Lesung in Stuttgart-Zuffenhausen Wilde Musikszene der schwäbischen Provinz

Von Marta Popowska 

Christoph Wagner liest in der Pauluskirche in Stuttgart-Zuffenhausen aus seinem Buch „Träume aus dem Untergrund“ und entführt die Zuhörer dabei in die Zeit der 60er und 70er Jahre.

Der in Balingen aufgewachsene Musikjournalist lebt heute in England. Foto: Manuel Wagner
Der in Balingen aufgewachsene Musikjournalist lebt heute in England. Foto: Manuel Wagner

Zuffenhausen - Wenn über das Buch „Träume aus dem Untergrund – als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“ des Musikjournalisten Christoph Wagner berichtet wird, wird sich immer des wohl größten Aufhängers bedingt: Im Jahr 1969 unternahmen Black Sabbath, die Mitbegründer des Heavy Metal, eine erste Deutschlandtour und die führte sie ausgerechnet ins Schwabenland. Der in Balingen aufgewachsene und heute in England lebende Autor hat die Zeit in den 1960er und 70er hautnah miterlebt und Jahre später rekonstruiert und aufgeschrieben. Am Freitag, 16. Februar, liest er in der Pauluskirche, Unterländer Straße, Natürlich gibt es auch Musik und zwar vom Frederic Rabold-Jazz-Trio, das auch im Buch erwähnt wird.

Black Sabbath in der Schorndorfer Manufaktur

Natürlich sind die Auftritte von Black Sabbath in der Schorndorfer Manufaktur oder im Treppenhaus der – kein Witz – kaufmännischen Berufsschule in Göppingen nur ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild, das Wagner in seinem Buch zeichnet. Denn die Musikszene im Ländle war damals lebendiger, als so mancher heute zu glauben vermag. Beat, Rock, Jazz, Folk und Soul kam nicht nur in Gestalt von bekannten Stars auf die Bühnen, sondern auch lokale Bands wie Wolfgang Dauners Et Cetera (Stuttgart), Guru Guru (Heidelberg), Nine Days’ Wonder (Mannheim), Kin Ping Meh (Mannheim), Checkpoint Charlie (Karlsruhe), Exmagma (Schwäbisch Gmünd), Zupfgeigenhansel (Esslingen), Elster Silberflug (Heidelberg) oder Schwoißfuaß (Bad Schussenried) waren zu der Zeit umtriebig. Wagner macht daher auch deutlich: „Wenn man als Jugendlicher nicht selber aktiv wurde, dann war auch nichts los“. Also mussten Konzerte und Veranstaltungen selbst organisiert werden. „Es war eine Aufbruchszeit, in der viel Veränderungswille bei der Jugend herrschte. Man wollte nicht im Trott der Eltern weitermachen“, sagt er. 1970 war er 14 Jahre alt. An die Zeit erinnert er sich gerne: „Ich sage immer, ich fühle mich als echter 68er, weil man als Teenager die Dinge am intensivsten erlebt.“ Und damals sei viel los gewesen.

Unzählige Kontakte zu Musikern und Fotografen

Vor gut fünf Jahren hat Wagner bereits das Buch „Der Klang der Revolte – Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground“ veröffentlicht, doch er wollte sich noch einmal der schwäbischen Provinz, seiner Heimat widmen. Durch das Vorgängerbuch hatte er schon unzählige Kontakte zu Musikern und Fotografen. „Ich wusste, was für Schätze sie haben“, sagt er.

Im vergangen Oktober hatte Wagner sein Buch im Theaterhaus mit illustren Gästen wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann vorgestellt. Mit dabei war der Jazztrompeter Frederik Rabold, der in Zuffenhausen lebt und immer wieder auch in der Pauluskirche spielt, anwesend. „Dort hat sein Rabold-Jazz-Trio auch musiziert. Er hatte die Idee, das in der Pauluskirche zu wiederholen“, sagt Pfarrer Dieter Kümmel.

Info Der Multimedia-Vortrag am Freitag, 16. Februar, in der Pauluskirche, Unterländer Straße, beginnt um 19.30 Uhr. Auf der Bühne steht das Frederic Rabold-Jazz-Trio mit Frederic Rabold (Trompete), Fritz Heieck (Bass) und Manfred Kniel (Schlagzeug). Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von 7 Euro in der Bücherecke der Pauluskirche, immer freitags von 16 bis 18 Uhr oder an der Abendkasse vor dem Konzert ab 19 Uhr.

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