Gut 15 Jahre nach seinem Debüt als Unparteiischer hat Lars Erbst in der Schiedsrichtergruppe Leonberg wahrlich Historisches vollbracht: Als Erster aus diesem Kreis wurde er vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach einer erneut starken Saison in der dritten Liga für die kommende Saison als Schiedsrichter für die Zweite Bundesliga nominiert.
Aus der Region war das bisher nur Pascal Müller (FV Löchgau) gelungen, der von 2018 bis 2023 in der zweiten Liga pfiff, mittlerweile aber als Video-Schiedsrichter tätig ist. „In der Bundesliga zu pfeifen ist natürlich schon ein Ziel, auf das man hinarbeitet. Aber ein klein wenig stolz bin ich natürlich auch“, sagt Lars Erbst zu seinem Aufstieg nach vier Jahren als Schiedsrichter in Liga drei.
Der Unparteiische, der für den FC Gerlingen pfeift und jüngst auch das Testspiel des VfB Stuttgart gegen Fortuna Sittard im Heilbronner Frankenstadion leiten durfte, freut sich auf eine aufregende Saison. „Es ist natürlich etwas Besonderes, jetzt auch in den großen Stadien in Schalke, Hamburg, Berlin und Düsseldorf zu pfeifen, in denen ich bislang nur als Assistent an der Linie im Einsatz war. Ich freue mich auf jedes Spiel, auch in Elversberg“, stellt er klar. Ein angenehmer Nebeneffekt: Als Zweitliga-Schiedsrichter kann Lars Erbst auch als Vierter Offizieller in der Bundesliga eingesetzt werden. „Das werden weitere Highlights“, freut er sich.
Stressmanagement im Hotel
Dass es für den Gerlinger so weit nach oben ging, hat vor allem mit einer besonderen Form des Stressmanagements zu tun, das den Unparteiischen auch ruhig bleiben lässt, wenn ihn 30 000 wütende Zuschauer in Dresden auspfeifen. „Ich mache Meditation und Yoga, auch am Spieltag selbst im Hotel“, verrät er. Das helfe ihm, ganz bei sich zu bleiben und die Atmosphäre im Stadion ein Stück weit auszublenden. „Die Anspannung ist aber ohnehin nur bis zum Anpfiff da, danach setzen die eingeübten Abläufe ein“, ergänzt Lars Erbst.
Auf ein sehr gelungenes Jahr blickt auch Roman Reck (TSV Höfingen) zurück, der in der abgelaufenen Oberligasaison der Fünfbeste unter 23 Unparteiischen war. „Mit 34 Jahren hat er es schwerer als jüngere Schiedsrichter, die noch in höhere Ligen gebracht werden sollen“, sagt David Modro, der Obmann der Schiedsrichtergruppe Leonberg. Roman Reck, der wegen einer Pause zwischenzeitlich in der siebtklassigen Landesliga neu starten musste, hat nunmehr wieder seine dritte Oberligasaison in Folge erfolgreich absolviert.
Tobias Rollnik in der Junioren-Bundesliga
Mit gesundheitlichen Problemen hatte Verbandsliga-Schiedsrichter Tobias Eisele (TSV Münchingen) zu kämpfen, der in der abgelaufenen Saison freigestellt war. Da er jedoch seit mehr als zehn Jahren als Referee aktiv war, wird er vom württembergischen Verband nunmehr in den so genannten Erfahrungskader eingestuft, in denen er drei Jahre lang ohne Beobachtung Spiele leiten darf. „Wir hoffen, dass er bald wieder unsere Gruppe vertreten kann“, sagt David Modro.
Der Obmann selbst war in der abgelaufenen Saison in der Landesliga im Einsatz und belegte mit Rang 18 unter 96 Unparteiischen ebenso einen Platz in der oberen Hälfte wie der junge Tobias Rollnik (Platz 35). Der 22-Jährige wird zudem als Linienrichter in den Nachwuchsligen des DFB eingesetzt und ist unter anderem in der Junioren-Bundesliga im Einsatz. Wieder verabschieden muss die Schiedsrichtergruppe Leonberg ihren dritten Landesliga-Vertreter Matthias Brudek, der zwei Jahre lang für diese tätig war, nunmehr aber aus privaten Gründen wieder nach Südbaden zurückkehrt.
Zwei Schiris steigen in Landesliga auf
Auf große Erfolge können auch die bisherigen Bezirksliga-Unparteiischen der Schiedsrichter-Gruppe Leonberg blicken: Aus dem 49-köpfigen A-Kader schafften 14 den Sprung auf die Verbandsebene, darunter in Hannes Richter (SV Leonberg/Eltingen) und Christian Krapf (Enosis Leonberg) gleich zwei aus dem Leonberger Gebiet. Hannes Richter belegte den hervorragenden zweiten Platz, der erst 17-jährige Christian Krapf den starken Rang fünf. „Trotz seines jungen Alters ist er schon sehr gereift, wir trauen ihm die Landesliga absolut zu. Zudem wird er als Assistent in den DFB-Nachwuchsligen eingesetzt“, sagt Modro, der sich darüber freut, dass mit Rollnik, Krapf und Erbst gleich drei Leonberger Unparteiische auf DFB-Ebene tätig sind.
Weiter in der Bezirksliga pfeifen wird Hannah Rapp (TSV Heimerdingen), die Platz 20 im A-Kader belegte. Sie wurde vom Württembergischen Fußball-Verband für den einzigen Platz im sogenannten Frauen-Regionalliga-Perspektivkader nominiert und kann sich aus diesem für die Zweite Frauen-Bundesliga qualifizieren. Assistentin wird sie dort schon in der kommenden Saison sein. „Es ist ein schöner Vertrauensvorschuss, dass Hannah Rapp diesen einzigen Platz bekommen hat“, freut sich David Modro.