Wenn Schneeflocken auf die Straßen der Fildern fallen oder die Verbindungswege drohen, sich in spiegelglatte Flächen zu verwandeln, klingelt bei Jürgen Kunz auch um drei Uhr morgens das Diensthandy. Das Telefon liegt bei entsprechender Witterung direkt neben seinem Bett. Ohne Frühstück – selbst seinen Morgenkaffee trinkt er dann erst später – springt der Leiter des Baubetriebs der Stadtwerke Leinfelden-Echterdingen ins Auto, macht eine erste Kontrolltour und fährt ins Büro nach Leinfelden.
An solchen Tagen ist der 59-Jährige der Erste, der in der Benzstraße 23 das Licht anknipst: zunächst im Hof und dann in den Garagen. Er schließt das Waschhaus und die Tore auf. Schließlich soll alles möglichst schnell gehen, wenn die Fahrer des Winterdienstes, die um vier Uhr alarmiert werden, eintreffen, um 71,4 Kilometer Straße und Radwege sowie 30 Kilometer Gehwege von Schnee und Eis zu befreien. 47 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stehen für diese Aufgabe bereit, sie können in mehreren Schichten eingesetzt werden. Vier Einsatzleiter, neun Lastwagen- und zehn Schlepperfahrer sowie 24 Leute, die zu Fuß unterwegs sind, gibt es bei den Stadtwerken für den Winterdienst. „Jede und jeder kennt seinen Streckenplan, weiß was sie oder er zu tun hat“, sagt Kunz.
„So wenig, wie möglich und so viel, wie nötig“, lautet die Devise bei der Dosierung des Streumaterials. Auf den Straßen wird Feuchtsalz, also eine Salzlauge, verteilt. Der Vorteil: Die Salzmenge, die pro Winter gebraucht wird, wird deutlich reduziert. Auf den Gehwegen kommt Splitt zum Einsatz. Zunächst gilt es, die Hauptstraßen und Ortsdurchfahrten zu räumen, dann die Straßen, die in die Wohngebiete führen, und später jene Anliegerstraßen, die sechs Prozent Steigung und mehr haben.
„Besonders anspruchsvoll ist der Winterdienst in Musberg“, sagt Jürgen Kunz. In diesem Stadtteil seien die Straßen besonders eng und steil. Die Musberger Lenzhalde beispielsweise habe eine Steigung von 15 Prozent. Es gebe aber auch in anderen Stadtteilen „neuralgische Punkte“. Beispielsweise die Höfer Steige in Stetten.
Jürgen Kunz ist einer der vier Einsatzleiter für den Winterdienst bei den Stadtwerken, die im wöchentlichen Wechsel Dienst haben. „Einmal im Monat bin ich dran“, erklärt der 59-Jährige. Der Bereitschaftsdienst dauert jeweils von Montag, 16 Uhr, bis zum darauf folgenden Montag, 16 Uhr. Die Verantwortung sei groß. „Bei Fehlern können wir auch persönlich belangt werden“, sagt Kunz. Und stellt klar, dass nachts keine Räum- und Streupflicht bestehe. „Wir müssen nur den Tagesverkehr absichern und nur gefährliche Stellen räumen. Auf Fußwegen übernehmen wir nur dann die Haftung, wenn diese entlang städtischer Gebäude oder entlang städtischer Grünlagen verlaufen.“
Seit 2001 ist Jürgen Kunz in diesem Job. Am Anfang habe ihm der Winterdienst viel Spaß gemacht, sagt er. Obwohl er zusätzlich zur normalen Tagesarbeit geschultert werden müsse. Mittlerweile spiele sein Kreislauf frühmorgens nicht mehr so gut mit. Er gibt zu: „Ich schlafe auch mal gerne aus.“ Deshalb sei er einerseits froh, dass diese Einsätze immer seltener werden. Andererseits stimme ihn diese Entwicklung nachdenklich. „Die Klimaerwärmung ist bei uns augenscheinlich“, konstatiert er. Im Jahr 2009/2010 – „dem letzten richtigen Winter“, wie der Baubetriebschef sagt – habe der Winterdienst 460 Tonnen Salz verteilt. Wenn es damals keinen Lieferengpass gegeben hätte, wäre der Verbrauch noch höher gewesen.
In der vergangenen Saison lag dieser bei 107 Tonnen, in diesem Winter habe man bisher elf Tonnen Salz gestreut. Überfrierende Nässe – was besonders auf Brücken ein Thema ist – sei mittlerweile das größte Problem auf den Straßen und Wegen der Fildern, berichtet er. Wenn es am Vortag geregnet hat und dann die Temperatur ins Minus fällt, sei es mitunter gefährlicher, als wenn es schneit.
Lichtgeschichten von den Fildern
Serie
In der Winterzeit erscheint die Serie „Lichtgeschichten von den Fildern“. In ihr wollen wir im wahrsten Sinne des Wortes beleuchten, welche Rolle das Licht in der dunklen Jahreszeit hat, mit Menschen sprechen, die mit Licht zu tun haben, das Licht bringen, oder Tipps geben, wie man sich selbst aus der Dunkelheit holen kann.
Heute
Diese Folge dreht sich um Jürgen Kunz. Der Leiter des Baubetriebes der Stadtwerke ist einer von vier Einsatzleitern des Winterdienstes in Leinfelden-Echterdingen. Wenn es richtig schneit, ist er der Erste, der an die Benzstraße 23 frühmorgens das Licht anknipst.