Lesestoff Idealvorstellung

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Kein Riesling auf der Welt schmeckt wie der Moselriesling. Doch in Tamm versuchen sich die Brüder Preuss daran, diese Wahrheit unwahr zu machen.

An der Mosel machen sie den besten Wein – und riesige Weinfässer. Aber auch in Württemberg gibt’s guten Riesling. Foto: dpa
An der Mosel machen sie den besten Wein – und riesige Weinfässer. Aber auch in Württemberg gibt’s guten Riesling. Foto: dpa

Ludwigsburg - Kein Riesling auf der Welt schmeckt wie der Moselriesling. Die steilen Hänge am Flusstal, der Schiefer der Böden – nirgendwo lassen sich derart mineralische, filigrane und fruchtige Weine produzieren. Leider auch nicht in Württemberg – und erst recht nicht in Tamm. Simon und Maximilian Preuss sind ein gutes Beispiel dafür, was für Verrücktheiten die Liebe zum Wein hervorbringt. Die beiden Brüder aus dem Landkreis Ludwigsburg, der eine Elektrotechniker, der andere Mediziner, haben kurzerhand ein Weingut an der Mosel gegründet. Während eines Urlaubs entdeckten sie, dass an den Steillagen des Flusstals jede Menge Parzellen brach lagen und sicherten sich ihr Stückchen. Geholfen bei der Entscheidung, ein eigenes Weingut zu gründen, hat außerdem, dass sie den ortsansässigen Winzer Jan Weiler kennen. 2011 kam ihr erster Jahrgang vom Kröver Steffensberg heraus.

Die Preuss-Brüder, 37 und 33 Jahre alt, haben keine Mühe für ihre Idealvorstellung vom Riesling gescheut. Ertragsreduzierung, penible Laubarbeit, sehr selektive Handlese, damit keine faule Traube mit vergärt, lauten die Stichworte. Viel Wein kommt dabei nicht heraus, aber dafür viel Qualität. Reiner, schlanker und mineralischer als der Durchschnitts-Mosel-Riesling ist ihrer geworden, er wirkt trocken trotz Restsüße und eben angenehm fruchtig. Bei Vincent Klink kam der Tammer Mosel-Riesling übrigens so gut an, dass er ihn auf der Wielandshöhe ausschenkte.

Das Urteil der StZ-Weinrunde

Harald Beck:
Für 15 Euro darf man auch von einem Mosel-Riesling einiges erwarten. So richtig trocken wirkt er allerdings nicht, wobei die vielschichtige Frucht und die Struktur tatsächlich ziemlich beeindruckend sind – für einen Tammer Moselwein.

Holger Gayer: In Ordnung, diesen Wein können wir eingemeinden und zum Württemberger ehrenhalber ernennen. Man schmeckt, dass die Trauben supergesund waren bei der Lese. Das Pfirsicharoma ist herrlich, das Säurespiel perfekt.

Riesling Kröver Steffensberg 2011,
15 Euro, Weingut Preuss in Tamm, 0 71 41/91 33 60, www.preuss-wein.de