Krankenhaus im Grünen: Oliver Zander (rechts) und Willi Wendel (Mitte) im Gespräch mit Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski Foto: Simon Granville
Die Christdemokraten Oliver Zander und Willi Wendel sprechen über die Lage im Krankenhaus und an der Stadtspitze. Im Interview sagen sie, was Leonberg ihrer Meinung nach jetzt braucht.
Allen Beteuerungen des Landrats und des Klinikverbundes zum Trotz: geht es um die Zukunft des Leonberger Krankenhauses, bleibt die CDU skeptisch. Im Sommergespräch mit unserer Zeitung mahnen der Fraktionsvorsitzende Oliver Zander und der Stadtrat Willi Wendel eine klare Perspektive für die Klinik und deren Beschäftigte an.
Herr Zander, Herr Wendel, der Landrat des Kreises Böblingen, Roland Bernhard, hat jüngst ein, wie er sagte, klares Bekenntnis zum KrankenhausLeonberg abgelegt – und damit eine Ihrer Forderungen erfüllt. Sind Sie jetzt zufrieden?
Zander: Nachdem monatelang völliges Schweigen geherrscht hatte, ist das grundsätzlich erst einmal zu begrüßen. Doch es bleiben weiterhin viele Fragen offen. Die entscheidende ist: Wie geht es weiter? Das treibt auch das Personal um.
Eine Antwort wurde dieser Tage gegeben: Die vakante Chefarztstelle in der Inneren Klinik wird wiederbesetzt. Mit Dr. Wolfgang Heinz kommt sogar ein alter Bekannter, der schon einmal in Leonberg war.
Wendel: Diese Personalie sagt nichts darüber aus, wie es in der Inneren Klinik wirklich weitergeht. Die unter undurchsichtigen Umständen gegangene Chefärztin Barbara John hatte hohe Standards gesetzt und bei den Patienten viel Vertrauen.
Der Klinikverbund sagt, dass das künftige medizinische Profil des Krankenhauses von den Leistungszuweisungen des Sozialministeriums im Zuge der bundesweiten Krankenhausreform abhängig ist.
Zander: Deshalb erwarten wir, dass auf der Grundlage des vom Kreistag beschlossenen Medizinkonzepts 2030 die Leistungsgruppen für das Krankenhaus Leonberg beim Sozialministerium beantragt und nach deren Zuteilung die notwendigen Sanierungsmaßnahmen, die wegen der Reformgesetzgebung aufgeschoben waren, umgesetzt werden. Zugesagt waren einmal 97 Millionen Euro. Wie wichtig eine wohnortnahe Versorgung ist, habe ich dieser Tage persönlich erleben müssen. Meine Frau hatte einen allergischen Schock, bei dem sie kaum atmen konnte. Da war ich froh, dass ich eine Klinik am Ort hatte. Nach Böblingen hätte ich es nicht mehr geschafft. In Leonberg wurde ihr gut geholfen.
Wendel: Zumal es eine Hilfeleistungsfrist von zwölf Minuten gibt. In dieser kurzen Zeit kann man den Weg in ein weit abgelegenes Krankenhaus gar nicht schaffen. Und unser nachtflugtauglicher Rettungshubschrauber darf nachts nicht fliegen.
Hangar für den Rettungshubschrauber Christoph 41 in Leonberg: Ermöglicht die künftige Landesregierung zuverlässig Flüge? Foto: DRF Luftrettung
Geht es nach den Plänen der Landesregierung, fliegt Christoph 41 bald überhaupt nicht mehr von Leonberg aus.
Zander: Wenn wir eine neue Landesregierung bekommen, können wir diesen Fall noch einmal ausrollen.
Eng im Zusammenhang mit der Zukunft des Krankenhauses steht ein Gesundheitscampus, der in direkter Nachbarschaft geplant ist oder besser gesagt war. Davon ist nichts mehr zu hören.
Zander: Ein Campus mit Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen und Praxen ist wichtig. Der jetzige Oberbürgermeister hat an diesen Plänen offensichtlich kein Interesse mehr. Unter einer neuen Führung im Rathaus werden die Gespräche sofort wieder aufgenommen.
Der OB hat kürzlich bei der Eröffnung des Wengerterfestes dem Landrat eine Art Protestbrief übergeben ...
Zander: ... den er schon vor Monaten versprochen hatte. Vor einem Wechsel an der Stadtspitze wird da nichts mehr passieren.
Wendel: Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob ein Campus für viele niedergelassene Ärzte so attraktiv ist. Die meisten haben doch ihre zentral in der Stadt gelegenen Praxen.
Es geht ja nicht nur um den Medizincampus, sondern auch um neue Wohngebiete und eine mögliche Aufwertung des Berufsschulzentrums.
Wendel: Dafür ist das Gelände in der Tat sehr attraktiv. Dort kann man viel gestalten.
Kritik gibt’s am Verkehrsversuch in Leonberg in der Eltinger Straße: Großem Aufsehen sei nichts gefolgt. Foto: Simon Granville
Wenn denn das Geld dafür vorhanden ist. Die Finanzlagen der Kommunen verschlechtern sich dramatisch. Leonberg ist da keine Ausnahme.
