Leseraktion in Ludwigsburg Nach dem Pizza-Weizen kam das Rote-Beete-Bier

Zum Wohl! Auf einen gelungenen Tasting-Abend bei Hop around the World in Ludwigsburg. Foto: Sandra Lesacher

Zwischen Maracuja-Geschmack und „ganz normalem Bier“: Beim Genussabend unserer Zeitung bei „Hop around the World“ in Ludwigsburg gab es einige spannende Geschmacksexplosionen.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Zack, hat man ein Glas in der Hand und soll rausfinden, was drin ist. Bier. Klar, bei einem Bier-Tasting. Aber welches? Da heißt es gucken, schnuppern, schmecken. Wie das geht, erklärt Biersommelière Vanessa Pantoudis.

 

Die Ludwigsburgerin hat 2022 in der Solitudestraße in der Nähe des Bahnhofes ihren kleinen, süßen Laden „Hop around the world“ eröffnet. Hier gibt es Bier aus der ganzen Welt, hier finden Tastings statt – so wie an diesem Abend in Kooperation mit unserer Zeitung sowie der neuen Nano-Brauerei Suspicious Monkeys aus Ludwigsburg.

Kühles Bier im Backsteingebäude

Gucken, schnuppern, schmecken: Probiert wird mit allen Sinnen. Foto: Sandra Lesacher

Es ist heiß draußen, sehr heiß. In dem Backsteingebäude hingegen herrschen angenehme Temperaturen. Und es gibt kühles Bier. Gute Voraussetzungen für einen sehr angenehmen Abend. Vanessa Pantoudis hat die ersten Gläser eingeschenkt und verteilt sie an die Teilnehmer des Tastings.

Und schon ist man im Gespräch. Über die zitronige Note, über den hopfigen Abgang. Einer schmeckt Maracuja, eine andere sogar Eisbonbon. Ein Kenner sagt, es sei ein IPA, ein India Pale Ale, ein helles, obergäriges Craftbier, sehr hopfenbetont. Er hat recht.

„Bier ist gesellig“, sagt Vanessa Pantoudis später im Verkostungsraum. „Beim Bier lernt man Menschen kennen.“ Die Frau muss es wissen, sie ist International Beer Sommelière und Qualified Beer Judge. Ihre Neugierde nach verschiedenen Bieren wurde auf ihrer ersten Reise nach Irland geweckt, es war ihr „Bier-Erweckungsmoment“. Seither lässt sie weder das Reisen noch das unvergleichliche Getränk Bier los, wie sie sagt.

Der Name ihres Unternehmens, „Hop around the world“, kommt deshalb nicht von ungefähr. Das englische Wort „hop“ bedeutet gleichzeitig „Hopfen“ und „hüpfen“. In Verbindung mit „around the world“ passt beides bei Vanessa Pantoudis prima zusammen.

„Das schönste Geräusch der Welt ist eine sich öffnende Bierdose.“

Vanessa Pantoudis, Biersommelière

Die quirlige Frau bereitet das nächste Bier fürs Tasting vor. Dieses gleichzeitige Klacken und Zischen der sich öffnenden Bierdose ist für sie „das schönste Geräusch der Welt“. Die Bier-Tasting-Teilnehmer schauen gespannt in ihre frisch gefüllten Gläser.

Zugegeben, das espressofarbene Porter wird nicht jedermanns Lieblingsbier. „Wie der billige Eiskaffee aus dem Supermarkt“, sagt einer lachend. Aber faszinierend sind Farbe, Aromen und Geschmack allemal: Malz, Karamell, Bitterkeit... Das hat was.

Da kommt Sebastian Bauer wie gerufen. Gemeinsam mit Kai Kohlmetz hat er vor nicht allzu langer Zeit Suspicious Monkeys Brewing ins Leben gerufen, eine Nano-Brauerei aus Ludwigsburg. Eingeschenkt wird „Ganz normales Bier“. Ja, genau so heißt dieses Keller-Pils.

Sebastian Bauer und Vanessa Pantoudis mit einem Bier von Suspicious Monkeys. Foto: Sandra Lesacher

Basti und Kai kommen aus dem Hobbybrauerbereich. Sie bringen jedes ihrer Biere nur einmal heraus und haben durchaus verrückte Ideen. Ins Glas kommt an diesem Abend auch „Raise your Voice“, ein Ale, das mit Ingwer gewürzt ist, und – ganz wild – das „Rote Beete Tripel“.

Ja, wirklich, Rote Beete. In 100 Liter Bier sind acht Kilogramm Rote Bete verarbeitet. Das sieht man und man schmeckt es auch. Ganz spannend sind die süße und kirsch-bananige Fruchtigkeit. „Das ist eines unserer vielseitigsten Biere“, sagt Basti Bauer. „Es geht als Aperitif, zum Food-Pairing oder als Abschluss zum Käse.“

Wie sie auf das erdige Wurzelgemüse gekommen sind? Nach einem Pizza-Weizen mit Ananas- und Schinken- (also Rauch-)Noten, stand schlicht die nächste kreative Idee an. Das „Rote Beete Tripel“ hat auch deutlich mehr Wumms als die vorherigen Biere, ganze 10,4 Prozent. Der hohe Alkoholgehalt ist wiederum für die Süße verantwortlich.

Vielfalt begeistert die Teilnehmer

Die Teilnehmer sind begeistert von der Biervielfalt. Nachschub? Gerne her damit. Das führt im Laufe des Abends auch mal zur sprachlichen Unschärfe. Bei der Frage nach der Farbe des „Rote Beete Tripel“ antwortet einer der Teilnehmer so kreativ wie das vor ihm stehende Getränk: „Es ist ähnlich wie eben, aber deutlich rotiger.“

Ob es den Geschmack der Teilnehmer verändern wird? „Es wird meine Auswahl erweitern“, meint Lukas. Man würde sich eher trauen, zu experimentieren. Lukas trinkt nur selten Bier. Seine Mutter Christine, die mit ihm zum Bier-Tasting gekommen ist, ist da schon eher eine Bier-Liebhaberin. „Ich bin überrascht, wie viel Vielfalt es wirklich gibt“, sagt sie – und kann sich vorstellen, ein mehrgängiges Menü auch mal mit Craftbier statt Wein zu begleiten.

Anna-Sophie und Manuel aus Oberstenfeld waren schon öfter bei „Hop around the world“. Trotzdem sei es interessant gewesen, noch mehr Hintergründe zu erfahren, sagt Anna-Sophie – gerade von den Suspicious-Monkeys-Bieren. Alternativen zu den traditionellen Bieren nach dem Reinheitsgebot sind für sie willkommen. „Wir sind generell offen für andere Biere“, meint Manuel. Von dieser Offenheit leben sowohl Vanessa Pantoudis als auch Sebastian Bauer und Kai Kohlmetz, denn sie hält die kleinen Brauereien am Leben.

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