Leslie Clio in Stuttgart Die Schule der Diven

Leslie Clio am Donnerstagabend beim Konzert im Wizemann Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Leslie Clio tritt im Wizemann vor kleinerem Publikum auf als vor drei Jahren, lässt sich davon aber nicht irritieren. Die 35-Jährige inszeniert sich als selbstbewusste Soul-Diva – und hebt sich angenehm von anderen deutschen Stars ab.

Leslie Clio kommt aus Hamburg und lebt in Berlin. Ihre Musik bezeichnet sie als „Soul-Pop“ – und singt, nach wie vor, auf Englisch. Für ihr jüngstes Album hat sie mit „Comment Allez-Vous?“ auch ein französisches Stück aufgenommen. Schon durch die Tatsache, dass sie ihre alltägliche Befindlichkeit nicht in deutscher Sprache zu Musik werden lässt, hebt sie sich angenehm ab von vielen deutschen Musikerinnen und Musikern ihrer Generation.

 

Clio schreibt ihre Songs selbst, 2020 gründete sie ihr eigenes Label; bei ihrem jüngsten Album, erschienen am 4. Februar, fast auf den Tag genau neun Jahre nach „Gladys“, ihrem Debüt, wurde sie auch zur Produzentin. Sie hält alle Fäden in der Hand, strahlt dabei vor Selbstbewusstsein und inszeniert sich als Diva, kühl, ein wenig rätselhaft und elegant.

Weniger Publikum als im Dezember 2018

Abende wie diesen Donnerstag im Wizemann allerdings muss es wohl geben im Leben einer angehenden Soul-Diva: Leslie Clio tritt dort auf vor gewiss weniger als 70 Zuschauern; im Dezember 2018 noch spielte sie, am selben Ort, vor rund 300 Menschen. Aber Leslie Clio, mittlerweile 35 Jahre alt, nimmt es souverän, zeigt sich ungetrübt und liefert eine Show, ganz so, als habe sie ein großes Publikum vor sich. Ihre Fans zudem machen das Beste aus der Situation: Clios Musik fordert Bewegung und bekommt sie.

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Wie schon 2018 tritt Leslie Clio auf mit kleiner, kompetenter Band. Leonard Eisenach lässt einen schweren, trockenen Bass durch ihre Lieder tanzen; Matze Pröllochs, einst Teil des Duos Me and my Drummer, zuvor schon als Musiker am Landestheater Tübingen, sitzt am Schlagzeug, Willi Sieger an den Keyboards. „Brave New Woman“ heißt Clios neues Album, darauf Stücke, die toughe Titel tragen: „Girl with a Gun“, „Good Trouble“ und „Feel it in my Bones“ – fast sämtlich finden sie sich auf der Setlist ihres Stuttgarter Konzerts, ergänzt um einige Songs der früheren Alben. Das Bühnenlicht wechselt zwischen tiefem Blau und dunklem Rot; Leslie Clio, strahlend blond im schwarzen Anzug, wird zur Silhouette, die wild in diesen Farben tanzt, mit kühler, sicherer Stimme Balladen singt und aufgeregte Popmusik.

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„Beim nächsten Song“, ruft sie ihren Fans zu, „lassen wir alles los . . . Kein Corona, kein Krieg, keine Eltern, die einem das Taschengeld sperren . . . Seid ihr bereit?“ Das Stück, in schnellem Tempo, sprühend vor trotziger Lebensfreude, heißt denn auch „I couldn’t care less“ – die zweite Single ihres Debüts, seinerzeit ein kleiner Erfolg. Leslie Clio schart ihre Musiker zu einem akustischen Auftritt um sich, gibt sich nun nachdenklich – „wenn wir eines über das Leben gelernt haben“, sagt sie und spricht dabei fraglos von der jüngeren Zeit, „dann, dass wir gar nicht wissen, was es ist. Dieses Nichtwissen macht uns letztendlich zu Menschen.“ Melancholisch singt sie ihren letzten Refrain: „Glad it lasted for a little while“.

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