Lichtspektakel in Stuttgart Bahnhofsturm und Kinos leuchten bunt – diese Botschaften stecken dahinter

Lila erleuchtet: Das Lichtspektakel am Stuttgarter Bahnhofsturm soll eine Botschaft transportieren. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 4 Bilder
Lila erleuchtet: Das Lichtspektakel am Stuttgarter Bahnhofsturm soll eine Botschaft transportieren. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Bunt erstrahlten der Bahnhofsturm und die Innenstadtkinos am Sonntagabend. Am Montag sollen das Milaneo und die Königsbau Passagen rot leuchten. Wir verraten, was hinter dem Lichtspektakel steckt.

Digital Unit: Jonas Schöll (jo)
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Stuttgart - Auf den ersten Blick haben der Bonatzbau in Stuttgart und der Schiefe Turm von Pisa nicht sonderlich viel gemeinsam – doch am Sonntagabend verband beide Bauwerke eine eindringliche Botschaft. Im gleichen Licht erhellte sich der Bahnhofsturm in der Schwabenmetropole und das italienische Wahrzeichen: Sie leuchteten spektakulär in den Farben lila, blau und grün. Der Grund: Beide Bauten waren Teil einer weltweiten Lichtaktion, die auf seltene Krankheiten hinweist.

Darum erstrahlte der Bahnhofsturm

Anlass war der „Rare Disease Day“ (Internationaler Tag seltener Krankheiten), den es seit 29. Februar 2008 gibt. An diesem Tag soll auf die Belange von Menschen aufmerksam gemacht werden, die von seltenen Krankheiten betroffen sind. Ausgerufen wurde der Aktionstag von Eurodis, einer nicht-staatlichen Allianz von Patientenorganisationen. Diese wählte mit dem 29. Februar als Datum bewusst den seltensten Tag eines Jahres, den nur alle vier Jahre vorkommenden Schalttag. In Nicht-Schaltjahren wird der Tag am 28. Februar begangen.

„Die Aktion soll ein Zeichen setzen, dass Menschen mit einer seltenen Erkrankung in der Gesellschaft nicht übersehen werden dürfen“, hatte Nikolaus Hebding, der Leiter des Stuttgarter Bahnhofsmanagements im Vorfeld angekündigt. Die Deutsche Bahn unterstützte damit eine Initiative des Stuttgarter Vereins KEKS, eine Patienten- und Selbsthilfeorganisation für Kinder und Erwachsene mit kranker Speiseröhre.

Auch der Papst erinnert an seltene Krankheiten

Laut Nikolaus Hebding sind in Deutschland rund vier Millionen Menschen von selten Erkrankungen betroffen, weltweit seien es rund 300 Millionen. Eine dieser Erkrankungen ist die Ösophagusatresie: Kommt ein Kind damit auf die Welt, kann nichts vom Mund in den Magen gelangen. Unbehandelt führt diese seltene Krankheit unweigerlich zum Tod. Jährlich werden rund 200 Kinder mit einer seltenen Fehlbildung der Speiseröhre geboren.

Auch Papst und Vatikan forderten aus diesem Anlass am Sonntag Zuwendung und Hilfen für Menschen mit seltenen Krankheiten. Franziskus dankte allen Organisationen und Menschen, die sich in diesem Sinne für Betroffene engagieren. Einige von ihnen waren am Sonntag zum Mittagsgebet auf den Petersplatz gekommen. Ebenso ermutigte das Kirchenoberhaupt zu weiterer Forschung auf dem Gebiet. Ganz besonders sei er den leidenden Kindern nahe. Für sie, die oft nicht verstünden, was ihnen fehlt, seien eine schlechte Diagnose und Prognose besonders schwer.

Lichtspektakel bei den Kinos

Doch der Stuttgarter Bonatzbau war nicht das einzige Bauwerk, das am Abend bunt erstrahlte – auch der Marquardtbau, das Zuhause der Kinos Gloria, EM und Cinema, leuchtete in vielen Farben. Der Grund war aber ein anderer: Vor Beginn der Berlinale am Montag hatten zahlreiche Kinobetreiber in Deutschland eine Perspektive für ihre Häuser gefordert. Nach Angaben des Branchenverbands AG Kino hatten sich mehr als 300 Kinos zu der Lichtaktion angemeldet, neben Stuttgart etwa auch in Berlin und Köln.

„Wir leben seit vielen Monaten ohne Kultur“, sagte Verbandschef Christian Bräuer. Auch wenn man sich damit eingerichtet habe, sei das Zuhausebleiben eine Belastung. Bei den Kinobetreibern gehe es außerdem um die Existenz. Die Kinos sind seit November wieder geschlossen, auch viele andere Einrichtungen in Deutschland sind durch die Corona-Pandemie zu. Mit ihrer Aktion wollten die Kinobetreiber einen Appell an die Politik senden: „Gebt uns eine Öffnungsperspektive“, sagte Bräuer.

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Weitere Lichtaktionen in Stuttgart geplant

Am Montag kündigten sich noch weitere Lichtaktionen in Stuttgart an: So sollen am Abend das Einkaufszentrum Milaneo und die Königsbau-Passagen im Rahmen einer bundesweiten Aktion rot erleuchten – als „mahnendes Zeichen für die schwierige Lage der Händler und für eine schnelle Wiedereröffnung der Geschäfte,“ wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung hieß.

„Mit der Aktion wollen wir ein klares Zeichen setzen und zeigen: Der Handel blutet aus und die Lebendigkeit der Innenstadt ist in Gefahr“, sagte Malte Hilbing, Center Manager der Königsbau Passagen. Eine schnelle Öffnung der Geschäfte sei dringend, weil der anhaltende Lockdown viele Händler in ihrer Existenz gefährde. Auch Breuninger lässt seine Schaufenster im Flag Store in Düsseldorf leuchten – und beteiligt sich damit an der nationalen Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“, zu der sich zahlreiche Handelsunternehmen in ganz Deutschland zusammengeschlossen haben.




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