Leonberger Stadtentwicklung Miteinander reden statt zerreden

Tristesse am Bahnhof in Leonberg Foto: Jürgen Bach/ 

Auf dem Weg zu einer neuen Stadt führen kleine Schritte schneller zum Ziel.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht. So lautet einer der Werbesprüche, mit der die Betonindustrie schon vor der Jahrtausendwende versucht hat, ihr schlechtes Image loszuwerden. Ist man in der Leonberger Innenstadt unterwegs, drängt sich der Eindruck auf, dass die Planer von einst nichts Gutes aus dem Beton gemacht haben: Riesige Kreuzungen, graue Straßen, ein nicht eben anheimelndes Bahnhofsumfeld und eine Ansammlung von Häuserblocks direkt im Zentrum, die eher an Berlin-Marzahn erinnert als an eine moderne City.

 

Gewiss: Heute gelten andere Maßstäbe als in den Siebzigern. Vor 50 Jahren ging es darum, Fortschritt durch autogerechte Städte zu demonstrieren. Wolkenkratzerähnliche Häuser galten als chic; Wohnraum war zudem damals schon ein knappes Gut. In die Höhe zu bauen, dieses Erkenntnis gilt bis heute, spart immensen Platz.

Breite Straßen waren früher chic

Leonberg saß damals also im Zug der Zeit. Die Stadt, gerade ihres Status’ als Landkreismetropole beraubt, benötigte ein neues Image. Breite Straßen und futuristisch anmutende Wohnblocks kamen in der rasant wachsenden Stadt gerade recht: So sah seinerzeit die Stadt für morgen aus.

Ein halbes Jahrhundert später wird dieser Begriff gänzlich anders interpretiert. Jetzt geht es um Aufenthaltsqualität, um Freiräume und um Grün in der Stadt. Die Menschen, nicht die Autos, sollen Platz haben. Doch so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Die mittleren Städte im Stuttgarter Speckgürtel sind anders strukturiert als die Landeskapitale.

Einen Nahverkehr, der in kurzen Takten einen Großteil des Tages zur Verfügung steht, gibt es hier nicht. Je mehr die Kommunen jenseits der Zentren liegen, desto problematischer wird ein wirklich attraktiver Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Sehr viele Menschen setzen nach wie vor aufs Auto, auch weil sie es einfach müssen. So gesehen wird die Verkehrsfrage immer zu Diskussionen führen, zumal neben der Sachproblematik manche Beteiligte gerne auf ideologisch geprägte Argumente zurückgreifen.

Bei der Frage, wie die Stadt schöner werden kann, hilft das Gezerre um Straßen und Radwege ohnehin nur bedingt weiter. Hier geht es vielmehr um Bausünden vergangener Zeiten, die behoben werden müssen. Nun kann man nicht, wie im Falle Leonbergs, Hochhäuser, in denen hunderte von Menschen leben, einfach im Erdboden verschwinden lassen. Aber man kann an anderen Stellschrauben drehen.

Viele suchen das Haar in der Suppe

Ein attraktives Bahnhofsumfeld wäre ein entscheidender Schritt nach vorne. Dass endlich das Postareal, jenes Brachgelände zwischen Rathaus und Altstadt, entwickelt wird, wäre fast schon ein Quantensprung, der allerdings mehr als überfällig ist. Dass in diesem Bereich ein neuer Park, der Stadtgarten, in konkreter Planung ist und im nächsten Jahr umgesetzt wird , lässt hoffen.

Leonberg hat nach wie vor das Problem, dass in der politischen Diskussion Projekte sehr gerne zerredet werden, aber nicht miteinander geredet wird. Die Neigung, immer wieder ein Haar in der Suppe zu finden, ist im Gemeinderat bemerkenswert ausgeprägt.

Gleichzeitig wächst die Ungeduld der Menschen, und der Glaube, dass sich Dinge bewegen, nimmt ab. Dem kann durch konkretes Handeln am besten entgegengewirkt werden. Manchmal sind es schon die kleinen Dinge, die Verbesserungen bringen. Bei einem Stadtrundgang mit dem Baubürgermeister hatte unlängst ein Teilnehmer vorgeschlagen, auf dem Bürgerplatz vor der Stadthalle ein Boulebahn einzurichten. Das wäre doch mal ein konkretes Vorhaben!

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