Lesetipps für Krimifans Morde, wo andere Urlaub machen

Der historische Ortskern von Arezzo in der Toskana – die Stadt ist Schauplatz eines Falls der Krimiautorin Belinda Vogts. Foto: imago/Action Pictures

Statt seine Reisen bei Instagram zu posten, könnte man die Zeit nutzen, um mal wieder ein gutes Buch zu lesen. Diese drei Krimis bieten sogar einen touristischen Mehrwert.

Stuttgart - Für Schriftsteller war Homeoffice noch nie ein Problem. Sie konnten ihrer Arbeit an den reizvollsten Orten nachgehen, an denen andere nur Urlaub machen. Krimiautoren lassen ihre Romane gerne dort spielen. Und es gibt eine Menge Leser, die ihr liebstes Reiseziel durch ein paar gepflegte Morde und andere Verbrechen aufgewertet sehen. Zumal, wenn die Autoren sie en passant mit Insider-Tipps versorgen.

 

Venedig: Gefährlicher als die Mafia

Autorin: Donna Leon ist einst als Reiseleiterin nach Italien gekommen. Jahrelang lebte sie in Venedig. Irgendwann wurde ihr das zu anstrengend. Inzwischen wohnt die gebürtige US-Amerikanerin in Graubünden und hat die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen.

Inhalt: Commissario Brunetti ermittelt aber weiterhin in der Lagunenstadt. Sein dreißigster Fall beginnt mit zwei amerikanischen Touristinnen, die sich von zwei jungen Venezianern zu einer Spritztour durch die Lagune und aufs Meer verführen lassen. Die Sache geht schief: Bei einer Kollision des Bootes mit einem Pfahl werden die beiden Frauen und der Bootsführer schwer verletzt. Die Männer schaffen es gerade noch, die bewusstlosen Amerikanerinnen auf dem Anlegesteg eines Krankenhauses abzulegen. Dann suchen sie das Weite. Recht schnell werden sie jedoch identifiziert und verhaftet. Bei den Verhören kommt Guido Brunetti und seiner Kollegin der Verdacht, dass hinter dem Fall mehr steckt. Die jungen Männer haben offenbar Angst vor einer kriminellen Organisation, die noch brutaler ist als die italienische Mafia.

Touristischer Mehrwert: Brunettis stete Klage über den Niedergang seiner Heimatstadt spricht jedem Venedig-Liebhaber aus dem Herzen, der nicht nur als Kreuzfahrtkurzzeitbesucher an Land geht. Außerdem: einige nützliche Hinweise zur Qualität von Tramezzini und der Tipp, dass junge Leute auf dem Campo Santa Margherita gut flirten können.

Donna Leon: Flüchtiges Begehren. Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Diogenes, 320 Seiten, 24 Euro

Bretagne: Die schöne Insel und der Hass auf den reichen Schafzüchter

Autor: Wenn man Jörg Bong heißt und sich mit dem Gedanken trägt, Krimis zu schreiben, die im Norden Frankreichs spielen, bietet sich ein Pseudonym an. Als Jean-Luc Bannalec erorberte Bong die Bestsellerliste. Jeder seiner Romane um den bretonischen Kommissar Dupin landete dort. Das Pseudonym hatte noch einen anderen Grund: Bis vor zwei Jahren war Bong Verlagsleiter bei S. Fischer. Inzwischen ist er als freier Autor in Frankfurt am Main und im südlichen Finistère zu Hause.

Inhalt: Eigentlich hat Kommissar Dupin eine Heidenangst davor, auf eine Fähre zu steigen. Aber diesmal bleibt ihm nichts anderes übrig, denn an einem heißen Augusttag ist die Leiche eines Mannes aus dem Meer gefischt worden. Der Tote, ein wohlhabender Schafzüchter, stammt von der Belle-Île-en-Mer, der größten Insel der Bretagne. Der Kommissar ermittelt auf dem Eiland. Zunächst stößt er auf lauter liebenswürdige Menschen, die ihm freimütig gestehen, sie hätten den Ermordeten nicht ausstehen können. Alle profitieren von seinem Tod. Allerdings gibt es für den eigenwilligen Ermittler Dupin ein Problem: Sämtliche Verdächtige haben ein Alibi.

Touristischer Mehrwert: Natürlich, wie immer in Bannalecs Romanen, die Restauranttipps (diesmal das „Restaurant du Phare“ am Leuchtturm von Sauzon) und die kulinarischen Einsichten (zum Beispiel Salzlammkeule oder bretonische Strandschnecken „Bigorneaux“ mit Zitronenmayonnaise). Außerdem lernt man ein paar Brocken Bretonisch.

Jean-Luc Bannalac: Bretonische Idylle. Kiepenheuer & Witsch, 334 Seiten, 16 Euro

Toskana: Bizarrer Mord zu Füßen der Chimäre

Autorin: Als Redakteurin beim Privatsender SAT.1 schaute sich Belinda Vogts jahrelang acht Stunden am Tag amerikanische Krimiserien und Spielfilme an. Da „hatte ich die Grundregeln von Spannung und Dramaturgie ein wenig verstanden“, sagt die Autorin, die mit ihrer Familie in Wiesbaden lebt.

Inhalt: Der Direktor des Stadtmuseums wird ermordet zu Füßen einer etruskischen Statue, der „Chimäre von Arezzo“, eines mythologischen Mischwesens, aufgefunden. Er war Patient einer Schlafklinik, die in einem ehemaligen Schloss untergebracht ist. Als ein weiterer Patient ums Leben kommt, fürchtet der frisch verwitwete Commissario Roberto Fabbri, ein Irrer könnte noch weitere Morde planen. Zusammen mit der deutschen Psychologin Pia Michaelis will er das verhindern.

Touristischer Mehrwert: „Mit seinen Kaufherrenpalästen, Patrizierhäusern und Sakralbauten ist Arezzo ein Juwel mittelalterlicher Architektur und Kultur“, heißt es bei Wikipedia. Das muss man nachschlagen, weil die toskanische Stadt mit rund 100 000 Einwohnern im Gegensatz zu Florenz und Pisa wenig bekannt ist. Der Roman verführt beim nächsten Toskana-Urlaub zu einem Abstecher.

Belinda Vogts: Toskanische Täuschung. Emons-Verlag, 288 Seiten, 11,90 Euro

Zwei weitere aktuelle Bestseller aus Urlaubsregionen

Fiktives Dorf
Pierre Martin ist ein noch unenthülltes Pseudonym für einen Schriftsteller, dessen andere Bücher laut Verlagsangaben in Italien und Frankreich spielen. In „Madame le Commissaire und die panische Diva“ sucht die Kommissarin Isabel Bonnet aus dem fiktiven provenzalischen Dorf Fragolin nach einem Stalker, der einer alternden Diva nachstellt (Taschenbuch, Droemer-Knaur, 384 Seiten, 10,99 Euro).

Südfrankreich
Martin Walker gehört zu den etablierten Autoren des Genres. Der schottische Historiker und Ex-Zeitungsjournalist lebt seit vielen Jahren in Südfrankreich. In seinen Krimis um den Dorfpolizisten Benoît Courrèges spielt gutes Essen eine gewaltige Rolle. Der Roman heißt also nicht umsonst „Connaisseur“ und betrifft die Wein- und Trüffelgilde des Périgord (Taschenbuch, Diogenes, 448 Seiten, 10,99 Euro)

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