Letzter Tatort aus München Zwei Legenden treten ab – bekommen Batic und Leitmayr ein würdiges Finale?

Im Jahr, als Schimanski aufhörte, traten sie den Dienst an: Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Miroslav Nemec als Ivo Batic. Foto: BR/Hendrik Heiden

Die Münchner Tatortkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr gehen in den Ruhestand. Nach 35 Jahren hören Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl mit der Doppelfolge „Unvergänglich“ auf.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Legenden treten selten leise ab. Das schwingt mit, wenn am Osterwochenende die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) ein letztes Mal im „Tatort“ antreten, um Schurken zu jagen. Die 100 Folgen machen sie voll, 35 Jahre, 1991 bis 2026: Da sagt man nicht einfach leise Servus. Oder doch? Und vor allem: Bloß nicht erschießen lassen!

 

Die Messlatte liegt hoch. Man erwartet wohl mindestens einen Abgang à la Schimanski. Der ikonische Pott-Kommissar, verkörpert von Götz George, segelte 1991 in den Himmel über Duisburg – vom Dienst suspendiert und am Flugdrachen hängend. Grinste und schrie ein letztes Mal laut „Scheiße“ in die deutschen Wohnzimmer. Das gehörte sich damals im Fernsehen nicht. Die Zeiten ändern sich, dass die Münchner oft „Scheiße“ sagen, juckt heute nicht mehr.

Derart exaltiert würde es nicht werden, soviel war längst klar. Das ist nicht der Stil von Batic und Leitmayr. Ermittelnd, bis zur letzten Sekunde ihren Nasen und ihrem Bauchgefühl vertrauend, so wollen wir sie in den Sonnenuntergang reiten sehen.

Tatort-Doppelfolge „Unvergänglich“ – Ausgang ungewiss

Schon seit Jahren kokettieren die zwei, wenn es ihnen die Drehbuchschreibenden in den Mund legen, immer wieder mit ihrem Alter. Oder, wie zuletzt, lobten sie ihren designierten Nachfolger „Kalli“ (Ferdinand Hofer), natürlich mit keckem Eigenlob: „Den ham wir gut hinbekommen.“

Eins vorweg: Es ist dem Bayerischen Rundfunk ein Geniestreich gelungen. Journalistinnen und Journalisten, die den „Tatort“ besprechen, dürfen die neue Folge normalerweise bis zum Schluss sehen. Und dieses Mal: Cut. Die Auflösung kommt am Ostermontag, kein Spoilern möglich.

Der letzte Fall hat es in sich, ein sauberes und würdiges Finale. Die in Ehren ergrauten Herren verabschieden sich mit einer Doppelfolge. Fast schon über die Maße konventionell kommt der erste Teil von „Unvergänglich“ am Sonntag daher, jedoch mit Riesenrätsel als Ouvertüre. Vier Tage vorm Abschied taucht eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche auf. Bevor sie verbrannt wurde, hatte jemand auf sie geschossen. Diesen Fall allein dem Nachfolger Kalli Hammermann überlassen? Nein. Vier Tage – das wäre doch gelacht. Joa mei. Wird schon passen.

Und zunächst scheint es auch so, als sei das geglückt. Die beiden decken auf, welche Vorgeschichte der Tod einer Handlungsreisenden in Sachen Autowaschanlagen hat. Offenbar hat sie in untervermieteten Ferienwohnungen gewohnt. Die Kommissare entdecken eine Schattenwelt – und neue Seiten aneinander. So findet Ivo Batic heraus, dass sein Kompagnon überraschend gut informiert ist, wenn es um Untervermietungen geht – ob er das auch macht, das verrät „der Franz“ nicht. Aber dass er plant, sich als Hobbygärtner zu betätigen, zum Erstaunen des Ivo Batic schon.

Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) bleibt im Team. Foto: BR/Hagen Keller

In besagte Wohnungen nisten sich Kleinkriminelle heimlich ein, wenn sie frei sind. Ob es deswegen zur tödlichen Begegnung kam, das soll aber jetzt auch nicht gespoilert werden. Am Ende ist eine scheinbar logische Lösung da, die Herren halten Entlassungsurkunden in der Hand, nehmen eine kleine Schachtel Habseligkeiten mit und gehen – nicht so ganz.

Teil zwei am Ostermontag: Weder wird Leitmayr als Autoschrauber glücklich, noch Batic mit seiner neuen Liebe – einer Wohnung in Kroatien, wo er sich im Küstenstädtchen auch als Alleinunterhalter im Tanzcafé verdingt. Bis, ja bis der Anruf einer dieser Kleinkriminellen kommt – und die zwei sich wieder zusammentun, auf eigene Faust ermitteln. Ob sie dabei ihren mantragleich vorgetragenen Vorsatz „Nicht erschießen lassen“ im letzten Fall erfüllen? Mal sehen.

Co-Stars Lisa Wagner und Michael Fitz schauen im Finale vorbei

Neben einem spannenden Fall von Johanna Thalmann und Moritz Binder, denen auch schon „Dreams“ zu verdanken war, bekommt das Publikum: ein Stelldichein der Co-Stars. Lisa Wagner als Fallanalytikerin Christine Lerch schaut vorbei, und der beste Carlo (Michael Fitz) aller Zeiten, dem das Geld in Thailand ausgeht, taucht auf.

Es ist das Ende einer Ära. Zwei kernige Gentlemen, die auf leise Art das Image der „Tatort“-Kommissare gewandelt haben. Sie haben es geschafft, in „Frau Bu lacht“ eine Täterin gehen zu lassen (1995). Empathie über Gesetz – das können sich nicht viele Polizisten am Sonntag um 20.15 Uhr erlauben. Der BR hat dem Amoklauf vom Olympiazentrum eine Folge nachempfunden, auch ein Highlight aus den 100 Abenden mit Leitmayr und Batic. Anspielungen, ohne voyeuristisch das reale Vorbild auszunutzen. Und nicht zuletzt ist da der integrative Geniestreich, einen Kroato-Bayern einem Bilderbuch-Münchner, der natürlich Franz heißen muss, an die Seite zu stellen. Heutzutage nicht mehr erwähnenswert, 1991 brillant.

Die Fußstapfen sind groß, und Kalli auf einem guten Weg. Wenn jetzt nicht die bange Frage wäre: Klappt dieses „Nicht erschießen lassen“ im letzten Fall an Ostern?

Tatort „Unvergänglich“,ARD, Folge 1 am Ostersonntag, 20.15 Uhr, Folge 2 am Ostermontag, 20.15 Uhr.

In der ARD-Mediathek sind alle Tatort-Folgen sechs Monate lang als Stream verfügbar. Aus Jugendschutzgründen kann der Tatort nur zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gestreamt werden.Gleichzeitig zur TV-Ausstrahlung zeigt das Erste den aktuellen Tatort auch als Livestream. Hier geht es zur ARD-Mediathek

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