Liam Neeson in „Run all Night“ Action mit Sinn und Verstand

Von Axel Bussmer 

Schnelle Schnitte und Computereffekte sind nicht alles, womit sich Spannung erzeugten lässt. Wenn Liam Neeson in „Run all Night“ gegen den irischen Mob und die Polizei gleichzeitig antritt, geht es auch um Charakterfragen.

LIam Neeson hat sich auf seine alten Tage zum Old-School-Rabatzmacher des Kinos entwickelt. Foto: Warner Bros.
LIam Neeson hat sich auf seine alten Tage zum Old-School-Rabatzmacher des Kinos entwickelt. Foto: Warner Bros.

Stuttgart - Nach dem vergurkten, aber erfolgreichen „96 Hours – Taken 3“ hat Liam Neeson sich wieder mit dem Regisseur Jaume Collet-Serra zusammengetan. Ihre dritte Zusammenarbeit schließt nahtlos an den in Berlin spielenden Paranoia-Thriller „Unknown Identity“ und den über dem Atlantik spielenden Geiselnahme-Thriller „Non-Stop“ an. Dieses Mal geht die Reise nach New York, und Collet-Serra legt nach der Buchvorlage von Brad Ingelsby ( „Auge um Auge – Out of the Furnace“) mit „Run all Night“ einen waschechten Gangster-Thriller mit Action vor.

Die Geschichte ist denkbar einfach, bietet aber genug Variationen, um auch dem Genrejunkie zu gefallen. Liam Neeson spielt Jimmy Conlon, einen Killer für den irischen Mob, jetzt ein mittelloser, von Schuldgefühlen geplagter Trinker und Witwer ohne Kontakt zu seinem Sohn. Nur Shawn Maguire (Ed Harris), dem der Wandel vom Gangster zum halbwegs ehrbaren Geschäftsmann gelungen ist und dessen ehrgeiziger Sohn Danny (Boyd Holbrook) helfen ihm immer wieder.

Schuld, Sühne und Loyalitäten

Als Danny einen albanischen Drogenhändler umbringt, beobachtet Mike (Joel Kinnaman), Jimmy Conlons ehrlicher Sohn, die Tat. Der alte Maguire bittet Conlon, mit Mike über die Sache zu reden, der junge Maguire indes will den Zeugen ermorden. Conlon erschießt ihn, und schon beginnt die Menschenjagd quer durch New York, in der Conlon seinen Sohn vor falschen Entscheidungen, der Mafia und der Polizei schützen muss.

Jaume Collet-Serra erzählt diese in einer Nacht spielende Noir-Geschichte über Väter und Söhne, Schuld, Sühne und Loyalitäten mit mehreren feinen Action­sequenzen auf der Straße, in der U-Bahn, auf den Gleisen eines Güterbahnhofs und in einem sozialen Wohnungsprojekt. Dort kommt es zu einer Verfolgungsjagd über mehrere Etagen und Gebäude, in die alle zentralen Charaktere involviert sind. In jeder der furiosen, die Handlung vorantreibenden, gut geschnittenen Actionszenen erfahren wir mehr über die Charaktere. Das klingt banal, schließlich sollte just die Vertiefung der Charaktere die Essenz jeder Actionszene sein. Aber das wird heute viel zu oft zu Gunsten eines l’Art pour l’Art der Spannung vergessen.

„Run all Night“ findet die richtige Balance zwischen Action und Sentiment. Der Thriller orientiert sich dabei am Siebziger-Jahre-Gangsterkino und beeindruckt mit guten Schauspielern und unverbrauchten Bildern aus New York.

Run all Night. USA 2015. Regie: Jaume Collet-Serra. Mit Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Nick Nolte. 115 Minuten. Ab 16 Jahren.