Lichtenwald Aufschwung für die Gemeindepartnerschaft

Der Bürgermeister von Fleurieu-sur-Saône Gérard Berrucaz, Véronique Guillaud, Karin Heuberg, Übersetzerin Francoise Stief, der ehemalige Bürgermeister Hubert Guimet und Lichtenwalds Bürgermeister Ferdinand Rentschler (von links) beim Kinderfest Foto: /Peter Stotz

Die Gemeinden Lichtenwald und Fleurieu-sur-Saône in Frankreich wollen ihre Partnerschaft intensivieren. Künftig soll besonders der Austausch auf den Ebenen der Familien und der Vereine in den Blick genommen werden.

Die Partnerschaft zwischen Lichtenwald und der französischen Gemeinde Fleurieu-sur-Saône soll intensiviert werden und eine neue Qualität erhalten. Darauf haben sich die beiden Partnerschaftskomitees und die Verwaltungen beim Besuch einer 50-köpfigen Gruppe aus Lichtenwald in der Partnergemeinde verständigt. Dabei soll künftig besonders der Austausch auf der Ebene der Familien und der Vereine in den Blick genommen werden.

 

Karin Heuberg, die Vorsitzende des Lichtenwalder Partnerschaftskomitees, hatte vor wenigen Wochen ein schrumpfendes Engagement für die im Jahr 2016 offiziell besiegelte Gemeindepartnerschaft und ein relatives Desinteresse im Gemeinderat beklagt. Um die Beziehung zu Fleurieu-sur-Saône mit neuem Leben und frischem Schwung zu versehen, hatte das Lichtenwalder Komitee Familien, die Grundschule und die Vereine zum Austausch unterhalb der Ebene der Funktionäre eingeladen. Kürzlich reisten nun 50 Lichtenwalder, darunter die Gemeinderätinnen Constanze Pfaff und Martina Häußermann sowie Bürgermeister Ferdinand Rentschler, zumeist aber Familien mit Kindern, mit einem Bus und einigen Pkw für ein Wochenende nach Fleurieu-sur-Saône.

„Zum ersten Mal in der jungen Geschichte unserer Freundschaft erleben wir einen Austausch, der nicht auf der offiziellen Ebene von Komitees, der Verwaltungen, der Feuerwehr oder der Kunst stattfindet, sondern auf der Ebene der Familien, der Kinder und der Jugend – das ist die Zukunft“, sagte Gérard Berrucaz, der Bürgermeister von Fleurieu-sur-Saône, zur Begrüßung der Besucher.

Die Gäste waren bei Familien untergebracht. Das Partnerschaftskomitee von Fleurieu hatte ein Kinderfest organisiert, bei dem die Kinder in deutsch-französischen gemischten Gruppen auch ohne Sprachkenntnisse Aufgaben lösten, gemeinsam spielten und viel Spaß hatten. Gäste und Gastgeber kamen zudem bei einem Zauberei-Festival und einem Dorfhock zusammen.

Wie Véronique Guillaud, die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees von Fleurieu, feststellte, ist durch den Kontakt der Familien „ein wichtiger Schritt für die Partnerschaft“ getan worden. „Mit dem Austausch auf der Ebene der Familien haben wir eine neue Qualität erreicht. Nach diesem Wochenende wissen die Kinder und die Eltern, wie es bei uns ist, wie wir leben und wie wir feiern. Ich denke, nun wird die Freundschaft zwischen den Familien in unseren Gemeinden wachsen“, sagte sie.

Schulpartnerschaft im Blick

Aufseiten der Gäste aus Lichtenwald stieß dies auf große Zustimmung. „Wir sind so großartig und so herzlich aufgenommen worden; ich hoffe, wir schaffen das auch, wenn wir die Leute aus Fleurieu zu uns einladen“, sagte Sandra Feifer, Mitglied des Elternbeirats der Grundschule Lichtenwald. Was Festkultur, sozialer Zusammenhalt und nachbarschaftliches Verhältnis anbelangt, „können wir viel lernen. Und es wäre schön, wenn die Kinder sagen würden: Es war so toll, lasst uns da bald wieder hingehen“. Sie wolle all die guten Erfahrungen auch den anderen Eltern weitergeben und gemeinsam mit anderen „kräftig Werbung für die Partnerschaft machen“. Eine bereits 2016 diskutierte Partnerschaft zwischen den Grundschulen der beiden Gemeinden konnte auch bei diesem Besuch aufgrund des Widerstands der dortigen Schulleitung nicht vorangebracht werden. Bettina Schopf, die Leiterin der Grundschule Lichtenwald, sah jedoch ebenso wie die Elternvertreter große Chancen auf der Ebene persönlicher Kontakte. „Ich bin sehr zufrieden damit, wie sich alles entwickelt. Die deutschen und die französischen Kinder waren glücklich, und ich habe von unseren Eltern nur positive Rückmeldungen bekommen. Ich gehe davon aus, dass sie ihre Erfahrungen weitertragen werden und dass sich sehr viel tun wird“, sagte sie.

Konkrete gemeinsame Projekte

Auch Karin Heuberg sah in der Fokussierung auf die Familien den richtigen Ansatz: „Das ist die Basis, auf der wir zusammenkommen. Zu beklagen sei , dass die Lichtenwalder Vereine nicht auf die Einladung zum Austausch reagiert hatten. „In den kommenden Wochen wird ein Treffen der Teilnehmer für einen Rückblick stattfinden“, kündigte sie an. Dabei sollen auch Vorschläge für künftige gemeinsame Aktionen mit den Familien in Fleurieu sowie die Möglichkeiten zur Verbreiterung der Basis auch unter Einbeziehung der Vereine besprochen werden. „Und dann geht es mit Elan nach vorne.“

„Es war geplant, dass sich die Familien aus den Gemeinden näherkommen, und das ist hervorragend gelungen. Was bisher im relativ kleinen Kreis geschah, kann jetzt größer werden“, freute sich Rentschler. Constanze Pfaff erwog bereits einige konkrete gemeinsame Projekte, etwa der Kinderchöre, der Sportler, aber auch der Schüler weiterführender Schulen. „Wir haben hervorragende Rückmeldungen. Die Familien werden dabei bleiben. Insgesamt ist das eine rundum gelungene Sache“, sagte sie.

Gemeindepartnerschaft

Fleurieu-sur-Saône
Die Gemeinde Fleurieu liegt etwa 650 Kilometer von Lichtenwald entfernt nahe Lyon. Fleurieu-sur-Saône ist verwaltungstechnisch in das Arrondissement Lyon eingegliedert. Die Gemeinde hat etwa 1500 Einwohner. Bürgermeister ist seit dem Jahr 2020 Gérard Berrucaz.

Austausch
Die Gemeindepartnerschaft wurde im Jahr 2016 bei Besuchen offizieller Delegationen in den Gemeinden besiegelt. Zuvor hatten einige Bürger in Fleurieu ein Partnerschaftskomitee gegründet und diverse deutsche Gemeinden vergleichbarer Größe angefragt. Nach ersten Kontakten wurde auch in Lichtenwald ein Komitee gegründet. Karin Heuberg ist Vorsitzende in Lichtenwald, Véronique Guillaud leitet das Komitee in Fleurieu.

Planungen
Die Teilnehmer der jüngsten Reise werden in den kommenden Wochen zusammenkommen. Neben einer Rückschau soll überlegt werden, wie weitere Familien und die Vereine für das Projekt gewonnen werden können. Wer sich für die Partnerschaft engagieren möchte, kann sich bei Karin Heuberg unter Telefon 0171/4485180 oder per Mail an karin-heuberg@web.de melden.

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