Leser berichten über Zwischenfälle mit Hunden Unberechenbare Hunde, aggressive Radler und Jogger

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„Es ist unerträglich, dass man keine Handhabe hat, wenn man von einem Hund belästigt oder angesprungen wird“, schreibt uns ein Leser und Jogger. Unser Bericht über Hundeattacken hat zahlreiche Leserreaktionen zur Folge gehabt – mit überraschenden Vorschlägen.

Der Entscheidungsträger läuft am anderen Ende der Hundeleine. Foto: dpa
Der Entscheidungsträger läuft am anderen Ende der Hundeleine. Foto: dpa

Stuttgart - Unser Zeitungsbericht über die Zunahme von Zwischenfällen mit Hunden hat zahlreiche Leserreaktionen nach sich gezogen.

So schreibt Wolfgang Wagner aus Ostfildern: „Ich bin als Radfahrer, Jogger, Wanderer und Spaziergänger sehr häufig in der Natur unterwegs, und es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens einmal von einem Hund angegangen werde. Man wird angekläfft, angesprungen, abgeschleckt oder einige Hunde schnappen auch mal schnell zu. Mir ist es als Radfahrer auch schon passiert, dass Hunde mich über Kilometer hinweg verfolgt haben.“ Von einem Hundeführerschein hält Wagner wenig. „Meines Erachtens hilft nur ein streng überwachter Leinenzwang.“

Diese Meinung teilt auch Gerhard Schiek, der sich als Hundefreund bezeichnet: „Ich selbst bin als Jogger zwischen dem Blauen Weg in Stuttgart-Süd und den ­Bärenseen schon mehrmals von Hunden angesprungen worden, ohne dass dies die Halter sonderlich berührt hat. Das zeigt: Das Problem ist nicht vorne, sondern ­hinten an der Leine. Deshalb sollte ein ­Wesenstest für alle Hundehalter ver­pflichtend sein. Letzten Sonntag ist eine Jugendliche panisch von ihrem Fahrrad ­gesprungen, weil ein Hund auf sie zugerannt ist. Ich musste die junge Frau mit ihrem Fahrrad an dem Hund vorbei führen. Es ist doch unerträglich, wenn man von einem Hund belästigt oder angesprungen wird. Dies ist eine erhebliche Beeinträch­tigung des Sicherheitsbedürfnisses aller Bürger.“

Klaus Rurländer findet: „Ein Hund muss Regeln lernen und sich unterordnen“

Klaus Rurländer aus Gablenberg führt regelmäßig Schäferhunde aus. Auch er berichtet, dass einige Hundehalter mit der Haltung überfordert seien, und sieht die Behörden in der Pflicht, „frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um vermeidbare Angriffe im Vorfeld zu unterbinden – etwa durch Hundeführerschein, Eignungs- und Wesenstest von Halter und Hund. Denn: Ein Hund ist ein Lebewesen und kein Spielzeug, er muss Regeln lernen und sich unterordnen. Er kann dein bester Freund sein, aber auch verletzen und töten. Jedem Hundehalter sollte klar sein, dass eine Tüte für Hundekot, eine Leine und ein friedliches Miteinander von Hund, Jogger, Radfahrer, Wanderer Pflicht sein muss.“

Hundeausbilder Jürgen H. C. Aurahs aus Waldenbuch sieht’s ähnlich: „Der Hund ist ein Tier und damit immer unberechenbar. Unter Menschen im Freien gehört der Hund grundsätzlich an die Leine, dann ist er unter Kontrolle. Da ein Hund auch als Waffe betrachtet werden kann, müsste er vor seiner Anschaffung von der Behörde genehmigt werden. Diese ‚Waffen‘-Besitzkarte ist vom Halter mitzuführen.“

Birte Keppler schlägt eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder vor

Birte Keppler freut sich als Hundehalterin, wenn Radler abbremsen, sich beim aufmerksamen Hundehalter bedanken oder Nachsicht haben, wenn Hunde mal nicht gehorchen. „Solche Radfahrer sind meine Helden.“ Ihr Vorschlag: „Führen wir eine Fahrrad-Kennzeichnungspflicht ein und vergleichen danach die Statistiken ‚Hundevorfälle‘ und ‚Fahrradvorfälle‘ noch einmal. Dann setzen wir das Gespräch gern fort.“

Daniel Kurrle aus Möhringen haut in eine ähnliche Kerbe: „Verantwortlich für das tägliche Chaos im Straßenverkehr sind in erster Linie Radfahrer. Insofern scheint es mir dringender geboten, einen Führerschein für Radfahrer einzuführen.“

Hundehalterin Petra Geier findet Stuttgart sehr hundefeindlich. Sie kritisiert Radfahrer „im Kamikaze-Tempo“ und berichtet: „Jogger starren uns an und kommen oft mit schon fast greifbarer aggressiver Grundstimmung entgegen.“ Aber: „Es gibt auch Hundehalter, die mit starken Rüden und dicken Eiern durch die Welt laufen und denen die uneingeschränkte Entfaltung ihres Hundes über alles geht.“ Einen Hundeführerschein lehnt sie ab.

Doris Ehret-Wemmer wünscht sich Sachkenntnis, Respekt, Höflichkeit und Humor

Hundehalterin Doris Ehret-Wemmer aus Leonberg sagt Ja zum Hundeführerschein: „Es braucht aber nicht nur Sachkenntnis, sondern auch Respekt, Höflichkeit und einen Schuss Humor. Am Ende der Leine läuft der Entscheidungsträger. Es ist der Mensch, der den Hund führt und nicht der Hund, der selbstständig Radfahrer oder Jogger belästigt oder verletzt.“

Rainer Braun aus Reutlingen sieht „absoluten Handlungsbedarf bei vielen Hundehaltern. Ein Hund benötigt Aufgaben, Liebe, Zeit, Auslauf, Zuneigung und ein geeignetes Umfeld. Leider ist dies häufig nicht gegeben. Hier muss man ansetzen.“

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