Liebe im Alter in der Region Stuttgart Eine neue Liebe für die dritte Lebensphase

Hilde Schubert und Uwe Blotenberg sind jeden Tag dankbar, dass sie ihr Leben zusammen verbringen dürfen. Foto: Sandra Belschner

Am Valentinstag vor sechs Jahren hatten Hilde Schubert und Uwe Blotenberg ihr erstes Date. Gefunden haben sich die Witwe und der Witwer über eine Partnervermittlung. Wie verläuft ein Kennenlernen, wenn zwei gelebte Leben aufeinandertreffen?

Filderzeitung: Sandra Belschner (sbr)

Während klassische Musik das Wohnzimmer erfüllt, schenkt Hilde Schubert ihrem Mann Kaffee ein. Weißes Porzellangeschirr mit feinem Goldrand steht auf der glattgebügelten Tischdecke. Ein Sammelsurium an Orientteppichen liegt auf dem Boden. Auf der Wohnzimmerwand aus dunklem Holz sind Familienfotos drapiert. Es gibt Zwetschgenkuchen, natürlich mit Schlagsahne. Der Nachmittag könnte auch ein Sonntag bei den Großeltern sein. Alles scheint, als wäre es schon immer so gewesen.

 

Auf den ersten Blick weist nichts darauf hin, dass Hilde Schubert und Uwe Blotenberg den Großteil ihres Lebens ohneeinander verbracht haben. Nur kleine Neckereien, wie ein vorsichtiges Zunge raus strecken, ein verschmitztes Lächeln, sanfte Berührungen am Arm und verliebte Blicke weisen darauf hin, dass es eben doch noch nicht schon immer so war.

Eine Witwe und ein Witwer finden sich über eine Partneragentur

Kennengelernt haben sich die 74-jährige Gerlingerin und der 84-jährige Filderstädter am 14. Februar 2019 – über eine Partnervermittlung. „Mein Mann ist vor neun Jahren plötzlich gestorben. Wir hatten eine gute Ehe, dementsprechend war das eine Katastrophe“, erzählt die Rentnerin. Nach drei Jahren der Trauer habe sie sich dann gefragt, ob sie noch 20, vielleicht sogar 30 Jahre, alleine leben möchte. Für die gelernte Wirtschafterin kam das nicht in Frage. Aber wie jemanden kennenlernen, in einem Alter, in dem die meisten Jahrzehnte verheiratet sind oder sich nicht mehr auf eine neue Liebe einlassen wollen? Eine Freundin schlug eine Partnervermittlung vor.

Im gleichen Jahr wie Hildes Mann starb Uwes Frau, auch er erinnert sich mit einem wohligen Blick an seine fast 50-jährige Ehe. Nach dem Tod seiner Frau reiste er viel, genoss seinen Ruhestand und „kam gut zurecht“. Doch an das Alleinsein wollte sich der gelernte Kaufmann nicht gewöhnen, weil „irgendetwas fehlte“. Für ihn war klar, dass er dieses Puzzleteil nicht in einer Bar oder auf einer Kulturveranstaltung finden würde. Dafür sei er „einfach nicht der Typ“. Eines Tages entdeckte er die Partnervermittlung „Harmonie 50 plus“.

An den Moment, als sie Uwe das erste Mal gesehen hat, kann sich Hilde noch gut erinnern: „Oh ja, der gefällt mir“, sagt sie, als der Partnervermittler Günther Mader ihr ein Foto von Uwe zeigt. Mit verträumtem Lächeln und schimmerndem Glanz in den Augen erinnert sich die Witwe an den Moment zurück. „Vergessen Sie das“, habe Mader gesagt, denn er ging davon aus, dass Uwe eine große Frau suche. Doch drei Tage später klingelt das Telefon in Gerlingen: Uwe möchte sie kennenlernen.

