Leonhardsviertel in Stuttgart Nach den Protesten ist die Altstadt so sauber wie nie zuvor

So sauber ist die Weberstraße nun. Foto:  

Noch nie, sagt Barchef Jörg Kappler, sei die Altstadt so sauber gewesen wie jetzt. Auf die Berichte unserer Zeitung über den Dreck im Viertel hat die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) reagiert. Wie geht es nun weiter?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die gepflasterten Gassen des Leonhardsviertels glichen einer wilden Mülldeponie. Unfassbar dreckig sei es im historischen Quartier, klagten Anwohner und Wirte. Die Stadt lasse die Altstadt verkommen, so lautete ihr Vorwurf. Wer auf der Weber- und Richtstraße unterwegs war, dachte, die Müllabfuhr streike. Mit Fotos dokumentierten Bar- und Bordellbetreiber gemeinsam die unhaltbaren Zustände. Über unsere Zeitung schlugen sie Alarm, darüber hinaus schrieb der frühere OB-Kandidat John Heer wütende Briefe ins Rathaus.

 

„Die Berichterstattung war ein voller Erfolg“

Und jetzt ist passiert, was Jörg Kappler, der die Bar Holzmaler führt, noch nie erlebt hat: Die Weberstraße, auf der sich einer der ältesten Gullys der Stadt mit der Aufschrift „1889“ befindet, ist so sauber wie wohl seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr. Als solle darauf ein Picknick stattfinden. „Die Berichterstattung war ein voller Erfolg“, lobt Kappler.

Die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) hatte zunächst auf Anfrage unserer Zeitung behauptet, die Anwohner der Weberstraße müssten die gesamte Straße selbst reinigen, weil es dort keinen Gehweg gebe. „Da sind einige Infos verrutscht“, erklärt Andrea Schlepper, AWS-Abteilungsleiterin Kommunikation, nun und entschuldigt sich dafür. Die AWS werde weiterhin die Fahrbahn der Weberstraße säubern. Anders verhalte es sich bei der Richtstraße. Aufgrund der geringen Breite seien die Anlieger nach der Straßenreinigungssatzung für die Reinigung der gesamten Straßenbreite selbst zuständig.

„Aus Kulanz und im Sinne eines konstruktiven Beitrags für eine lebenswerte Stadt“ habe die AWS als „einmalige Ausnahme“ den wilden Müll aus der Richtstraße entfernt. „Wir haben sozusagen den Resetknopf gedrückt, damit die Anliegerinnen und Anlieger ihrer Verpflichtung nun regelmäßig nachkommen können“, betont Andrea Schlepper. Man werde die Situation weiter beobachten. Sauberkeit in der Stadt sei eine Gemeinschaftsausgabe, sagt sie. Werde ordnungswidrig Abfall abgelegt, fänden sich schnell Nachahmer. Auch könnten die Behälter zu den „merkwürdigen Scherzen“ einladen, alles umzukippen und auszuleeren.

Die Kehrmaschinen sollen öfter kommen

John Heer ist froh darüber, dass die AWS nun einen Fehler einräumt. Bisher habe man den Anwohnern erklärt, die lange Weberstraße müssten sie selber säubern. „Nun erwarten wir, dass die Kehrmaschinen regelmäßig kommen“, sagt er. Dies sei dringend nötig, da durch die Ansammlung von immer mehr Bars Glasscherben auf der Straße lägen, die eine Verletzungsgefahr darstellten. Bei ordnungswidrig abgelegtem Müll müsse das Amt für öffentliche Ordnung umgehend versuchen, den Verursacher zu ermitteln und diesen für die Säuberung zur Kasse zu bitten.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Leonhardsviertel Altstadt