Lesen Mit einem Buch in fremde Welten abtauchen

Bücher können in eine andere Welt entführen. Foto: dpa
Bücher können in eine andere Welt entführen. Foto: dpa

Im Urlaub ist alles anders. Der Alltag ist vergessen. Doch was tun die, die nicht verreisen? Auch sie können "abtauchen" - in ein Buch.

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Stuttgart - Im Urlaub ist alles anders. Der Alltag ist vergessen, die eigenen Sorgen verschwimmen im Meer. Doch was tun die, die nicht verreisen? Auch sie können "abtauchen" - in ein Buch. Und damit in eine andere Welt. "Wenn ich lese, vergesse ich den Alltag um mich herum. Da kann ich wunderbar entspannen", bestätigt Ursula Winkeler, die sich den Roman "Erst grau dann weiß dann blau" von Margriet de Moor mit ins Höhenfreibad Killesberg gebracht hat. "Das wird eine meiner Urlaubslektüren. Ich habe es gerade erst angefangen, finde es aber schon jetzt toll", sagt die Freibadbesucherin. In dem Roman ginge es um eine Frau, die nach langer Zeit in ihr Heimatdorf zurückkehre und von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt werde. "Es ist spannend und geheimnisvoll zugleich und behandelt auch die großen Lebensfragen, die einen selbst umtreiben", fügt sie lächelnd hinzu. Ursula Winkeler nutzt aber nicht nur die Zeit im Schwimmbad zum Lesen. "Eigentlich lese ich überall - im Freibad, im Café, in der U-Bahn. Am wenigsten zu Hause auf der Couch."

Auch Katharina Hacker liegt auf ihrem Badetuch und hat sich in ein fremdes Schicksal vertieft. "Ich lese gerade Mängelexemplar' von Sarah Kuttner", verrät sie. "Das hat mir eine Freundin empfohlen. Darin geht es um ein junges Mädchen, das mit sich und seiner Situation nicht im Reinen ist. Und das vielleicht auch ein bisschen depressiv ist", fasst sie zusammen. Weit gekommen sei sie jedoch noch nicht, aber die Lektüre lasse sich bis jetzt gut an. "Ich lese eigentlich nur, wenn ich allein bin im Urlaub. Sonst habe ich wenig Zeit. Deshalb muss mir das Buch auch gleich gefallen", fügt Katharina Hacker noch hinzu.

Thriller oder Romane

Wenig Zeit zum Lesen hat auch Pia Kaiser, die es sich mit ihrer zweijährigen Tochter Xenia auf einer Picknickdecke bequem gemacht hat. "Wenn wir nicht gerade Bilder- oder Pixibücher lesen, vertiefe ich mich am liebsten in Historische Romane oder Thriller wie die von Dan Brown", erzählt die Mutter. Derzeit lese sie "Das Geheimnis der spanischen Nonne" von Javier Sierra. "Ich bevorzuge eher leichte Lektüre. Ich lese gerne Thriller oder Romane, die sich mit religiösen Themen beschäftigen, sie untersuchen. Was ich nicht mag, ist Science-Fiction. Es muss schon noch nah an der Realität sein", sagt Pia Kaiser. Dann zupft ihre Tochter sie am Arm. "Und jetzt lesen wir gleich Antons ganze Welt'. Das kann ich Eltern nur empfehlen", sagt sie und lächelt.

Vladimir Belenkij kann sich über mangelnde Zeit nicht beschweren. Der Schüler hat gerade Ferien, da bleibt viel Zeit für Freibad und Lektüre. Leicht hat er es sich allerdings nicht gemacht. "Ich lese gerade Stern der Ungeborenen' von Franz Werfel, einem Freund von Franz Kafka", sagt er. Auf dem Buch stehe "Reiseroman", das treffe es allerdings nicht ganz. "Eigentlich geht es mehr um einen Geist, der heraufbeschworen wird in einer futuristischen Welt, die ganz vergeistigt ist. Und dieser Geist geht auf eine Art Reise, von der er erzählt", fasst Vladimir die Handlung zusammen. Auch seine Freundin Maria Belevtsera, die aus St. Petersburg stammt und in Stuttgart Urlaub macht, hat sich nicht gerade leichte Kost mitgebracht. "Ich lese russische Theaterstücke. Die faszinieren mich", sagt sie, bevor sie ihre Nase wieder ins Buch steckt. "Wir lesen sehr viel. Dabei nehme ich gerne Empfehlungen an von Freunden oder auch Lehrern", sagt Vladimir noch. Dann überlegt er und sagt grinsend: "Aber ich lese auch Comics."

'Die geteilte Stadt' von Zuenir Ventura

Einen Comic hat Guilherme Cabral nicht gerade dabei, dafür Stift, Papier und einen dicken Wälzer: "Ich studiere Architektur und arbeite gerade an meiner Diplomarbeit. Daher habe ich mir 'Die geteilte Stadt' von Zuenir Ventura, einem brasilianischen Journalisten mitgebracht." Dessen Schilderung über die Jugendkriminalität in Rio und deren Verbindung mit städtebaulichen Maßnahmen helfe ihm bei seiner Arbeit. "Ich plane Polizeiwachen und denke über bauliche Veränderungen viel nach", sagt er.

Wer noch nach Lesestoff sucht, kann sich auf den Herbst freuen, wenn die Neuerscheinungen auf der Frankfurter Buchmesse (12. bis 16.Oktober) präsentiert werden. Über Brasilien wird es vielleicht nicht so viel geben, dafür über Island, das in diesem Jahr das Gastland sein wird. Mit rund 30 Autoren und 180 deutschen Neuerscheinungen präsentiert sich das bisher kleinste Gastland. Doch auch Stuttgarter Autoren werden sicher wieder eine Rolle spielen und ihre literarischen Welten präsentieren.

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