Mönchengladbach - Die deutsche Spielführerin erhält wohl eine schöpferische Pause. Doch ein Verzicht auf Birgit Prinz im dritten Gruppenspiel gegen Frankreich am Dienstagabend (20.45 Uhr) in Mönchengladbach muss nicht das vorzeitige Aus bei der Frauenfußball-WM und damit das vorgezogene Karriereende der 33-Jährigen bedeuten.

Bundestrainerin Silvia Neid hat der zuletzt enttäuschenden Prinz jedoch offenbar klar gemacht, dass ihr eine Auszeit nach den bisher gezeigten Leistungen und der folgenden Kritik der Medien gut täte. „Ich hatte ganz gute Gespräche mit ihr und wir sehen das beide ähnlich“, hatte Neid vor dem Abschlusstraining am Montagabend die Einvernehmlichkeit betont.

Prinz kommt "aus der Schusslinie"

Bei der abschließenden Übungseinheit im Borussia-Park wirkte Prinz so locker und befreit wie zuvor ihre Trainerin im Mediengespräch. Zwar bestätigte Neid nicht ausdrücklich, Prinz auf die Bank zu verbannen. Doch Zweifel bestehen kaum. „Es ist der momentanen Situation geschuldet. Ich denke, dass sie eine Auszeit bekommt, um sie aus der Schusslinie zu nehmen“, sagte Siegfried Dietrich, Manager ihres Clubs 1. FFC Frankfurt, am Dienstag.

Einen Verzicht empfindet er keineswegs als Demontage der deutschen Rekordnationalspielerin, die in 214 Länderspielen 128 Tore erzielte. „Es ist auch eine Chance für sie, sich danach zu rehabilitieren. Ich bin sicher, dass sie im Viertelfinale wieder dabei ist. Und ich denke, sie kann der Mannschaft mit ihrer Erfahrung bei der WM noch helfen“, sagte Dietrich, der der erfolgreichsten Fußballerin einen „würdigen Abschied“ wünscht.

Potsdamer Trainer: Prinz ist "Sündenbock"

Nach der WM ist Schluss, das hatte Prinz bereits weit vor dem Heim-Turnier angekündigt. Allerdings wollte sie ihre fünfte WM „einfach genießen“ und am liebsten mit dem dritten Titel abtreten. Der Potsdamer Meistertrainer Bernd Schröder bewertet die Diskussion um die Fußball-Ikone anders als Dietrich. „Ich kann der Bundestrainerin nur raten, Birgit von Anfang an spielen zu lassen, sonst würde sie ihre Spielführerin so beschädigen, dass sie sie gleich nach Hause schicken kann“, hatte Schröder im Fachmagazin „Kicker“ erklärt.

Dass ausgerechnet jetzt alle auf Prinz „rumhacken“ und zum „Sündenbock“ erklären, mache ihn „wahnsinnig“, so Schröder. Seiner Ansicht nach hat Prinz seit Monaten nicht mehr die volle Leistung gebracht, weshalb man alles vor der Weltmeisterschaft hätte klären sollen. „Silvia Neid hätte in vielen Spielen vor der WM Birgit auf die Situation vorbereiten müssen. Wenn man sie aber nominiert, dann muss man auch zu ihr stehen.“

Ob es noch ein Happy End für die in diesem Jahr in sechs Länderspielen torlose Prinz geben wird, ist schwer abzusehen. Wenn der Knoten nach den eher dürftigen Leistungen gegen Kanada (2:1) und Nigeria (1:0) beim Team nun ohne Prinz platzen sollte, fehlen Neid eigentlich die Argumente, sie im Viertelfinale wieder in die Startelf zu berufen. Dann würde Prinz womöglich ihr Karriereende auf der Bank oder als Einwechselspielerin erleben. Das wäre kein würdiger Abschied.