Leutenbach Die größte Rockband Leutenbachs

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Für die größte Rockband Deutschlands hat es beim Dalmstock Open Air nicht ganz gereicht. Die Nachwuchsbands sind beim Musikfestival vor überwiegend jungem Publikum aber gut angekommen.

Antonio und weitere 35 Mitstreiter greifen in die Saiten. Foto: Frank Eppler
Antonio und weitere 35 Mitstreiter greifen in die Saiten. Foto: Frank Eppler

Leutenbach - Antonio hat die Gitarre griffbereit und wartet auf seinen Auftritt. Zusammen mit möglichst vielen anderen will der 17-Jährige aus Plochingen gleich auf die Bühne steigen, die am Rande des Leutenbacher Sportgeländes am Buchenbach aufgebaut ist, und den Rekord knacken, der 2009 im westfälischen Ibbenbühren aufgestellt worden ist. 128 Hobbymusiker sind dort seinerzeit als bisher größte deutsche Rockband Deutschlands aufgetreten. Im Rahmen des Leutenbacher Dalmstock Open Air soll noch mindestens einer drauf gesetzt werden.

Auch der Bürgermeister Jürgen Kiesl ist gekommen – leider ohne Gitarre, denn selbst für „Smoke on the Water“, das gleich angestimmt werden soll, reiche sein musikalisches Vermögen nicht ganz aus, räumt der Schultes ein. „Schlagzeug wäre vielleicht etwas anderes gewesen, wirbeln bin ich ja gewohnt.“ Dafür hat er die Schirmherrschaft für das Musikfestival übernommen, bei dem an zwei Tagen ansonsten vornehmlich Nachwuchsbands auftreten. Es ist in diesem Jahr bereits die 17. Auflage.

Dann geht es los. Einer nach dem anderen erklimmt die Bühne. Doch es zeichnet sich relativ rasch ab, dass Ibbenbühren den Titel behalten wird. „Gibt’s noch jemanden, mit Gitarre?“, fragt Hansi Derer, der umtriebige Winnender Musikpromotor, der den jungen Organisatoren von der örtlichen Rockinitiative ehrenamtlich beratend zur Seite steht. „Nur Luftgitarre“, sagt ein Besucher und grinst. 36 sind es am Ende, die zusammen mit der Nellmersbacher Gruppe Setback das Lied von Deep Purple anstimmen. Immerhin. „Das ist auf jeden Fall die größte Rockband Leutenbachs“, tröstet Derer und verweist nebenbei darauf, dass unter den Akteuren ein legendärer Ex-Rekordhalter sei.

Andreas Vokrot von der Coverband Party Blues hatte es 2008 in Echterdingen (Kreis Esslingen) tatsächlich zu einem Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde geschafft. Damals stimmten 1802 Gitarristen ebenfalls Smoke on the Water an, dirigiert von Massenchorleiter Gotthilf Fischer. Doch auch das ist mittlerweile längst Geschichte. Polen halte jetzt den Weltrekord, sagt Vokrot. Mit mehr als 6000 Akteuren. „Allerdings haben die vor einem Revival-Konzert von Deep Purple ungleich bessere Rahmenbedingungen gehabt.“

Antonio indes hat sich mit wenigen Akkorden die Anerkennung von Nina verdient. Der Winnenderin gehört die Gitarre, mit der er gespielt hat. Nach den Erlebnissen von Freitagabend war Nina am Samstag emotional noch ein wenig verschnupft. Am Vorabend war sie sogar stinksauer gewesen. Als sie da nämlich zusammen mit ihrer Freundin Annabel das Konzert besuchen wollte, stellten die Securityleute auf stur und verwehrten ihr den Einlass. Dabei war es noch nicht einmal zwölf Uhr, und die 16-Jährige konnte die schriftliche Erlaubnis ihrer Eltern vorlegen, auch über Mitternacht hinaus unterwegs sein zu dürfen. „Die haben gesagt, die Erlaubnis könnte ja gefälscht sein“, sagt Nina und hätten auf ein offizielles Formular verwiesen, das die Veranstalter ins Internet gestellt hätten. Doch davon habe sie gar nichts gewusst.

Es habe sehr lange gedauert, bis sich alles aufgeklärt habe und der Hilfe von Annabel bedurft, sagt Nina. Die ebenfalls 16-Jährige ist die Nichte von Lars Besa. Dass der viele Jahre lang selbst mit seiner Gruppe Normahl beim Dalmstockfestival aufgetreten ist, habe den Sicherheitsdienst nicht beeindruckt. Allerdings hat sich der Punkmusiker mittlerweile in der bürgerlichen Geschäftswelt etabliert – und sein Installationsbetrieb ist just diesmal einer der Hauptsponsoren des Festivals gewesen.