Leuze-Wirt befürchtet Schließung „Womöglich muss ich aufgeben“

Von Michael Weier 

Corona trifft Wirte wirtschaftlich hart, Denis Ilicic trifft die Pandemie härter. Der Stuttgarter betreibt die Restaurants im Leuze und im Inselbad, selbst bei schönstem Wetter darf hier nur ein Bruchteil an Badegästen rein im Vergleich zu früher.

Lena und Denis Ilicic Foto: StZ
Lena und Denis Ilicic Foto: StZ

Stuttgart - Das Wochenende war der beste Beleg: In der Spitze 15 000 Besucher kamen an solchen Hitzetagen ins Untertürkheimer Inselbad, in diesem Corona-Jahr dürfen sich genau 1050 Besucher abkühlen. Für den Betreiber der Bad-Gastronomie eine mittlere Katastrophe.

Herr Ilicic, die Corona-Pandemie trifft sie gleich dreifach hart?

Ja. Erst der Lockdown. Als dann die anderen Lokale wieder öffnen durften, blieben die Bäder geschlossen. Und nun darf nur ein Bruchteil an Badegästen rein. An Spitzentagen wie heute wären es normal bis zu 15 000 Besucher gewesen, jetzt sind es seit Donnerstag 1050 Gäste. Aber das ist noch nicht alles!

Bitte?

Dadurch, dass die Badegäste in zwei Schichten kommen, fällt der Mittagstisch weg. Die erste Schicht muss ja um 13 Uhr das Bad verlassen, die zweite kommt um 14.30 Uhr. Früher waren die Schlangen an solchen Tagen 50 Meter lang, nun gibt’s keine mehr. Und das war immer noch nicht alles!

Noch mehr schlechte Nachrichten?

Ja, denn ich mache zudem noch das Leuze. Und das durfte erst jetzt öffnen. Natürlich ebenfalls mit Auflagen. Wenn das so weitergeht, steht das Leuze auf der Kippe, im schlimmsten Fall muss ich da die Reißleine ziehen.

Weil sie auf Dauer ja nicht nur draufzahlen können.

Genau. Momentan sind wir im fünfstelligen Minusbereich. Während andere Kollegen sich den alten Umsätzen zumindest annähern, hatten wir im Juni ein Minus von 92 Prozent. Der Existenzgrund von Problemen, sage ich immer, liegt darin, dass sie gelöst werden. Aber nun habe ich erstmals festgestellt, dass ich auf Fragen keine Antwort habe. Ohne einen KfW-Kredit wäre es nicht gegangen.

Eigentlich hätten sie gar nicht aufmachen dürfen, oder wie?

Das wäre das absolute Horrorszenario. Mein Herz hängt doch am Inselbad! So etwas macht doch nur ein Verrückter. Du lebst von den Hammertagen, bist im Sommer aber unter Dauerstrom und arbeitest 16 Stunden am Tag. Aber das war ja das Lebensgefühl im Inselbad, das gewaltige Remmidemmi. Und dafür haben wir etwas ziemlich Einmaliges geschafft.

Und das wäre?

Unsere Gastronomie sucht sicher ihresgleichen. Bei uns gibt’s Süßkartoffel-Pommes mit Avocado-Dip, vegane Gerichte, das Fleisch beziehen wir vom regionalen Metzger, Salat und Gemüse vom örtlichen Handel. Wir haben trotz rückläufiger Besucherzahlen den Umsatz gesteigert, das geht nur mit viel Leidenschaft.

. . . die Sie nun kämpfen lässt

In diesem Jahr feiern wir 20-jähriges Bestehen, ich bin 50 geworden – das Corona-Jahr ist schon was ganz Besonderes. Ich sage mir deshalb auch: Du musst das überstehen! Wobei man nüchtern sagen muss: Das geht nur maximal eine Saison, eine zweite überstehen die wenigsten.




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