Leuzetunnel in Bad Cannstatt Der Kurztunnel hat Priorität

Von Uli Nagel 

Wegen der Vertragskündigung mit Wolff & Müller gab es Bauverzögerungen im Bereich des Leuzeknotens, die nicht mehr aufzuholen sind. Die Stadt plant die Fertigstellung erst Ende 2023.

Die Arbeiten am Leuzeknoten lagen monatelang still.Foto: Nagel

Bad Cannstatt - Der Bau des Rosensteintunnels samt Umbau des Leuzeknotens ist eines der größten Straßenbauprojekte im Lande. Im Baubereich Leuze, Starschuss war 2013, gerieten die Arbeiten allerdings ins Stocken, weshalb die Landeshauptstadt den Vertrag mit der dafür verantwortlichen Firma Wolff & Müller Ingenieurbau GmbH im Frühjahr 2017 gekündigt hatte. Was sich seitdem dort getan hat und wie der neue Zeitplan aussieht, erklärt Projektleiter Christian Buch.

Herr Buch, was ist seit der Kündigung des Bauvertrags am Leuzeknoten passiert?

Wir haben diesen Bereich in mehrere Vergabeeinheiten aufgeteilt, um die die erforderlichen Bauarbeiten sukzessive schneller ausschreiben zu können. Wichtige Arbeiten im Bereich des Kurztunnels sowie auf der Cannstatter Straße wurden sofort erledigt, womit auch die Geh- und Radwegführung vor dem Leuzebad deutlich verbessert wurde. Die Tunnelbauarbeiten selbst wurden in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der erste, das sogenannte Los 1, beinhaltet den Bau des Kurztunnels, der künftig den U-Turn ersetzt und den Verkehr von der Wilhelma und der B14 aus Esslingen in Richtung Innenstadt aufnehmen wird. Das Los 2 beinhaltet die Fertigstellung der dritten Leuzeröhre, den Neubau der Rampenbrücke sowie die Sanierung der ersten und zweiten Leuzeröhre.

Welches Los wird zuerst realisiert?

Ohne den Kurztunnel kann die dritte Leuzeröhre nicht fertiggestellt und in Betrieb gehen. Auch der Bau die Rampenbrücke für den Verkehr in Richtung Bad Cannstatt kann erst beginnen, wenn der Kurztunnel fertig ist. Darüber hinaus ist der Kurztunnel für die Wegebeziehungen vom Mineralbad Leuze in den Rosensteinpark erforderlich, das Widerlager für den Rosensteinsteg 2 entsteht auf dem Kurztunnel. Deshalb haben wir das Los 1, also den Kurztunnel, zuerst ausgeschrieben. Die Bauarbeiten werden durch die Firma Züblin ab Oktober 2018 ausgeführt. Im Frühjahr 2020 wollen wir den Tunnel in Betrieb nehmen.

Apropos Brücke, wann wird man wieder über den Fußgängersteg vom Mineralbad Leuze in den Rosensteinpark laufen können?

Wir wollen den Rosensteinsteg II unverzüglich nach der Rohbaufertigstellung des Kurztunnels wiederaufbauen. Mitte 2020 soll der Fußgängersteg wieder in Betrieb genommen werden.

Und wie geht es weiter an der 3. Leuzeröhre?

Wir haben das Vergabeverfahren gestartet und zum Jahreswechsel wollen wir mit einem neuen Partner zügig ans Werk gehen.

Werden die Bauarbeiten für die dritte Leuzeröhre den Straßenverkehr behindern?

Für den Bau der Tunnelbauwerke erwarten wir keine Beeinträchtigungen, die über die bisher bekannten hinausgehen. Der derzeitige Geh- und Radweg vor dem Mineralbad Leuze wird sich jedoch bis zum Frühjahr 2019 noch ändern und auf die bereits hergestellte Wegeführung umgeleitet. Die Wegbreiten werden sich verbessern, allerdings kommt es zu einer Wegverlängerung von etwa 150 Metern.

Gibt es hier, wie beim Kurztunnel, bauliche Abhängigkeiten?

