Lesetipps für junge Menschen Was du schon immer über den Tod wissen wolltest

Kann man ihm entrinnen? Ein lesenswertes Kinderbuch beantwortet Fragen zum Tod. Foto: Gabriel-Verlag/Andrea Antinori

Zwei Bücher für junge Leser erkunden das Tabuthema Tod: Ein Kinderbuch beantwortet Fragen mit Wärme und Humor, ein Thriller führt an die Abgründe der Medizin.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Wir leben in einer Zeit, in der Altern für viele ein Makel ist. Der Tod bleibt, was Wissen oder Gespräche angeht, eine Tabu-Zone, in die sich niemand gern vorwagt. Niemand? Zwei Bücher für junge Leserinnen und Leser (ein Sachbuch für Kinder ab acht Jahren und ein Medizinthriller für Menschen ab 14 Jahren) nähern sich dem Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und stellen mit Wissenswertem rund ums Sterben auch die Frage in den Mittelpunkt, was das Leben ausmacht.

 
Blick aufs Cover von „Hallo Tod, ich hab da mal ne Frage“ Foto: Gabriel-Verlag/Andrea Antinori

„Hallo Tod, ich hab da mal ne Frage“ (Gabriel-Verlag, 143 Seiten. 15 Euro) heißt das Buch von Ellen Duthie und Anna Juan Cantavella und stellt schon im Titel klar, dass es keine Antwort schuldig bleiben wird. Rund um den Globus haben die Autorinnen bei Kindern nachgehakt und aus hunderten von Fragen, die sieben eng bedruckte Seiten füllen, die 38 spannendsten ausgewählt. Im Vorwort erklären sie ihre Motivation: „Wir finden beide: Dafür, dass er so faszinierend ist, wird sehr wenig darüber geredet. Deshalb wollten wir ein Buch über den Tod machen, das Gesprächsstoff bietet.“

Banales führt in ungeahnte Tiefen

Weil die beiden Spezialistinnen für Philosophie und Kulturanthropologie sind, führt in ihren Antworten selbst auf den ersten Blick Banales in ungeahnte Tiefen. „Werde ich sterben?“, will die fünfjährige Clàudia wissen und stößt damit ein Nachdenken darüber an, was das Wissen um seine Endlichkeit im Menschen auslösen kann. Ob praktisch ( „Warum werden Tote beerdigt?“) oder philosophisch („Was kommt nach dem Tod?“), ob ethnologisch („Warum werden in Indien und Pakistan die Toten weiß angezogen?“) oder ethisch („Wenn ein Tier krank ist, warum wird es dann eingeschläfert und ein Mensch nicht?“): Der Ton der Antworten ist so warmherzig, zugewandt und humorvoll, dass sich jeder gern in diese Gespräche über den Tod vertieft.

Cover (Ausschnitt) Foto: Loewe-Verlag

Auch die Protagonistin von Nina Schewelings Roman „Academy of Lies – Anatomie einer Verschwörung“ (Loewe-Verlag. 398 Seiten. 16,95 Euro) weiß, dass sie sterben wird – und das schon bald. Um Fragen der Ethik in der Medizin, um das Leben und die Weisen, auf die es enden kann, geht es in dem Thriller quasi nebenbei. Im Fokus steht Quinn. Sie hat eine seltene Blutgruppe und ein Spenderherz, das wegen Arteriosklerose, also Gefäßverkalkung, nicht mehr lange schlagen wird. Die ihr verbliebene Zeit will die 18-Jährige in ein Medizinstudium stecken, um zu verstehen, was mit ihr passiert.

Fürs Überleben gehen Menschen über Leichen

Doch an der privaten Elite-Uni, die ihr Großvater gründete und an der auch ihr Bruder Flo studiert, laufen geheime Forschungen auf dem Feld der regenerativen Medizin. Für Aussicht auf Heilung lebensbedrohlicher Krankheiten, aber auch, um Teil der Medizin-Elite mit ihrem Geflecht aus Verbindungen und Alumni zu sein, gehen Menschen über Leichen. Drei Tote begleiten den Semesterbeginn. Mord, Unfall, Selbstmord? Die junge Studentin, deren Bruder unter Verdacht gerät, braucht Mitstreiter. Wem sie vertrauen kann, ist für die eigenbrötlerische Quinn nicht leicht herauszufinden – am Ende zahlt sie einen hohen Preis, der den Weg frei macht für einen abschließenden zweiten Band („Autopsie einer Lüge“).

Nina Schewelings Roman ist aufgemacht wie eins der angesagten Romantasy-Bücher, ist aber vor allem ein Medizinthriller mit lebendigen Dialogen und spannenden Einblicken, zum Beispiel in Quinns Präpkurs. Zudem notiert Quinn, passend zu den Kriminalfällen, ihre Recherchen über Todesarten. Verbluten, Ertrinken, Altersschwäche, Hirntumor, Leukämie, Genickbruch, Überdosis? Nach der Lektüre weiß man, was einen erwartet – und dass der Wert eines Lebens nicht für jeden dieselbe Bedeutung hat.

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