Kassensturz in Leonberg Steht Leonpalooza vor dem Aus?
Viel zu wenig Publikum: Die Neuauflage von Leonpalooza ist von der Resonanz her ein Schlag ins Wasser. Gibt es noch eine Zukunft?
Viel zu wenig Publikum: Die Neuauflage von Leonpalooza ist von der Resonanz her ein Schlag ins Wasser. Gibt es noch eine Zukunft?
Was als Neustart gedacht war, endet mit einem klaren Schlussstrich: „Wir werden das Leonpalooza im nächsten Jahr auf gar keinen Fall noch einmal ausrichten“, sagt Lisa Bäuerle, die Geschäftsführerin von PM Event. Das Unternehmen aus Weissach hatte in diesem Jahr erstmals die Organisation des Leonberger Sommer-Festivals übernommen, doch wirtschaftlich sei das Projekt krachend gescheitert.
Dabei war die Idee durchaus vielversprechend. Nach einem Jahr Pause und dem Ausstieg der Stadt als Veranstalter – unter anderem wegen eines Defizits von über 250 000 Euro im Jahr 2023 – sollte diesmal alles anders werden. Der neue Standort im Stadtpark bot mehr Platz, das Festival wurde auf fünf Tage verkürzt und Künstler wie Gregor Meyle, Adel Tawil oder ClockClock sollten für ein breites Publikum sorgen. Doch der erhoffte Besucheransturm blieb aus.
Für die Veranstalter war vor allem der Blick über den Zaun frustrierend: Viele Menschen hörten die Konzerte kostenlos von außerhalb des abgesperrten Geländes. „Das Außenrum, also die Leute, die kein Ticket gekauft haben und mit Picknickdecke einfach zuhören – das war wirklich hart“, sagt Bäuerle. So richtig ausverkauft war nur eines der fünf Konzerte. Aus wirtschaftlicher Sicht war das gesamte Festival ein Fehlschlag. „Das Leonpalooza war eine wirtschaftliche Katastrophe, wir mussten einiges drauflegen.“
Neben fehlender Werbung, auch seitens einiger Künstler, könnte auch der Ticketpreis ein Grund für die verhaltene Nachfrage gewesen sein. Mit 45 Euro im Vorverkauf und 55 Euro an der Abendkasse lagen die Preise zwar unter dem Niveau vieler vergleichbarer Veranstaltungen, dennoch war das für manche offenbar zu viel. „Ich verstehe, dass das für eine Familie mit zwei Kindern viel Geld ist. Aber wenn man bedenkt, dass man für einen Künstler wie ClockClock sonst über 60 oder 90 Euro zahlt, war das eigentlich fair. Die Kosten außenrum sind einfach extrem hoch. Das sehen viele nicht.“
Bäuerle nennt ein Beispiel: „Wenn ein Künstler über 50 000 Euro kostet, dann muss man das auch erst einmal refinanzieren.“ Für sie habe es am Ende auch an Rückhalt aus der Bevölkerung gefehlt. „Wenn die Leute kein Geld für Konzerte haben oder bereit sind, das auszugeben, dann ist es auch schwierig, so etwas umzusetzen.“
Auch auf Facebook wurde nach dem Festival deutlich, wie gespalten das Feedback ausfällt. Ein User kritisierte das Line-up als „zu brav, zu langweilig, zu eintönig“. Radio-Pop spreche eben nicht alle an und habe wohl auch kaum für Getränkeumsatz gesorgt: „Beim Popkonzert wird vielleicht ein Aperol getrunken, aber sicher nicht acht Bier.“ Ein weiterer Kommentar wirft organisatorische Schwächen auf: „Ich habe von Besuchern gehört, dass es riesige Schlangen bei Essen und Getränken gab – obwohl es gar nicht voll war. Muss man sich dann noch wundern, warum zu wenig Umsatz gemacht wird?“
Ein anderer Nutzer schreibt: „Die Karten waren mir für die Spielzeit zu teuer. Wir haben das Konzert auf der Picknickdecke gehört und waren da nicht die Einzigen.“ Einige finden außerdem, der Bekanntheitsgrad der Künstler sei zu gering gewesen, um ein breites Publikum zu erreichen.
Und wie geht es nun weiter mit dem Leonpalooza? Auf Anfrage teilt die Stadt Leonberg mit: „Wie es mit dem Festival künftig weitergeht, ist derzeit offen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus und setzt einen gemeinsamen Austausch zwischen Stadt und Veranstalter voraus.“
Doch ein weiterer Einsatz von PM Event ist zumindets im nächsten Jahr ausgeschlossen. Lisa Bäuerle stellt klar, dass sich ihr Unternehmen aus dem Projekt vorerst zurückzieht. „Jetzt muss man mal abwarten, wie sich das entwickelt, auch mit dem neuen Bürgermeister.“
Für Bäuerle steht fest: Damit das Leonpalooza nicht endgültig Geschichte wird, muss in Zukunft anders agiert werden. Von Stadt und Publikum wünscht sie sich mehr Rückhalt. „Es wäre schön, wenn künftig auch andere Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten und wenn von der Bevölkerung mehr Verständnis für die Realität hinter den Kulissen käme.“