Lidl kündigt Ditzinger Bäckereibetrieb Brötchen jetzt nur noch vom Discounter

Von Stefanie Köhler 

Am Samstag ist Schluss: Der Discounter Lidl hat der Bäckerei Diefenbach im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen gekündigt. Vermutlich deshalb, weil er sein Backwaren-Angebot ausbauen will.

Am Wochenende ist Schluss: Die Bäckerei Diefenbach muss ihre Filiale bei Lidl in Münchingen schließen. Foto: factum/Granville
Am Wochenende ist Schluss: Die Bäckerei Diefenbach muss ihre Filiale bei Lidl in Münchingen schließen. Foto: factum/Granville

Kreis Ludwigsburg - Hartmut Diefenbach hat die Nachricht noch immer nicht ganz verdaut. Kopfschüttelnd hält er das Schreiben von Lidl in den Händen. Darin spricht das Unternehmen seiner Bäckerei-Filiale im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen die Kündigung aus. Am Samstag verkauft Diefenbach zum letzten Mal Brote und Brötchen in dem direkt an Lidl angrenzenden, etwa 30 Quadratmeter großen Anbau mit separatem Eingang.

Fast 20 Jahre lang hatte der Ditzinger Familienbetrieb seine Filiale bei Lidl. „Die Kündigung trifft uns hart“, sagt der 60-jährige Bäckermeister. Der Laden an der Stuttgarter Straße werde gut angenommen, fügt Hartmut Diefenbach hinzu, der aber keine Umsatzzahlen in der Zeitung lesen will. Der Vorteil des Standorts liege auf der Hand: „Wir öffnen um 6 Uhr morgens, zwei Stunden vor Lidl. Die Kunden können problemlos den noch leeren Parkplatz nutzen.“ Zu Diefenbachs Kunden zählten auch viele Handwerker, die vor der Arbeit noch schnell einen Kaffee trinken. Glücklicherweise habe man die sechs Mitarbeiter in den anderen sieben Filialen unterbringen können, sagt Claudia Diefenbach.

Langfristige Veränderung

Der Lidl-Umbau in Münchingen ist Teil eines umfassenden Modernisierungskonzepts des Discounters. Selbst dessen Sortiment im Internet kommt auf den Prüfstand. Damit will sich Lidl gegen die harte Konkurrenz im Lebensmitteleinzelhandel behaupten – gegen die stationäre Konkurrenz, auch gegen Online-Händler wie Amazon, die ins Lebensmittelgeschäft einsteigen. Auch andere Discounter und Supermärkte investieren Milliarden in die Modernisierung ihrer Filialen.

Hartmut Diefenbach ist davon überzeugt, dass seine Bäckerei zugunsten mehr Lidl-eigener Backwaren weichen muss. „Die machen aus ihrer kleinen Backstation eine große.“ Zudem sei er nicht der erste Bäcker, dem Lidl den Vertrag kündigt. „Ich gehöre zu einem der letzten Bäcker in der Region, die ihre Filiale noch bei Lidl haben.“ Unter anderem betreibt die Bäckerei Sehne in Gerlingen noch eine Filiale bei dem Discounter.

Es ist eine langfristige Veränderung. Vor mehr als fünf Jahren haben die meisten Discounter und Supermärkte damit begonnen, ihre Filialen mit Backstationen auszustatten. Die Backwaren zu Kampfpreisen setzen die traditionellen Bäckereien stark unter Druck. Inzwischen decken Discounter und Supermärkte ein Fünftel des Brot- und Backwarenumsatzes ab – mit steigender Tendenz.

In Münchingen soll es eine „neue Backnische“ geben

Auf Anfrage teilt Lidl unserer Zeitung mit: „Lidl entwickelt sein Filialportfolio qualitativ und quantitativ weiter, um seinen Kunden eine moderne Einkaufsstätte mit attraktiven Einkaufsbedingungen zu präsentieren.“ In Münchingen werde die frei werdende Fläche für „die Erweiterung des Pfandraums, neue und großzügigere Mitarbeiterräume sowie unsere neue Backnische“ genutzt. Die Nachfrage, was der Kunde sich unter der „neuen Backnische“ vorstellen könne, lässt das Unternehmen bislang unbeantwortet. Laut Recherchen unserer Zeitung ging in anderen Lidl-Filialen eine Backnische meist mit einem umfangreicheren Angebot an Backwaren einher. Auch zu den Plänen für die neue Filiale in Korntal schweigt Lidl.




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