Mit Pauken und Trompeten wurde Theresa Schopper in der Sommerschule nicht begrüßt. Aber mit Getrommel und einem Lied haben Schülerinnen und Schüler der Kultusministerin am Mittwochfrüh auf dem Hof der Waisenhofschule einen fröhlichen Empfang bereitet. Der Trommelunterricht mit dem Stuttgarter Trommler Uwe Kühnert ist Teil des Stundenplans. Es gehört zum Konzept der Sommerschulen, die nicht nur in Esslingen, sondern an 68 weiteren Orten im Land in den letzten Ferienwochen stattfinden, dass es auch ein Rahmenprogramm gibt. In Esslingen kooperiert man dafür noch mit der katholischen Kirchengemeinde St. Paul, der Bücherei und der Schulsozialarbeit Esslingen.
Die Ministerin samt Gefolgschaft, darunter unter anderem Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Vertreter des Staatlichen Schulamts und der städtischen Schulverwaltung, ließen es sich nicht nehmen und trommelten selbst einen Rhythmus – ein launiger Einstieg, der allen sichtlich Spaß machte. Aber der Terminplan einer Ministerin ist straff, weshalb der Tross schon bald weitergeführt wurde durch das verwinkelte Gebäude der Waisenhofschule.
Kultusministerin ist neugierig
„Wir sind ja sehr neugierig und möchten schauen, ob wir im Ministerium alles richtig machen oder noch etwas verbessern können“, erklärte die Grünenpolitikerin betont kindgerecht den Grund ihres Besuchs. Esslingen ist nur eine Station auf ihrer zweiwöchigen Sommertour, bei denen sie verschiedene Projekte und Einrichtungen aus Kultur, Bildung und Sport besucht.
Schwerpunkt liegt bei der Sprachförderung
37 Kinder von vier Esslinger Grundschulen – neben der Waisenhofschule sind das die Katharinenschule, die Grundschule Mettingen und die Pliensauschule – nehmen an der Sommerschule teil, das sind mehr als in den Jahren davor. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Sie werden von drei Lehrerinnen, zwei Lehramtsstudentinnen und einer Sozialarbeiterin betreut. Der Schwerpunkt in der Esslinger Sommerschule, für die die Waisenhofschule 2019 den Zuschlag bekam, liegt auf der Sprach- und Leseförderung. Daneben steht noch Mathe auf dem Programm.
Hausaufgaben für die Ministerin
Die Kinder sollen aber nicht nur fachlich gestärkt ins neue Schuljahr starten, sondern auch Selbstbewusstsein vermittelt bekommen, betonte Schulleiterin Eva Quantius-Kohl. „Dass man die Stärken in den Vordergrund stellt, ist ein gutes Rüstzeug“, lobte die Ministerin. Schulsozialarbeiterin Belén Espania berichtete eindrücklich von einem Jungen, der schon bei dem Wort Mathematik zitterte und der die Schule hasste. „Am Ende der Sommerschule hat er gesagt, dass er keine Angst mehr hat“, erzählte Espania. Sein Beispiel sei kein Einzelfall, sondern so etwas erlebe das Team hier häufiger. Auch wenn eine Woche Sommerschule kurz klingt, könne sehr viel erreicht werden, hat Lehrerin Lydia Braxator die Erfahrung gemacht. Das liege vor allem an dem Betreuungsschlüssel, der im Alltag leider Utopie sei. „Hier ist man so nah am Kind und kann sofort reagieren“, sagte sie begeistert. Auch moderne Medien wie Whiteboard und Tablets werden eingesetzt und motivierten die Kinder zusätzlich.
Nach gut zwei Stunden war der Schulbesuch für Theresa Schopper vorbei. Auch Hausaufgaben hat sie aufbekommen. „Die Vorbereitungsklassen müssen einen Anspruch auf den Ganztag haben und dürfen nicht mehr ausgenommen werden“, forderte Martina Zimmermann, Rektorin der Pliensauschule, ihre Kolleginnen stimmten einhellig zu. Die Ministerin räumte ein, dass gerade für diese Gruppe, die kaum oder kein Deutsch kann, ein „Sprachbad“ wichtig sei und man die starren Vorgaben überdenken müsse, die Ressourcen seien aber knapp.
Landesweite Sommerschulen
Aufholen
Die Sommerschulen finden immer in den letzten beiden Ferienwochen statt und dauern in der Regel eine Woche. Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten können in dieser Zeit Stoff aufholen. Unterrichtet werden sie von Lehrkräften der jeweiligen Schule in Deutsch, Mathe und Englisch. Es soll aber auch die Persönlichkeit gestärkt werden, weshalb ein Rahmenprogramm wesentlicher Bestandteil ist. Das Land unterstützt das Projekt mit 950 000 Euro.
Standorte
In Baden-Württemberg gibt es in diesem Jahr 69 Standorte, vier liegen im Kreis Esslingen. Neben der Waisenhofschule in Esslingen sind das noch die Burgschule in Plochingen, die Teckschule Kirchheim und das Nürtinger Max-Planck-Gymnasium.