Lerche, Dreieck, Kaufhalle Orte, die es in Stuttgart eigentlich nicht mehr gibt

Die Lerche gibt es seit 2004 nicht mehr – aber wer sagt, dass man sich „an der Lerche“ nicht mehr treffen kann? Foto: Kraufmann

Wenn man sich immer noch „an der Lerche“ verabredet, obwohl es die seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gibt – ist das das Zeichen, dass man alt ist? Und sagt noch jemand Olgastift?

Freizeit und Unterhaltung: Theresa Schäfer (the)

Meist passiert es mir mit sehr alten Freunden. Mit Menschen, die ich seit meiner Schulzeit kenne. „Wo sollen wir uns treffen?“, fragen sie. „An der Lerche“, sage ich automatisch. Natürlich weiß meine Freundin genau, was gemeint ist, obwohl es das legendäre „Radio- und Photohaus“ seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gibt. Sie wird am Rotebühlplatz vor dem Lego-Laden stehen. Die Lerche war 1996 unser Treffpunkt – und wird es vermutlich 2036 immer noch sein.

 

Früher hat es mich genervt, wenn meine Eltern vom „Dreieck“ sprachen. Sie meinten damit eine Straßenbahnhaltestelle, die es längst nicht mehr gab: Das „Dreieck“ im Stuttgarter Westen, an der Kreuzung Silberburg- und Breitscheidstraße, wo heute die Kneipe Sutsche ist. Dort mussten sie aus dem 9er steigen, um ins FEG respektive Olgastift zu gehen. A propos Olgastift: Mit diesem Begriff outet man sich heute als unverbesserlicher Boomer oder noch Schlimmeres, die Schule nennt sich selbst längst viel hipper – und weniger Seniorenstift-mäßig – „Kost“, kurz für Königin-Olga-Stift.

Heute Sutsche – früher wurde der Straßenbahnhalt dort „Dreieck“ genannt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Uhr vor dem Wittwer war beliebter Treffpunkt in Stuttgart

Heute ertappe ich mich selbst dabei, dass ich für alle nach der Jahrtausendwende Geborenen in Rätseln spreche: Zum Beispiel, als ich meinen Kindern kürzlich vorschlug, wir könnten doch an der „Türlenstraße“ aussteigen – wie lange die Haltestelle schon „Stadtbibliothek“ heißt, will ich gar nicht so genau wissen. Zumindest bin ich nicht allein: Ein Kollege beharrt darauf, an der Haltestelle „Eckartshaldenweg“ in die Stadtbahn zu steigen und will vom (gar nicht mehr) so neuen Namen „Pragfriedhof“ nichts wissen. Es ist nicht arg lang her, da brauchte ich einen Collegeblock und lief gedankenversunken zum Marktplatz – um mich dann zu fragen, ob es ein Anzeichen von Frühdemenz ist, dass ich ernsthaft das Schreibwarengeschäft Haufler ansteuern wollte.

Als nächstes ist der Wittwer dran. Die Uhr, die früher direkt vor der Buchhandlung an den Platanen stand und in der Vor-Handy-Ära ähnlich wie die Lerche ein super Treffpunkt war, gibt es eh schon lange nicht mehr. Seit 2018 hat Wittwer außerdem einen unschönen Doppelnamen: Wittwer-Thalia klingt ein bisschen so, als habe die Lieblingskollegin geheiratet und ihrem eigenen Nachnamen noch den holprigen ihres Mannes angehängt.

Sportarena war Kaufhalle – und beides ist Geschichte

In zwei Jahren zieht der Büchertempel auch noch um – dahin, wo auf der oberen Königstraße jetzt noch das „Benko-Loch“ klafft. Hand hoch, denn wer jetzt weiß, dass da vor der Sportarena die Kaufhalle war, ist offiziell: alt.

Dieser Text erschien zum ersten Mal am 28.10.2025 und wurde am 13.3..2026 aktualisiert.

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