„Ich hatte von Anfang an Schmetterlinge im Bauch“, erzählt Hilde vom ersten Treffen am Bärenschlössle. „Das hat einfach gepasst“, fällt ihr Uwe liebevoll ins Wort. Für einen kurzen Augenblick wird es still am Tisch und die beiden verlieren sich in dem Moment ihrer ersten Begegnung. Und über was unterhält man sich, wenn man schon ein ganzes gelebtes Leben zum ersten Date mitbringt? Bei Hilde und Uwe lautet die Antwort: Radfahren, Opernbesuche und die Kinder und Enkelkinder, die beide haben. Sie treffen sich öfter, gehen viel spazieren. Als Uwe eine Reise nach Hamburg unternimmt, weiß er noch nicht, dass er damit den Beginn der Beziehung besiegelt. Bei einem Zwischenhalt in Münster auf seiner Rückreise ruft er Hilde an und fragt: „Magst du mich abholen?“ Er habe nicht gedacht, dass sie wirklich kommt. „Aber ich kam“, sagt Hilde, „und ab da war das zwischen uns klar.“

Keine Zeit mehr für Zankerei

Wenn die beiden über ihr Kennenlernen sprechen, wirkt es, als säßen zwei Teenager am Tisch. Keine Spur von Hemmungen, sich auf einen neuen Partner einzulassen, Selbstzweifeln, die die Attraktivität in Frage stellen oder negative Prägungen aus den vorherigen Ehen. All das mache nämlich laut verschiedenen Altersforschern die Suche nach einem neuen Partner in der dritten Lebensphase schwieriger. Zweifel haben Hilde und Uwe nie gehabt, auch weil beide positive Erfahrungen in ihrer Ehe gemacht haben. Aber sie fühle sich anders an, die Liebe im Alter. Denn während früher Kinder, Beruf und Geldsorgen den Alltag einnahmen, sei heute Zeit für mehr Zweisamkeit und den Genuss des Wohlstandes, den man sich erarbeitet habe. Selbstsicherer sei man im Alter, und ruhiger. „Man überlegt sich dreimal, ob das jetzt einen Streit wert ist“, sagt Uwe. Natürlich gebe es Diskussionen, aber eine richtige Zankerei hatten die beiden noch nie. Doch manches lasse sich im Alter nicht mehr so leicht umwerfen und so kommt das Zusammenziehen für die beiden nicht in Frage.

Einem gemeinsamen Alltag steht das nicht im Weg. An drei bis vier Tagen in der Woche ist Hilde in Plattenhardt. Dann beginnt der Tag der Senioren um 7.20 Uhr mit Telegym, danach gibt es Müsli. An den Nachmittagen gehen sie Radfahren, Besuchen Freunde oder Hilde arbeitet im Garten. „Ich verziehe mich dann vor den Computer“, sagt Uwe. „Kaum, dass ich angefangen habe, stehst du mit der Schere hinter mir“, sagt Hilde. Ihre Abende füllen sie mit Ballettbesuchen, Kartenspielen oder dem Planen von gemeinsamen Reisen.

Dass sie noch einmal heiraten, konnten sie sich eigentlich nicht vorstellen. Doch nach zwei Jahren Beziehung fragt Uwe, ob sie das nicht einfach machen wollen. Der Wunsch war auf einmal da, entstanden aus einem Gefühl heraus. „Sicherstellen“, schmunzelt Uwe. An der Hochzeit haben die beiden ihr Alter dann aber doch gemerkt: „Uwe musste mit seinem Bruder eine Art Räuberleiter machen, damit sie mich über die Türschwelle tragen konnten“.

Partnersuche nach dem Eheleben

Harmonie 50 plus
Günther Mader hat 2007 in Leinfelden-Echterdingen die Partnervermittlung „Harmonie 50 plus“ gegründet. Laut eigener Aussage bringt er pro Jahr bis zu 100 Paare zusammen. Die meisten seiner Kundinnen und Kunden seien zwischen 60 und Anfang 80 und kommen aus dem Großraum Stuttgart, aber auch aus dem Schwarzwald, der Bodenseeregion oder der Schweiz. In einem Vorgespräch lernt Mader die Interessierten in ihrem Zuhause kennen. Dann beginnt die kostenpflichtige Vermittlung über das Austauschen von Telefonnummern unter Zustimmung.

Online-Dating
Laut einer Umfrage der Apotheken-Umschau haben elf Prozent der Befragten über 65 Jahren Erfahrung mit Online-Dating. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes gibt an, dass vergangenes Jahr zwölf Prozent der über 60-Jährigen auf Partnersuche waren.

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