Zander: Genau deshalb wollten wir, dass die Fraktionen schon im Mai ihre Haushaltsanträge stellen, also sagen, wo sie investieren wollen. Dann hätten wir ausreichend Zeit gehabt, um zu diskutieren, wo die inhaltlichen Prioritäten liegen und was womöglich zurückgestellt werden muss. Die Kämmerei hätte dann in Ruhe im Sommer den Haushalt erstellen können. Aber Oberbürgermeister Cohn hat diese Vorgehensweise abgeblasen.
Ende November läuft die achtjährige Amtszeit des Oberbürgermeisters aus. Wie lautet Ihr Fazit?
Zander: Für die Stadt ist nichts Positives passiert. In Erinnerung bleibt eine teure Studie für die Seilbahn.
Na ja, er hat ja schon mehr Themen angestoßen ...
Wendel ... aber nichts zu Ende gebracht. Das beste Beispiel ist doch der sogenannte Verkehrsversuch. Da wurde unter großem Aufsehen die Eltinger Straße eine Zeit lang provisorisch verkleinert. Und danach hat wieder Ruhe geherrscht. Wir haben ja noch nicht einmal das passende Programm für unseren Rechner, der eigentlich den Verkehr flüssiger machen soll. Stattdessen leuchten mitten in der Nacht die Ampeln auf leeren Straßen. Beim Chaos im Bürgeramt hat Cohn auch vollmundige Versprechungen gemacht. Die Warteschlangen gibt es aber noch immer.
Waren Sie schon immer dieser Meinung?
Wendel: Wir haben lernen müssen, dass noch weniger laufen kann als das schon vorher der Fall war.
Zander: Ich war von Anfang an skeptisch. Leider hat sich diese Skepsis bestätigt: Wenn es unangenehm wird, zeigt er immer auf andere und übernimmt selbst keine Verantwortung. Das ist sehr unfair und demotivierend für die anderen Mitarbeiter im Rathaus. Die Agenda von Cohn heißt Cohn und nicht Leonberg.
Was sind die vordringlichsten Aufgaben einer neuen Führung?
Zander: Die Situation im Rathaus muss unbedingt konsolidiert werden. Ein motiviertes Personal ist das A und O. Zumal wir sehr viele unbesetzte Stellen haben. Wir brauchen einen Neustart. Deshalb haben wir 500 000 Euro für eine umfassende Organisationsanalyse beantragt.
Der Leonberger OB Martin Cohn und der Nachfolge-Kandidat Tobias Degode (links), den CDU und Freie Wähler unterstützen Foto: Simon Granville
Die CDU und die Freien Wähler unterstützen den Kandidaten Tobias Degode aus Düsseldorf. Ist er der Richtige, um diese komplexen Aufgaben zu lösen?
Zander: Er ist genau der Richtige. Er hat umfassende Verwaltungserfahrung und verantwortet einen großen Etat. Ich kenne ihn jetzt ein gutes halbes Jahr. Er ist authentisch und ehrlich und will hier etwas bewegen. Mit 38 Jahren ist er im richtigen Alter, um zwei Wahlperioden anzusteuern. So lange braucht es auch, um wirklich etwas zu ändern.
Ist er als Rheinländer in Schwaben gut aufgehoben?
Zander: Er hat klar erklärt, dass er nach Leonberg zieht. Sein Mann stammt aus Schwäbisch-Hall. Insofern ist eine familiäre Verwurzelung vorhanden.
Im Moment herrscht in der Leonberger Kommunalpolitik eine merkwürdige Stille.
Zander: Ich würde das die Ruhe vor dem positiven Sturm nennen. Ich habe Lust, endlich wieder etwas zu bewegen.
Wie stellen Sie sich im Falle eines Wahlsiegs Degodes dessen Zusammenarbeit mit Josefa von Hohenzollern vor? Sie wäre nach einer Rückkehr ins Rathaus dessen Stellvertreterin.
Zander: Man müsste dann den Ressortzuschnitt neu ordnen. Ich halte es für notwendig, dass Tobias Degode das Finanzdezernat übernimmt.
Wird nach dem langen Zwangsurlaub von Josefa von Hohenzollern wieder Ruhe im Rathaus einkehren?
Zander: Es ist richtig, dass sie lange nicht arbeiten durfte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie ganz am Anfang des Zwangsurlaubs eine Frist hat verstreichen lassen, in dem sie die damalige Entscheidung des Oberbürgermeisters im Eilverfahren hätte überprüfen lassen können.
Die Gesprächspartner
Oliver Zander Der 60-jährige Familienvater führt den Leonberger CDU-Stadtverband und die Fraktion im Gemeinderat. Innerhalb der Partei tritt er für die Belange des Mittelstandes ein und war auch lange Vizechef der bundesweiten CDU-Mittelstandsvereinigung. Zander engagiert sich sozial und ist einer der Gründungsväter des Mensa-Vereins Triangel. Hauptberuflich ist er Prokurist des Leonberger Wassertechnik-Unternehmens Permatrade, das mit dem Inklusionsverein Atrio kooperiert.
Willi Wendel Es ist schwer, Willi Wendel in Leonberg, speziell in Eltingen, nicht zu begegnen. Der 61-jährige Vater zweier Söhne hat eine bekannte Autowerkstatt mit Filiale in Rutesheim, ist Nebenerwerbs-Landwirt, hält Esel und ist in der Feuerwehr aktiv. Nicht zuletzt sitzt er für die CDU im Gemeinderat. Dort ist Wendel sozusagen die Stimme der verwurzelten Einwohner und setzt auf Pragmatismus statt auf Ideologie.