Ja, denn die dritte Leuzeröhre kann – wie bereits am Anfang erwähnt – erst dann fertiggestellt werden, wenn der Kurztunnel in Betrieb genommen wurde. Das hängt mit den notwendigen Kanalbaumaßnahmen zusammen. Außerdem muss die heute vorhandene Rampe der B14 in Richtung Innenstadt zur Herstellung des Tunnelportals der dritte Leuzeröhre zurückgebaut werden. Zudem können wir den heutigen Leuzetunnel erst sanieren, wenn die dritte Röhre in Betrieb ist und als Umleitung genutzt werden kann. Auch für den Bau der Rampenbrücke, die zukünftig die neue Fahrbeziehung aus Richtung Wilhelma kommend Richtung Bad Cannstatt ermöglicht, benötigen wir die fertiggestellte dritte Röhre. Dies führt in Summe zu einer Gesamtfertigstellung Ende 2023.

Sehen Sie noch Optimierungspotenzial, um schneller fertig zu werden?

Wir hatten geprüft, eine der bestehenden Leuzeröhren im Gegenverkehr zu betreiben, wie im Heslacher Tunnel – das Risiko für einen sicheren Betrieb war jedoch zu groß. Klar ist für die Stadt: die Gesamtmaßnahme verzögert sich erheblich, weil die Firma Wolff&Müller die Bauarbeiten jahrelang nicht vorangebracht hat.

Die Bagger und Baumaschinen, die am Leuze-Spielfeld vor kurzem noch standen, sind verschwunden. Warum?

Die Bauarbeiten auf dem Spielfeld des Leuzebads sind abgeschlossen und die Volleyballanlage, Boulebahn und Rasenfläche werden wiederhergestellt. Für die Arbeiten an der dritten Leuzeröhre benötigen wir aber weiterhin einen deutlichen Teil der Liegewiese vom Leuzebad.

Gibt es denn auch Abhängigkeiten zum anderen Teil des Gesamtprojekts B10-Rosensteintunnel?

Der Rosensteintunnel liegt baulich voll auf Kurs und wird nach derzeitigem Stand 2020 in Betrieb gehen. Die über vier Jahre Verzögerung im Baubereich B10/B14-Verbindung am Leuze ändert natürlich unsere Planung bei der Teilinbetriebnahmen. Gegenüber der ursprünglichen Planung geht nun zuerst der Rosensteintunnel in Betrieb. Grundsätzlich können die beiden Teilprojekte aber unabhängig voneinander gebaut werden.

Wie weit sind die Arbeiten in den beiden Röhren?

Die Rohbauarbeiten im Tunnel sind mit dem Einbau der Zwischendecke nahezu abgeschlossen. Jetzt folgen sowohl der Fahrbahnbau sowie das Einrichten der Betriebs- und Verkehrstechnik ab dem kommenden Jahr. Auch die sogenannten Tröge für die Anbindung der Fahrbahnen an die Tunnelöffnungen sind auf einem guten Weg. Zudem baut die SSB in der Pragstraße an der neuen Haltestelle und verlegt die Gleise. Denn der neue Stadtbahnhalt Rosensteinpark soll 2019 bereits in Betrieb gehen.

Ab wann gelangen Fußgänger und Radfahrer von der Altstadt wieder über den Neckar und die Neckartalstraße in den Rosensteinpark oder in die Wilhelma?

Passanten und Fahrradfahrer müssen sich noch bis 2020 gedulden. Sobald die Brückenbauer der Deutschen Bahn grünes Licht geben, können Fußgänger und Radler den Neckar an dieser Stelle wieder überqueren. Gleichzeitig errichtet das Tiefbauamt auch den neuen Steg über die Neckartalstraße und die Stadtbahngleise in den Park. Allerdings ist die für Radfahrer vorerst leider nicht benutzbar. Denn in diesem Bereich befindet sich noch die Baustraße für Stuttgart 21. Und das Milliarden-Projekt soll erst 2025 fertig werden – so jedenfalls der Stand heute.