Der Handel mit Tieren ist nach wie vor ein fester Bestandteil des Pferdemarkts. Foto: Simon Granville
Wenn Leonberg den Pferdemarkt feiert, steht der Pferdehandel nicht mehr allein im Mittelpunkt. Wie zeitgemäß diese Tradition ist – und was der Trend zum Onlinehandel verändert.
Nur noch wenige Wochen, dann feiert Leonberg wieder beim Pferdemarkt. Traditionell stehen Partys, Pferdeschauen und Gespannwettbewerbe sowie der große Umzug auf dem Programm. Obwohl sich der Pferdemarkt über die Jahrhunderte zunehmend zu einer Festveranstaltung entwickelt hat, ist sein ursprünglicher Kern erhalten geblieben: Der Pferdehandel, der seit dem Jahr 1871 jeweils am zweiten Dienstag im Februar auf dem Marktplatz stattfindet.
Doch wie steht es Mitte der 2020er-Jahre um den klassischen Pferdehandel? Gerhard Ziegler, der Mitorganisator des Pferdemarkts und ehemaliger Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins, sagt: „Der Pferdehandel hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt.“
Vor allem seit der Coronapandemie sei das Interesse am Pferdesport generell etwas zurückgegangen und befinde sich immer noch nicht auf dem früheren Niveau. Zudem beobachte er, dass die Anzahl an Händlern beim Pferdemarkt rückläufig sei.
„Da kaufen manche ein Pferd, ohne es überhaupt in natura gesehen zu haben.“
Gerhard Ziegler, Mitorganisator des Pferdemarkts
Für Gerhard Ziegler ist der Handel beim Pferdemarkt eine wichtige Tradition. (Archivbild) Foto: Andreas Gorr
Der langjährige Mitorganisator betont jedoch: Das Geschäft mit den Tieren auf dem Pferdemarkt lohne sich. So habe er im vergangenen Jahr mit einem Händler gesprochen, der zehn von zwölf angebotenen Pferden verkauft habe. Einige Händler kämen deshalb mit bis zu 20 Pferden nach Leonberg.
Generationswechsel bei den Pferdehändlern
Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die Vorbereitung auf Geschäfte, die Marktanbahnung. Denn die Händler kämen mit potenziellen Kunden direkt ins Gespräch. „Dann sagen sie zum Beispiel: ‚Zu Hause habe ich noch ein tolles Turnierpferd, das für Sie passen könnte‘“, erklärt Ziegler. Langfristige Kontakte zu knüpfen, das klappe persönlich vor Ort gut.
Allerdings stehe bei vielen Pferdehändlern derzeit ein Generationswechsel an. Die jüngeren Nachfolger legten ihren Schwerpunkt zunehmend auf den Internethandel. Für Ziegler ist das angesichts der ständig verfügbaren Kundschaft durchaus nachvollziehbar.
Die Gepflogenheiten mancher Kunden seien für ihn hingegen neu: „Da kaufen manche ein Pferd, ohne es überhaupt in natura gesehen zu haben“, sagt er. „Das hätte man früher nicht gemacht.“ Welche Auswirkungen die zunehmende Verlagerung ins Netz auf den Handel beim Leonberger Pferdemarkt haben wird, wagt Ziegler allerdings nicht zu prognostizieren.