Lesart Esslingen Neuer Jugendroman – Thriller über die Grundwerte der Demokratie
Manfred Theisen schreibt Jugendbücher mit politischem Anspruch. In seinem neuen Roman „Escape“ zeigt er bei der Esslinger Lesart, wie gefährdet Demokratie sein kann.
Manfred Theisen schreibt Jugendbücher mit politischem Anspruch. In seinem neuen Roman „Escape“ zeigt er bei der Esslinger Lesart, wie gefährdet Demokratie sein kann.
„Ja, ich sehe die Demokratie heute mehr denn je als gefährdet an. Deshalb wollte ich dieses Thema, das für Jugendliche eher dröge ist, spannend und ein bisschen durch die Hintertür in einem Buch aufgreifen.“
Mit seinem neuen Jugendroman „Escape – Der Schlüssel sind wir“ gelingt es dem Schriftsteller Manfred Theisen, junge Leute abzuholen und Fragen aufzuwerfen über die Verantwortung des Einzelnen in einer Demokratie. Im Rahmen der Esslinger Literaturtage Lesart stellte er sein hochaktuelles Buch über den Wert demokratischer Prinzipien in einer digitalisierten Welt nun im Café Flo vor.
Für seinen Roman schickt Manfred Theisen sechs fiktive Achtklässler zum Abschluss ihrer Projektwoche im Fach Politik in ein Escape-Game zum Thema Demokratie: Fünf Stunden lang sind sie in dunklen, labyrinthischen Räumen eingeschlossen und auf sich allein gestellt, um mit Wissen und Geschick allerhand Rätsel zu lösen. Eine Zeichentrickfigur namens „Easy Democracy“ führt sie als Handy-App durch das Spiel, sagt ihnen aber nicht, dass sie zugleich Teilnehmer eines Experiments sind, bei dem die Dynamik sozialen Verhaltens und politischer Bewegungen unter künstlich erzeugtem Druck beobachtet werden soll.
Wer ein Problem löst, wird mit „Coins“ belohnt und von den anderen neidisch beäugt. Als Josh, sonst als Nerd verlacht, ein ums andere Mal clevere Strategien zur Aufgabenlösung beiträgt, werden die Jugendlichen zu Rivalen. Auch Eifersucht, Mobbing, Vorurteile, Rassismus, Machtkämpfe und Ausgrenzung machen der Gruppe zu schaffen. Um sich einen Vorteil zu verschaffen, wird flugs der moralische Kompass neu justiert, werden bis dato geteilte Werte für nichtig erklärt und Grenzen überschritten.
Manfred Theisen ist Germanist, Anglist und Politologe. Als Wissenschaftler hat er für das deutsche Innenministerium in der Sowjetunion geforscht und für das Auswärtige Amt und für das Goethe-Institut im Nahen Osten und in Afrika gearbeitet. Außerdem ist er Vater von vier Töchtern. „Es ist wichtig, dass die Leser herausfinden, was für sie in einem Land für das Zusammenleben bedeutsam ist – und was im Moment in vielen Staaten zerstört wird.“ Dabei geht es um Menschenwürde, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Gewaltenteilung, freie Wahlen und die Solidargemeinschaft.
Es ist Manfred Theisen ein besonderes Anliegen, in seinen Büchern auf die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz und digitalen Medien auf die Meinungsbildung aufmerksam zu machen. „Wie bilden wir unsere Meinung? Was ist Wahrheit – und wer bestimmt sie? Wahrheit hat nichts mit der Mehrheit zu tun. Künstliche Intelligenz basiert nur auf Mehrheiten, aber nicht auf Wahrheiten“, gibt er zu bedenken.
Als Beispiel erzählt er die Geschichte der „Barbie“-Puppe, die bereits 1952 als „Lilli“ für die Erstausgabe der „Bild-Zeitung“ gezeichnet wurde. Erst Jahre später machte die amerikanische Unternehmerin Ruth Handler aus der „Bild-Lilli“ die „Barbie“-Puppe – und wird heute auf den allermeisten Webseiten als „Barbie“-Erfinderin genannt. „Was lernen wir daraus?“, fragt Manfred Theisen: „Schafft euch ein gutes Lexikon wie den Brockhaus an. Dort wird in den Redaktionen noch richtig recherchiert, da haben Fake News keine Chance.“ „Escape – Der Schlüssel sind wir“ (cbt-Verlag, 10 Euro) wird für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen, bringt aber auch Erwachsene zum Nachdenken. Das Buch ist spannend bis zum verblüffenden Schluss, den Manfred Theisen bei der Esslinger Lesung natürlich nicht verriet.