KommentarLesekompetenz Kleine Leseratten brauchen Futter

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Wer will, dass Kinder zu Leseratten werden, muss dem Nachwuchs früh Futter geben – zuhause und in den Schulen. Sonst sind so ernüchternde Ergebnisse wie bei der jüngsten Iglu-Studie kein Wunder, kommentiert Inge Jacobs.

Früh übt sich, was ein guter Leser werden will. Foto: dpa
Früh übt sich, was ein guter Leser werden will. Foto: dpa

Stuttgart - Stuttgart - Die schlechten Ergebnisse von Iglu und anderen Vergleichsstudien können niemanden verwundern – auch in Stuttgart nicht. Wer will, dass Kinder zu Leseratten werden, muss ihnen früh passendes Futter geben. Das fängt im Kleinkindalter an und ist keinesfalls nur eine Angelegenheit von Kita und Schule, sondern auch der Eltern. Gemeinsames Bilderbuchgucken weckt nicht nur die Neugier, sondern erschließt dem Kind ganz nebenbei auch die Welt – und mithin die Wörter dafür. Auch mit dem Kind zu sprechen hilft: beim Einkaufen, im Alltag. Oder es erzählen zu lassen. Das sollte leistbar sein – in welcher Sprache auch immer.

Natürlich ist die Vermittlung der deutschen Sprache aufwendiger geworden in einer Stadt wie Stuttgart, in der mehr als die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund hat und viele zu Hause kein Deutsch sprechen. Das spüren die Kitas, und das spüren die Schulen. Hinzu kommt, dass sich in Zeiten von Smartphone und Co. nicht nur Art und Umfang der Kommunikation verändert haben, sondern auch die Fähigkeit, sich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren, abgenommen hat. Leider ist der Bildungserfolg der Kinder hierzulande stärker denn je von der Herkunft abhängig, wie Studien nachgewiesen haben.

Stuttgarts Grundschulen brauchen für Zusatzaufgaben auch mehr Personal

Deshalb ist es fatal, dass ausgerechnet Kitas und Grundschulen unter Personalmangel leiden. Gerade dort wird das Basiswissen vermittelt. Wie sollen Grundschüler, die kaum lesen können, in der weiterführenden Schule den Anschluss finden? Es sollte unbedingt gelingen, allen Grundschülern die Freude am Lesen samt Textverständnis zu vermitteln. Aber dafür sollten die Schulen, die nebenher auch noch Inklusion und Integration bewältigen müssen, auch ausgestattet sein. Sie „sparsam zu halten“, wie selbst die Schulamtschefin Ulrike Brittinger das bezeichnet, ist kontraproduktiv. Kultusministerin Susanne Eisenmann hat erste Kurskorrekturen vorgenommen, indem sie dem Lesen und (Recht-)Schreiben mehr Gewicht gibt. Das ist gut, reicht aber nicht. Nach den Aussagen des Schulamts könnten in Stuttgart nicht nur 16, sondern alle 72 Grundschulen zusätzliche Poolstunden „zur Sprachförderung und sonstigen Entwicklungsrisiken“ brauchen. Nur müssten die fehlenden Lehrer erst ausgebildet werden.