Vor zehn Jahren hat der spanische Thronfolger Felipe Letizia Ortiz geheiratet. Die Journalistin hat es nicht geschafft, Kopf oder Herz der Spanier für sich zu gewinnen. Die traurige Geschichte beginnt schon mit der Hochzeit.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Madrid - Schon die Hochzeit war ein ziemlicher Reinfall. Gut zwei Monate zuvor hatten islamistische Attentäter vier Madrider Vorortzüge in die Luft gesprengt und dabei 191 Personen getötet, weswegen die Spanier nicht unbedingt in Feierlaune waren. Dann regnete es auch noch in Strömen, so heftig, dass Letizia in ihrem Brautkleid samt viereinhalb Meter langer Schleppe mit dem Auto vom Königspalast zur Kathedrale gleich nebenan gefahren werden musste. Ihr Jawort hauchte sie nur, was zwar ganz ergreifend, aber vielleicht auch schon ein schlechtes Zeichen war. Und als sie sich zwei Stunden später auf dem Palastbalkon an der Seite ihres frischgebackenen Ehemanns Felipe dem Volke zeigte, war zwar endlich der Himmel aufgerissen, aber öffentlich küssen wollte sich das Prinzenpaar nicht.

 

Seitdem ist alles nur noch trauriger geworden. Vor zehn Jahren, am 22. Mai 2004, heiratete der damals 36-jährige spanische Thronfolger Felipe de Borbón y Grecia die fünf Jahre jüngere Fernsehjournalistin Letizia Ortiz. Frisches, bürgerliches Blut für eine in die Jahre gekommene Institution. Die Spanier sind keine Herzensroyalisten, 1931 hatten sie ihren König schon einmal in die Wüste gejagt und sich mit der Wiedereinführung der Monarchie 1975 nur deshalb anfreunden können, weil sich der junge König Juan Carlos als effizienter Streiter für die Demokratie erwies. Mit Letizia stahl sich eine Repräsentantin dieses für alle Fälle skeptischen spanischen Volkes in die Königsfamilie ein. Doch die Institution war stärker als sie. Letizia hat nicht die Monarchie aufgemischt, die Monarchie hat Letizia gezähmt. Bis zur Unkenntlichkeit.

Eine normale Frau aus einer normalen Familie

Letizia war eine normale Spanierin aus einer normalen Familie aus Asturien im Norden des Landes. Sie war höchstens etwas ernsthafter und ehrgeiziger als andere aus ihrer Generation. Schon mit Mitte zwanzig präsentierte sie die Nachrichten erst in einem Privatsender und schließlich im staatlichen Fernsehen TVE, wo Felipe sie sah und sich für sie zu interessieren begann. Kurz vor ihrem 26. Geburtstag hatte Letizia einen Lehrer geheiratet, standesamtlich und nicht kirchlich, so wie die meisten Spanier. Die Ehe hielt nur ein Jahr.

Als Felipe sie ein paar Jahre später zur Frau nahm, musste es natürlich eine katholische Hochzeit sein, auch wenn Spanien ein nicht-konfessioneller Staat ist und niemand der Braut ihre neugewonnenen religiösen Überzeugungen abnahm. In diesem Dilemma lebt Letizia seitdem: Den spanischen Traditionalisten ist die Prinzessin nicht traditionell genug, und alle anderen sehen in ihr eine Karrieristin, die ihre früheren Überzeugungen über Bord geworfen hat, um sich den Bequemlichkeiten des Palastlebens zu ergeben.