Lernbrücken in Göppingen Schüler beackern ihre Lernlücken

Im Schulamtsbezirk haben mehr als 1500 Schüler die „Lernbrücken“ genutzt, wie hier am Göppinger Freihof-Gymnasium. Foto: /Marc Dittrich

Der Fernunterricht während des Corona-Lockdowns hat manchen Schülern zu schaffen gemacht. 180 von 2800 Göppinger Gymnasiasten haben in den Ferien beim Projekt „Lernbrücken“ dagegen angelernt.

Göppingen - Im Bezirk des Staatlichen Schulamts Göppingen, der die Landkreise Ostalb, Heidenheim und Göppingen umfasst, haben nach Angaben der Behörde gut 1500 Schüler aus den Klassen 1 bis 9 aller Schularten in 215 Gruppen an dem zweiwöchigen Förderprogramm „Lernbrücken“ teilgenommen.

 

Während der Lockdown-Phasen hatte an den Schulen Fernunterricht stattgefunden. Es sei nicht ganz die Form, die für jeden Schüler und jede Schülerin geeignet sei, sagt Andreas Pfletschinger, der geschäftsführende Schulleiter der vier Göppinger Gymnasien. Präsenzunterricht mit der Möglichkeit, auf einzelne Schüler einzugehen und Sozialkontakte zu pflegen, sei etwas ganz anderes. Manche Jugendliche bräuchten in manchen Phasen mehr Zeit und mehr individuelle Betreuung, um sich etwas anzueignen. Bei manchen gebe es eine Scheu vor digitalem Arbeiten, und bei einigen gebe es zuhause keine guten Voraussetzungen, was die Ausstattung und das Lernklima anbelange.

Die Empfehlung kommt von den Lehrern

Deswegen hat schon im vergangenen Jahr das Kultusministerium in Baden-Württemberg für Eltern und Schüler eine Empfehlung herausgegeben, auch in diesem Jahr das Programm „Lernbrücken“ in Anspruch zu nehmen, wenn Defizite vorhanden seien. Es fand in den letzten beiden Ferienwochen beispielsweise für die vier Göppinger Gymnasien täglich von 8.30 bis 12 Uhr am Freihof-Gymnasium statt. 180 Schüler haben teilgenommen, bei einer Gesamtzahl aller Schüler der vier Schulen von 2800.

Die Empfehlungen kamen kurz nach Pfingsten von den Fachlehrern, als wieder Klassenarbeiten geschrieben und Lernrückstände sichtbar wurden. Die Eltern der ausgewählten Schüler waren dann angeschrieben worden. Das Angebot gab es in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Französisch, Latein und Mathematik. Es lag in der Entscheidung der Eltern, ob der Zusatzunterricht angenommen wurde. Pfletschinger spricht von einem „attraktiven“ Angebot, bei dem ein Fach habe ausgesucht werden können. Im Gegensatz zu privaten Nachhilfen habe dafür nichts bezahlt werden müssen. Die Schüler wurden in 16 Gruppen unterrichtet.

Die Lernwilligen profitieren

Das Personal setzte sich aus vorhandenen Lehrkräften, zwei Wochen früher als üblich neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrern sowie aus Referendaren zusammen, erklärte Pfletschinger, der insgesamt eine positive Bilanz zieht. Er lobt die Bereitschaft von Lehrkräften, auch in den Ferien zu arbeiten, und die großen Chancen, die kleine Lerngruppen böten. Bei Schülern hätten wie im normalen Schulalltag auch besonders diejenigen profitiert, die lernwillig gewesen seien, und nicht diejenigen, die Stunden nur absitzen müssten oder wollten.

Während der Ferien fand zudem wieder das Programm „Sommerschulen“ statt. Im Kreis Göppingen gab es sie für Schüler ab der achten Klasse an der Walther-Hensel-Schule in Göppingen, dem Haus der Jugend und der Kaufmännischen Schule in Göppingen. Kooperationspartner war der Kreisjugendring, Themenschwerpunkt waren erlebnispädagogische Elemente zur Stärkung der Persönlichkeit und Berufsorientierung.

Wie allerorten beginnt das neue Schuljahr am Montag auch im Kreis Göppingen erneut unter Coronabedingungen. „Das kommende Schuljahr steht ganz im Zeichen der Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen.“ Das ist die Einschätzung des Göppinger Schulamts, das jetzt auch aktuelle Schülerzahlen veröffentlicht hat. Die Behörde ist für alle Schulen zuständig – außer für Gymnasien und Berufsschulen.

Ein Dauerärgernis: Überall fehlen Lehrkräfte

Neulinge
Die Zahl der Kinder im Kreis Göppingen, die eingeschult werden, ist laut dem Schulamt gegenüber den Vorjahren nahezu gleich geblieben. 2204 (Vorjahr: 2243) neue Erstklässler werden begrüßt. Für die fünfte Klasse der Realschulen sind 783 Schüler angemeldet, 377 sind es bei den Gemeinschaftsschulen und 140 bei den Haupt- und Werkrealschulen.

Lehrermangel Ein Dauerärgernis der Bildungspolitik bleibt der Lehrkräftemangel. „Bereits in den vergangenen Jahren konnten wir den hohen Personalbedarf immer nur knapp decken. Diese Entwicklung zeigt im beginnenden Schuljahr verstärkt durch die Corona-Epidemie gravierende Auswirkungen an fast allen Schulstandorten“, sagt der Schulamtsleiter Jörg Hofrichter.

Folge Die Personalausstattung der Schulen sei knapp bemessen. „Trotz einer Vielzahl von Krankheitsstellvertretungen gelingt es nicht, die großen Personallücken zufriedenstellend zu schließen“, kritisiert Hofrichter. Teilweise seien deshalb Gruppenzusammenlegungen, Eingriffe in die Stundenpläne und den Schulbetrieb bereits zu Schuljahresbeginn unumgänglich.

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