bahn“, meinte die U-20-Athletin, „es kann so viel Überraschendes passieren.“ Mit zwei internationalen Silbermedaillen im Jahr 2023 kann die Leonbergerin beseelt Weihnachten feiern.