Petra Bandke aus Leinfelden hatte 2019 von ihrem Arbeitgeber, der Landesbank Baden-Württemberg, ein Sabbatical, also eine Auszeit, genehmigt bekommen und große Pläne geschmiedet. Segeltörn bei Sardinien, wandern in Irland und Schottland und eine Reise mit ihrem Sohn nach Kanada. „Alles war gebucht, angezahlt, und dann kam Corona“, sagt die 54-jährige Frau aus Leinfelden. „Ich war ein Häufle Elend“, sagt sie.
Im Frühjahr 2020 hatte sie der Chef des Single-Reiseveranstalters angerufen und ihr als Alternative zum Segeln bei Sardinien eine Radtour an der Ostsee angeboten. Ihre erste Reaktion war: nee. „Ich habe aber darüber nachgedacht und eine schlaflose Nacht verbracht“, erzählt sie. Dann hat sie doch zugesagt. Eine schicksalhafte Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.
Am 1. Juli 2021 ist er nach Leinfelden gezogen
Es war der 28. Juni, als sie allein in einem Strandcafé saß. Sie wollte gerade bezahlen, als ein Mann an ihren Tisch kam und sie gefragt hat, ob er sich zu ihr setzen dürfe. „Es war rappelvoll“, erinnert sie sich. „Da habe ich im breitesten Schwäbisch geantwortet: Des isch scho in Ordnung.“ Weil der Mann drei Wochen später eine Reise nach Stuttgart ins Porsche- und Daimler-Museum geplant hatte, kamen sie ins Gespräch. Petra Bandke hat das Zahlen verschoben und ist mehr als zwei Stunden mit ihm sitzen geblieben.
Der Mann heißt Thomas, ist zwei Jahre älter als sie – und „meine große Liebe“, sagt sie heute. Ein Jahr später, am 1. Juli, ist er nach Leinfelden gezogen. „Ich wundere mich“, sagt sie und meint die Kurzentschlossenheit ihres Liebsten. „Ich frage ihn mindestens einmal die Woche, ob es ihm gut geht.“ Für sie wäre der Ortswechsel nicht infrage gekommen, sagt sie. „Ich bin hier viel zu stark verwurzelt.“
Partnersuche gerade eingefroren, von Single-Börsen abgemeldet
Petra Bandke sagt, sie sei zu dem Zeitpunkt, als ihr Thomas über den Weg gelaufen sei, nicht auf Partnersuche gewesen. Im Januar 2020 habe sie sich bei zwei Single-Portalen abgemeldet. Zum einen hatte sie ein paar Dates, die nicht gut liefen, zum anderen dachte sie ja, sie sei in den nächsten Monaten ohnehin auf Reisen. Und dann klopfte das Glück unverhofft an ihre Tür.
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Obschon rund 700 Kilometer zwischen den beiden lagen, hatten sie viel Zeit, sich kennenzulernen. Beide waren im Homeoffice, sodass er immer wieder wochenweise von Leinfelden aus für seine Versicherung arbeiten konnte und sie von Lübeck aus für die Landesbank. „Da kam uns Corona also wieder zu Hilfe“, sagt sie.
Das Schicksal hatte wieder seine Finger mit im Spiel
Im Rückblick sagt Petra Bandke, dass die Pandemie auch eine Lebenslehre für sie war. Nämlich dass die Dinge immer zwei Seiten haben. War sie zu Beginn eher pessimistisch, weil die Entwicklungen ihre Pläne durchkreuzt haben, so weiß sie heute, wofür es gut war.
Außerdem habe sie inzwischen einen ganz neuen Blick auf ihre direkte Umgebung gewonnen. Weil sie sie durch ihren Thomas neu kennengelernt habe. „Ich habe zum Beispiel gemerkt, wie schön unser Siebenmühlental ist.“ Sprich: Das Glück liegt nicht unbedingt in der Ferne. Und seit ihr Freund in Leinfelden wohnt, gleich dreimal nicht.
Er sei übrigens nicht in irgendeine Wohnung gezogen, erzählt sie. Ihr Ex-Mann habe neu geheiratet, seine Wohnung wurde frei. Wieder so ein Schicksalsding.