Letzte Staffel der Serie „Mad Men“ Nur die Agentur zählt – und die große Liebe

Von StZ 

 

Roger Sterling: Der wahre Held (von Ariane Holzhausen)

John Slattery alias Roger Sterling. Foto: AMC

Der in die Agentur hineingeborene Präsident Roger Sterling (John Slattery) macht die besten Sprüche. So gute, dass es sie längst gesammelt und als Buch zu kaufen gibt. Er ist der einsame graue Werbewolf, der zwar meistens betrunken oder sonst wie auf Drogen unterwegs ist – im richtigen Moment aber doch immer recht nüchtern die richtigen Fäden zieht. Er ist der ewig Suchende, der sich durch Frauenherzen wälzt, um, wenn nicht dort, dann im LSD-Rausch die Antwort auf den Sinn im Leben zu finden. Kurz vor dem Finale will er nicht nur seine Firma retten, sondern alle, die ihm am Herzen liegen. Der Pop-Philosoph ist halt ein Guter. Irgendwie. Die meisten sehen ihn am Ende wohl an der Seite seiner großen Liebe Joan und ihrem gemeinsamen Kind. Aber wäre das ein ordentliches Sterling-Ende? Dafür bleibt Roger hoffentlich zu zynisch.

 

Donald „Don“ Draper: Ein amerikanischer Antiheld (von Eva-Maria Manz)

Jon Hamm alias Donald Draper. Foto: AMC

Das Online-Magazin „Ask Men“ hat die Serienfigur Don Draper (Jon Hamm) einmal zum einflussreichsten Mann der Welt gewählt. Alle wollen sein wie Draper, dieser coole Typ, der alle um den Finger wickelt, schöne Anzüge trägt und viele Frauen hat. Doch die Zuschauer wissen schon lange: Draper ist ein Antiheld mit traumatischer Kindheit im Hurenhaus, mit falscher Identität. Don Draper hat sich ganz amerikanisch selbst erfunden. Doch die Identität ist brüchig. Was will dieser Mann? Einmal sagt er: „Was ist Glück? Es ist ein kurzer Moment, bevor du mehr Glück brauchst.“ Don Draper erlebt Ende der sechsten Staffel einen Zusammenbruch, muss wieder angekrochen kommen, um überhaupt noch mitarbeiten zu dürfen in der Werbeagentur. Der Vorspann der Serie zeigt seit Beginn 2007 einen Mann, dessen Welt zerbricht, aus den Fugen gerät, der ikonografisch betrachtet wie der „Falling Man“ des 11. September 2001 in New York aus dem Hochhaus stürzt. Somit war die Figur Don Draper mit ihren Hochs und Tiefs am Ende auch Ausdruck eines Lebensgefühls in den USA seit den Anschlägen 2001 und vielleicht deshalb für den Erfolg der Serie mit verantwortlich. Wer sind wir eigentlich? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Es wird spannend, wie die Serienschreiber darauf antworten und was mit Don geschieht.

 

Harry Crane: Nerd und Hipster (von Julia Schröder)

Rich Sommer alias Harry Crane. Foto: AMC

Harry (Rich Sommer) ist der kleine Dicke mit der Brille und der Fliege: unterschätzt und unterbezahlt. Aber früh erkennt er die Chancen, die das neue Medium Fernsehen der Werbung eröffnet, und damit beginnt sein Aufstieg bei Sterling Cooper. Irgendwann fühlt er sich sogar stark genug, um es mit Joan aufzunehmen . . . Zuletzt ist er als Leiter der Medienabteilung nach Los Angeles gewechselt, um näher an den Filmleuten dranzusein, und hat für seine Chefs Don und Roger den Cicerone auf drogenschwangeren Kreativen-Partys gegeben. Ihm wäre zu wünschen, dass irgendwann sein Büro groß genug ist, um seine Wahnsinnskoteletten drin unterzubringen.