Leonberger OB verabschiedet sich Standing Ovations für Cohn zum Abschied
Nach acht turbulenten Jahren gibt der Oberbürgermeister dem Publikum in der Stadthalle versöhnliche Worte mit auf den Weg: „Wir sollten alle aufeinander achten“.
Nach acht turbulenten Jahren gibt der Oberbürgermeister dem Publikum in der Stadthalle versöhnliche Worte mit auf den Weg: „Wir sollten alle aufeinander achten“.
Am Ende stehen sie alle applaudierend in der Stadthalle, um den scheidenden Oberbürgermeister zu verabschieden. Mit einer persönlichen Rede hat Martin Georg Cohn Ade gesagt. Nacht acht Jahren hört der Leonberger Rathauschef zum Ende des Monats auf. Da sein Nachfolger am kommenden Freitag vereidigt wird, steht die Verabschiedung des alten OB schon eine Woche vor dem offiziellen Dienstende an.
Die Stadthalle ist gut gefüllt. Da sind einerseits die offiziellen Gäste, etwa die Bürgermeister aus den Nachbarstädten. Aus Ditzingen ist der OB Michael Mackurath gekommen, aus Gerlingen Dirk Oestringer. Für Rutesheim ist Susanne Widmaier präsent, die im kommenden Jahr selbst aufhört. Aus Weil der Stadt hat Christian Walter den Weg nach Leonberg angetreten. Und natürlich ist der Landrat Roland Bernhard da, nicht immer ein Freund des scheidenden OB. Aber dazu später.
Interessant ist für viele, wie die örtliche Politprominenz vertreten ist. Der Leonberger CDU-Chef Oliver Zander ist an diesem Abend bei der Premiere im Stuttgarter Friedrichsbau und lässt sich durch den Kreisrat Gerhard Schwarz und die Stadträtin Miriam Schneider vertreten. Für die Freien Wähler sind der Stadtverbandsvorsitzende Stephan Schwarz und der Stadtrat Joachim Bürklen präsent. Ottmar Pfitzenmaier, der Fraktionschef von Cohns Partei, der SPD, feiert am Freitagabend im Familienkreis seinen 69. Geburtstag, lässt sich aber durch seine Fraktionskollegen und den Alt-Stadtrat Jürgen Stolle prominent vertreten. Die Stadträte von der SALZ-Fraktion und der AfD sind komplett präsent, die FDP fast vollzählig.
Den Grünen-Stadträtinnen Gudrun Sach und Birgit Widmaier wiederum fällt die Rolle zu, für den kompletten Gemeinderat zu sprechen. Die beiden würdigen Cohns „umsichtige Führung durch die Corona-Jahre“, in denen besonders Handel, Gewerbe und Gastronomie von der Stadt stark unterstützt wurden. Mit Blick auf die Seilbahn-Pläne und andere außergewöhnliche Ideen des damals noch neuen Oberbürgermeisters. merken die beiden Grünen-Frauen an, dass der OB den Gemeinderat „nicht von Anfang an mitgenommen“ habe.“
Gleichwohl seien alle Aufgaben herausfordernd gewesen. „Deshalb brauchen Sie jetzt Erholung“, meint Gudrun Sach augenzwinkernd und überreicht dem dem scheidenden OB eine Hängematte.
Augenzwinkernd auch die Ausführungen des Landrats. Zwischen ihm und dem Leonberger OB habe es „so manchen Prankenschlag“ gegeben habe. Roland Bernhard nennt den Streit um die Kreisumlage an („das hat Tradition“), verweist aber auch auf viele gemeinsame Ziele: „Da waren wir wie zwei Schmusekatzen“. Zum Beispiel beim Kampf um den Verbleib des Rettungshubschraubers am Leonberger Krankenhaus: „Da passt kein Rotorblatt zwischen uns.“
Viel Lokalkolorit hat der Beitrag des Esslinger Oberbürgermeisters zu bieten: Matthias Klopfer weiß genau, was in Leonberg los ist, liest er doch jeden Tag unsere Zeitung. Das kommt nicht von ungefähr: Klopfer ist während seiner Kindheit in Eltingen und im Ramtel aufgewachsen und hat auch im Renningen gelebt. Das Geschenk des Kollegen ist durchaus hintersinnig: Klopfer schenkt Cohn mit Blick auf dessen kurzzeitigen Kauf eines Aston Martin ein Spielzeugmodell des britischen Luxusautos.
Aufmerksamer Zeitungsleser ist auch Hannes Burgdorf. Und dort hat der Leonberger Unternehmer „bösartige Kommentierungen und Anfeindungen“ gegen seinen engen Freund Cohn herausgelesen. Auch der Gemeinderat habe es dem OB nicht leicht gemacht, „Du Dir aber auch nicht“. So habe Cohn ins seinem umstrittenen Buch „Vetternwirtschaft“, in dem der OB nicht nur Mitglieder des eigenen Gemeinderats der selbigen bezichtigt, „richtige Begebenheiten“ geschildert, „aber zum falschen Zeitpunkt“. Was der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, erwähnt der Laudator nicht.
Und damit kommt der Hauptredner des Abends ins Spiel: Kein Minister, kein Stuttgarter Oberbürgermeister – obwohl Frank Nopper anwesend ist – sondern Christoph Sonntag. Für den Kabarettisten, der einen Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau einschließlich gerichtlicher Auseinandersetzung hinter sich hat, sind die Vorwürfe, die verschiedene Ex-Partnerinnen Cohns gegen ihn erhoben hatten, ein passendes Thema, um das „Denunziantentum“ aufs Korn zu nehmen.
Unberechtigte Vorwürfe könnten sogar den Papst treffen, meint Sonntag, um daraus die ironische Ableitung zu machen, dass er, Sonntag, und der Leonberger OB irgendwie mit dem Papst in einem Atemzug genannt werden könnten. Diese Art von Humor kommt nicht bei allen Frauen im Publikum an. Was nicht Sonntags kabarettistische Qualitäten schmälert.
Martin Georg Cohn selbst ist erkennbar daran gelegen, keine Schuldzuweisungen zu verteilen. Im Gegenteil: „Für mich stehen die Verbundenheit und das Miteinander im Mittelpunkt“, sagt der OB zum Abschied und bedankt sich nicht nur bei seiner Familie, sondern auch bei allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung – von den Leuten im Klärwerk bis zu jenen in den Büros. Bei den politischen Diskussionen sei der „Umgangston nicht immer fair und manchmal unter der Gürtellinie“ gewesen. Deshalb „sollten wir alle auf einander achten“.
Cohn will in Leonberg bleiben: „Ich freue mich darauf, die Stadt nun ohne Termindruck zu erleben, im Gespräch ohne Uhr, im Alltag ohne Agenda.“Und an seinen Nachfolger Tobias Degode gerichtet: „Ich konnte nicht alle schwierige Aufgaben zu Ende bringen. Aber Du hast die Fähigkeit, die Ruhe und das Herz, diesen Weg weiterzugehen.“
Zum harmonischen Charakter des Abends passen die hervorragenden Musikstücke von Harry Wang am Piano und Nils Schuhmacher an der Klarinette, die der Begabtenklasse der Musikschule angehören. Erfrischend sind die Tänze der Mädchen von den Siesta Dancers. Die beiden Musiker und die Tänzerinnen zeigen, wie viel Kraft und Können in der Jugend vorhanden ist.