Lernstiftung von Uwe Hück in Pforzheim Schutt schleppen für eine „intergalaktische Jugend“

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SPD-Chef Sigmar Gabriel weihte am Freitag mit Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dessen Lernstiftung in Pforzheim ein. Hier sollen Jugendliche eine Chance bekommen und Perpektiven entwickeln – um nicht ohne Ausbildsung zurückzubleiben, wie Hück es ausdrückte.

Werbung in eigener Sache für die gute Sache:   Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (links) führt   SPD-Chef Sigmar Gabriel durch die Räume seiner Lernstiftung. Foto: factum/Granville
Werbung in eigener Sache für die gute Sache: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (links) führt SPD-Chef Sigmar Gabriel durch die Räume seiner Lernstiftung. Foto: factum/Granville

Pforzheim - Ein Onkel, der was mitbringt ist besser als eine Tante, die Klavier spielt.“ Das sagte der Vize-Kanzler, SPD-Parteivorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Freitag bei der Einweihung des Bildungs- und Sportzentrums der Lernstiftung Hück an der Maximilianstraße 46 in Pforzheim. Und Gabriel brachte etwas mit: 100 000 Euro von der Belegschaftsstiftung des Volkswagenkonzerns hatte er für die Stiftung seines Parteigenossen Uwe Hück im Gepäck. Die Stiftung, gegründet, im September 2013, unterstützt benachteiligte und sozial schwache Jugendliche und Flüchtlinge, insbesondere in Lern-, Ausbildungs- und Integrationsprojekten.

Hück plädiert dafür, „Türen weit zu öffnen“

Hück sagte: „Wir dürfen niemanden zurücklassen. Niemand ist dumm genug, um keine Ausbildung zu machen.“ Das Zentrum steht allen Pforzheimer Jugendlichen offen. Besonders am Herzen liegen Hück die Flüchtlinge, die in Pforzheim untergebracht sind. Auch sie können künftig hier Sport treiben und die Angebote der Stiftung in Anspruch nehmen. Hück: „Wir müssen unsere Türen weit aufmachen.“

Uwe Hück ist mit der Vietnamesin Ming Chung verheiratet. Sie hat selbst ein Flüchtlingsschicksal hinter sich. Ming Chung und Hück sind Eltern zweier Adoptivsöhne und eines leiblichen Sohns. „Uwe Hück hat selbst erlebt, was es heißt, ganz unten zu sein“, sagte Sigmar Gabriel, bevor er mit dem Stifter gemeinsam das rote Band vor dem Eingang der Lernstiftung durchschnitt. „Und jetzt hat er es geschafft, deshalb will er der Gesellschaft etwas zurückgeben.“

Der überzeugte Porsche-911-Fahrer Hück ist vermutlich im Mai 1962 geboren und elternlos in einem Waisenhaus aufgewachsen. Er machte von 1977 bis 1981 eine Ausbildung als Maler und Lackierer. Bis 1985 war er professioneller Thaiboxer und wurde zweimal Europameister. Im selben Jahr begann er bei Porsche und ist hier seit 1990 Mitglied des Betriebsrates. 1997 wurde er Betriebsratsvorsitzender der Standorte Zuffenhausen/Ludwigsburg. Seit 2002 ist er Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Porsche AG, seit 2003 auch Vorsitzender des Konzernbetriebsrats. 2007 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche Automobil Holding, 2010 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender in der Porsche AG.

Das Bildungs- und Sportzentrum soll ins Berufsleben führen

Hück engagiert sich seit einiger Zeit in der Integrationsarbeit. Er ist Vorsitzender des Pforzheimer Sportvereins FSV Buckenberg, dessen Mitglieder zu 70 Prozent Jugendliche mit Migrationshintergrund sind. Der Verein bietet nicht nur zahlreiche Sportarten an, sondern auch Hilfe und Perspektiven in vielen Lebensbereichen.

In Rekordzeit von zwölf Wochen wurde aus dem einstigen Galvanikwerk in Pforzheim ein modernes Bildungs- und Sportzentrum. 80 Jugendliche haben dabei geholfen. Rund 200 000 Euro Sachkosten wurden investiert. Die gleiche Summe kommt in Form von ehrenamtlichen Leistungen dazu. Unternehmen aus der Region haben Geld und Material gespendet. Für den Umbau wurden unter anderem 45 Tonnen Schutt bewegt, acht Kilometer Kabel verlegt und 350 Liter Farbe verstrichen.

Ziel der Stiftung ist es, durch Bildung und Sport jungen Menschen Chancen im Berufsleben zu ermöglichen, die ihnen sonst verschlossen geblieben wären. Dabei helfen Pädagogen und ehrenamtliche Helfer aus dem sportlichen Bereich. Hück: „Wir haben eine intergalaktische Jugend. Für sie lohnt es sich, sich zu engagieren. Wir müssen gute Voraussetzungen schaffen, damit sie eine Chance bekommen.“